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Wirtschaft im Landkreis Oldenburg Wirtschaft im Kreis Oldenburg feiert ihre Förderer

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 01.11.2017, 22:27 Uhr

Mit 50 Jahren sei die Wirtschaftsförderung im Landkreis Oldenburg ein „Bestager“, hieß es in der Jubelfeier. Die Vollbeschäftigung ergibt neue Aufgaben.

Im Fernseh-Dauerbrenner „Lindenstraße“ ist Bill Mockridge als Partner, Ey-Partner und Wieder-Partner Helga Beimers schon seit zwei Jahren tot. Dass der seit Jahrzehnten in Deutschland lebende Schauspieler im Programm „Je oller, je doller: So vergreisen Sie richtig“ auf der Bühne humoristische und kabarettistische Talente auslebt, begeisterte gestern Abend die Gäste der Jubiläumsfeier „50 Jahre WLO“ im Lili-Servicekino in der Kreisstadt Wildeshausen. Seine feinsinnigen Beobachtungen zum Älterwerden, nach eigenen Angaben aus persönlicher Erfahrung gespeist, forderten Lacher auf Lacher und reichlich Beifall heraus.

Einst strukturschwache Region

„Konzertierte Aktion“ lautete 1967 in der Bundesrepublik Deutschland das Zauberwort, mit dem der stotternde Konjunkturmotor in der ersten Wirtschaftskrise nach den Jahren des „Wirtschaftswunders“ in den 1950-er und frühen 1960-er Jahren wieder flottgemacht werden sollte. Bundes-Wirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) betrieb das Konzertieren im Großen mit der Bundesbank, den Gewerkschaften und Unternehmerverbänden sowie mit den führenden Wirtschaftswissenschaftlern. Im damals strukturschwachen Landkreis Oldenburg oblag es der neuen Wirtschaftsförderungsgesellschaft WLO, außerhalb der Atlas- und Amazone-Werke überhaupt erst einmal überregional bedeutsame wirtschaftliche Entwicklungen anzustoßen, und das in einem Modell, das andernorts schnell kopiert wurde.

Geldgeber mit im Boot

Es sei „eine Pioniertat“ gewesen, dass der Landkreis Oldenburg mit der Bremer Landesbank und der Landessparkasse zu Oldenburg die Geldgeber in die Gesellschaft geholt habe, erinnerte Gastredner Ralf Borchers, den der in den Koalitionsverhandlungen in Hannover unabkömmliche Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) kurzfristig nach Wildeshausen geschickt hatte. Borchers, Abteilungsleiter Mittelstand im Wirtschaftsministerium, erwies sich als kenntnisreicher Vertreter, denn gerade der Förderung des Mittelstands und der kleinen Unternehmen hat sich die WLO von Anfang an und bis heute verschrieben.

Vollbeschäftigung errreicht

Borchers packte die WLO-Erfolgsgeschichte in eine griffige Zahl: „3,5 Prozent Arbeitslosigkeit im Landkreis Oldenburg, das kann man Vollbeschäftigung nennen. Heute ist es eine wichtige Aufgabe der Wirtschaftsförderung, den Unternehmen die Fachkräfte zuzuführen.“ Potenzial sieht Borchers bei der Integration von Flüchtlingen. Das sei „ein steiniger Weg, und wir freuen uns über jeden engagierten Handwerksbetrieb.“

„Brexit“ als Chance

„Bildung und Digitalisierung sind die Stellschrauben elementarster Bedeutung“, betonte Folker Hellmeyer, der zweite Gastredner. Der Vertreter des WLO-Gesellschafters Bremer Landesbank/Norddeutsche Landesbank sieht wegen der Vielfalt der Universitäten in Bremen, Oldenburg, Vechta und Wilhelmshaven gute Chancen auf einen vorderen Platz für die Region im Bildungswettlauf. Den zahlreichen Unternehmern im Saal gab er den Rat, den „Brexit“ genannten Austritt Großbritanniens aus der EU nicht zu fürchten: „Unternehmen verlassen die Insel. Der Brexit wird das größte Wachstumsprogramm Kontinentaleuropas. Das ergibt viel Raum für Aktivitäten der WLO.“