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Wirtschaft in Ganderkesee Weiteres Fachgeschäft in Ganderkesee schließt

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 30.11.2017, 07:28 Uhr

Seit über 60 Jahren gibt es in Ganderkesee das Uhren- und Schmuckgeschäft Michael. Inhaber Oliver Michael schließt die Ladentür Ende März letztmals ab.

„Zu vermieten“ heißt es auf einem Schild im Schaufenster, „Räumungsverkauf“ auf einem anderen Schild an der Eingangstür: Untrügliche Zeichen, dass für das Uhren- und Schmuckgeschäft Werner Michael das Aus naht. „Am 30. oder 31. März 2018 schließe ich die Ladentür letztmals ab“, kündigt Inhaber Oliver Michael an.

Persönliche Gründe

Mit dem Uhren- und Schmuckgeschäft am Ring direkt gegenüber der Kirche verliert Ganderkesee im Ortskern ein weiteres inhabergeführtes Fachgeschäft. In die Klagelieder über die Konkurrenz der Einzelhandelsketten, des Internetgeschäfts und den demografischen Wandel will Oliver Michael gar nicht einstimmen. Er benennt Persönliches als Grund für die Geschäftsaufgabe: „Ich will noch etwas Neues schaffen. Jetzt ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen“, sagt der 55-Jährige, „je später ich anfange, desto schwieriger wird es.“

61 Jahre im Ortskern

Oliver Michael führt das Fachgeschäft in zweiter Generation. „Mein Vater Werner hat es vor 61 Jahren aufgebaut. Das Geschäft war zunächst im Wieker-Haus am Ring eingerichtet, dann in dem Laden an der Rathausstraße, in dem das Schuhhaus Denker Kinderschuhe verkauft. Als Uhrmacher Vosgerau vor 40 Jahren das Geschäft am Ring 16 aufgegeben hat und auch das hier ansässige Geldinstitut ausgezogen ist, hat mein Vater seinen Laden mit Werkstatt hierher verlegt“, erinnert sich Oliver Michael. Er führt das Geschäft seit dem Tod seines Vaters im Dezember 2014.

Schmuck in eigenem Design

„Hier im Geschäft bin ich schon immer gewesen“, blickt Michael zurück. „Eigentlich wollte ich Goldschmied werden. Damals wollten alle diesen Weg eingeschlagen, und deshalb bin ich kurzentschlossen auf das Uhrmacherhandwerk umgestiegen“, ergänzt er. Seine erste handwerkliche Liebe lebt er aus, wenn er Schmuckstücke mit eigenem Design anfertigt. Als geschicktem Uhrmacher vertrauen ihm Liebhaber Zeitmesser mit mechanischem Uhrwerk an. Aber: „Eigentlich liegt mit das Kaufmännische am besten.“

50mal an der Kirchturmuhr

Uhrmacher Michael hat über Jahrzehnte dafür gesorgt, dass den Ganderkeseern die richtige Stunde schlägt. Für die evangelische Kirche hat er die Wartung der Kirchturmuhr übernommen. Nach der Einführung von Sommer- und Winterzeit im Jahr 1980 galt es jeweils zweimal im Jahr, das Uhrwerk eine Stunde vor- oder zurückzustellen. Auch Reparaturen waren hin und wieder fällig. „Ich bin mindestens 50mal oben im Turm gewesen“, schätzt er. Die letzte Wartung vor der Umstellung der Kirchturmuhr aufs Digitale hat allerdings ein Angestellter seines Geschäfts übernommen.

Rabatte im Ausverkauf

In dem Uhren- und Schmuckgeschäft am Ring 16 leeren sich allmählich die Regale. Im Räumungsverkauf gewährt Inhaber Michael den Kunden bis Weihnachten einen Rabatt von 30 Prozent. Einige Artikel sind mit einem Preisnachlass von 50 Prozent ausgezeichnet.