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Wölfe in Niedersachsen Sorgen um Sicherheit von Schafherden im Landkreis

Von Antje Cznottka | 23.01.2015, 15:34 Uhr

Der Wolf ist zurück in Niedersachsen. Landwirte im Landkreis Oldenburg und Delmenhorst sind allerdings besorgt, dass das auf lange Sicht die freilaufende Viehwirtschaft gefährdet. Experten mahnen derweil vor Überreaktionen.

Hergen Schütte ist selbst noch kein Wolf begegnet und auch seine Schafe, die im Landkreis Oldenburg weiden, sind bisher verschont geblieben. Trotzdem ist er besorgt. „Ich höre immer wieder von Bekannten, dass sie Wölfe gesehen haben“, berichtet der Hobbyschäfer und Nebenerwerbslandwirt. „So ein meterhoher Elektrozaun schreckt einen hungrigen Wolf oder gar ein ganzes Rudel nicht ab“, erklärt er.

Auf der Weide in Dötlingen an der B213 stehen 65 seiner hochträchtigen Schafe. „Wenn die durch einen Wolf aufgeschreckt werden und in Panik geraten, gehen auch sie durch den Zaun“, beschreibt Schütte. Die Nähe vieler Weideflächen zu Bundesstraßen oder Autobahnen könne dann schnell zum Problem werden und nicht nur die Schafe, sondern auch Autofahrer gefährden.

Der Wolf sei in der Nahrungskette ein direkter Konkurrent des Menschen. Natürliche Feinde habe er nicht und die Jagd sei durch nationale und internationale Schutzbestimmungen untersagt. „Wenn der Wolf sich wieder stark vermehrt, befürchte ich, dass die freilaufende Viehwirtschaft keine Zukunft in der Region hat“, sagt Schütte. Der Wolf habe durchaus seine Daseinsberechtigung, er passt nur nicht in so dicht besiedelte und bewirtschaftete Regionen.

Der ehrenamtlich geschulte Wolfsberater Carsten Sauerwein kann die Bedenken der Landwirte nachvollziehen, legt aber auch Wert darauf, die Lage nicht überzubewerten. „Momentan gibt es definitiv kein bestätigtes Wolfsvorkommen im Landkreis Oldenburg und Delmenhorst“, berichtet Sauerwein. Auch der Riss in der Bakenhuser Esch im Dezember 2014 sei bisher keinem Wolf zuzuordnen. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz prüfe den Vorfall. Für einen eindeutigen Nachweis wird eine DNA-Probe untersucht, denn auch Wildhunde, Dachse und Füchse kommen als Verdächtige infrage. Darüber hinaus geben Trittsiegel und typische Jadgmerkmale wie der Kehlbiss Aufschluss über die Identität des Jägers.

„Es gibt auch immer wieder Fehlmeldungen, weil die Menschen Wölfe mit Wolfshunden oder Haushunden verwechseln“, teilt der Experte mit. „Ein ungesicherter Befund heißt natürlich nicht, dass es ausgeschlossen ist, dass ein Wolf durch die Region gezogen ist“, ordnet Sauerwein ein. Eine Sichtung heißt aber genauso wenig, dass der Wolf sich dauerhaft dort aufhalte. „Wenn ein Wolf länger in der Gegend wäre, würden auch nach einigen Tagen immer wieder Risse gesichtet werden“, erklärt Sauerwein, warum im Landkreis Oldenburg und Delmenhorst aktuell kein Grund zur Sorge besteht. Er räumt allerdings auch ein, dass gerissenes Rehwild nicht unbedingt gefunden wird. „An dem Kadaver tun sich auch anderen Tiere gütlich, der ist dann schnell weg“, legt Sauerwein dar.

Das Land Niedersachsen stellt Mittel zur Entschädigung von Nutztierhaltern, die durch Wölfe Tiere verloren haben. Sicherungsmaßnahmen, um Rissen vorzubeugen, werden ebenfalls unterstützt. Sauerwein oder andere Wolfsberater geben nach Terminvereinbarung außerdem vor Ort Tipps und Hinweise zum Aufbau eines effektiven Schutzes vor Wölfen. Allerdings muss für all diese Leistungen ein Wolfsvorkommen in der Region nachgewiesen sein.

Wölfe können pro Tag 40 Kilometer zurücklegen. „Da ist es schwer vorherzusehen, ob meine Tiere gefährdet sind“, gibt Schütte zu Bedenken. Kleinere Herden seiner Schafe weideten auf verschiedenen Weiden. „Insgesamt sind das 40 bis 50 Hektar. Die wolfsicher zu umzäunen ist einfach ein nicht zu leistender Aufwand, auch nicht mit finanzieller Unterstützung“, bewertet Schütte. Das großflächige Einzäunen der Weideflächen würde außerdem dem heimischen Wild eine wichtige Nahrungsquelle rauben.

Menschen müssen sich laut Sauerwein grundsätzlich nicht sorgen. Wölfe mieden die Anwesenheit von Menschen. „Die Wahrscheinlichkeit für eine Begegnung von Mensch und Wolf gleicht der für einen Lottogewinn“, veranschaulicht er. „Bei einer Wolfsbegegnung macht man sich durch lautes Reden, Rufen oder in die Hände klatschen bemerkbar. Dann geht man dabei langsam und ruhig zurück. Es ist überaus wichtig, nicht zu rennen“, empfiehlt der Wolfsberater. Er bittet aber darum, eventuelle Begegnungen zu melden.