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Wohnen im Landkreis Oldenburg Notlage bei Sozialwohnungen im Landkreis Oldenburg

Von Reiner Haase | 26.10.2015, 15:05 Uhr

Wissenschaftler warnen vor einer handfesten Wohnungskrise im Der Zuzug von Flüchtlingen spitzt den Mangel an Sozialwohnungen zu.

300 Neubauwohnungen pro Jahr im Landkreis Oldenburg: Das deckt den Bedarf laut aktueller Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts Hannover bei Weitem nicht ab. Die Wissenschaftler haben ermittelt, dass in diesem Jahr kreisweit 1120 Wohnungen benötigt werden, allein 610 Wohnungen für Flüchtlinge.

Mangel an Sozialwohnungen

Auch in den kommenden Jahren müsse sich der Landkreis Oldenburg auf einen „hohen Wohnraumbedarf einstellen“, sagt Matthias Günther, der Leiter des Pestel-Instituts für angewandte Systemforschung und Prognose. Zwei Mangelerscheinungen haben die Wissenschaftler besonders diagnostiziert: Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum. „Vor allem aber Sozialwohnungen, also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen in der Regel nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, macht Günther deutlich. Die Wohnungsmarkt-Analyse habe die Indutriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) in Auftrag gegeben.

Private Investoren gewinnen

Gemeinsam sprechen sich die Vertreter der Baubranche für eine Ankurbelung vom Wohnungsneubau und für eine Offensive bei der Sanierung leerstehender Wohnungen aus, ebenso für einen Neustart des sozialen Wohnungsbaus. Erreicht werden kann dies, so das Pestel-Institut, durch zinslose Darlehen und Investitionszulagen für genossenschaftliche und kommunale Wohnungsunternehmen. Um private Investoren zu gewinnen, schlagen die Wissenschaftler steuerliche Anreize vor. Diese habe es bereits bei der letzten großen Zuwanderungswelle in den 1990er-Jahren gegeben. „Wenn private Investoren bezahlbare Wohnungen bauen sollen, dann wird das ohne steuerliche Anreize nicht funktionieren“, so Günther.

Die Wissenschaftler warnen den Landkreis Oldenburg davor, auf die 500 Millionen Euro zu schielen, die der Bund den Ländern bis 2020 für den sozialen Wohnungsbau bereitgestellt hat. „Das wird hinten und vorne nicht reichen. Bundesweit werden dadurch bestenfalls zwischen 10.000 und 12.000 Wohnungen neu entstehen. Das ist eine Kapazität, die eine Großstadt nur so wegschluckt“, sagt Günther.

Soziale Spannungen drohen

An die Adresse der heimischen Bundestagsabgeordneten gerichtet, fügt der Wissenschaftler hinzu: „Es muss dringend etwas passieren. Andernfalls droht eine Wohnungskrise, die das Potenzial hat, an vielen Orten zu erheblichen sozialen Spannungen zu führen.“ Politisch müsse der Neubau und das Sanieren von Wohnungen als Konjunkturmotor neu entdeckt werden. „Was als Anreiz vom Staat investiert wird, fließt beim Wohnungsbau zu einem Großteil über Steuereinnahmen und Sozialabgaben in öffentliche Kassen zurück“, macht Institutschef Günther klar.

40 Wohnungen für 100 Flüchtlinge

Das Pestel-Institut geht bei seiner Wohn-Prognose von rund 1520 Flüchtlingen aus, die im Laufe dieses Jahres in den Landkreis Oldenburg kommen werden. Grundlage hierfür ist die für Deutschland erwartete Zahl von einer Million Flüchtlingen in 2015. Die Verteilung der Asylbewerber auf die Bundesländer berechneten die Wissenschaftler nach dem „Königsteiner Schlüssel“, innerhalb der Länder nach der Einwohnerzahl. „Um die für Asylbewerber zusätzlich benötigten Wohnungen zu ermitteln, gilt die Formel: 100 Flüchtlinge, die in den Landkreis Oldenburg kommen, benötigen im Schnitt 40 Wohnungen“, erläutert Matthias Günther.