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Wohnungsbau in Ganderkesee Baugebiet in Heide bei Bürgern umstritten

Von Reiner Haase | 20.02.2019, 17:18 Uhr

Heide soll am Heuweg um knapp einen Hektar Wohnbauland wachsen. In einer lebhaften Bürgerversammlung haben Anwohner Mängel der Infrastruktur aufgezeigt.

Von „Widerstand“ und „Klagen bis zum Baustopp“ war die Rede, als am Dienstag, 19. Februar, knapp 100 interessierte Einwohner Heides im Rathaus in Ganderkesee über ein geplantes Baugebiet zwischen dem Heuweg und den Wohnhäusern an der Straße Heider See informiert wurden. Es wurde aber auch die Frage in den Raum gestellt, warum „wieder einmal nur so kleinräumig geplant“ werde: Ohne Wenn und Aber werden die Heider den Wohnbau in ihrer Nachbarschaft nicht hinnehmen. Strittig sind vor allem die Themen Verkehr, Infrastruktur, Natur und Landschaft, Hochwasserschutz sowie die Art der Bebauung, wie sie sich abzeichnet.

18 bis 20 Grundstücke

Eine gestrichelte Linie rund um ein weißes Rechteck, am Rand grüne Kreise, die für Baumkronen von oben gesehen stehen: Die auf die Leinwand im Ratssaal projizierte Skizze für den „Bebauungsplan 252 Heide – südlich Heuweg“ visualisierte Gemeindeentwicklungschef Peter Meyers Aussage, dass die Planung noch ganz am Anfang steht. Die Gemeinde habe die knapp einen Hektar große, bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche gekauft, berichtete Meyer. Vorgesehen sei ein Wohngebiet für Ein- und Mehrfamilienhäuser. Er kündigte an, dass hier auch in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Bauträger, der GSG Oldenburg zum Beispiel oder dem Bauverein Delmenhorst, geförderter sozialer Wohnungsbau ermöglicht werden könne. Je nach Art der Bebauung können laut Meyer und Fachplaner Hartger Holm-Grünberg vom Planungskontor Städtebau Oldenburg 18 bis 20 Grundstücke zugeschnitten und Wohnraum für 80 bis 150 Personen geschaffen werden. „Wie das im Einzelnen aussehen soll, müssen wir mit Ihnen besprechen“, so Meyer.

Bäume sollen stehen bleiben

Das nun gemeindeeigene Grundstück ist von drei Seiten von Baumbestand eingefasst. In der Bürgerversammlung wurde bemängelt, dass die Bäume zwischen den Wohngrundstücken Heider See und dem geplanten Neubaugebiet in der Skizze nicht auftauchen. „Eingezeichneten Bäume sollen möglichst erhalten werden. Wir können den Geltungsbereich des Bebauungsplans um den Streifen mit Ihren Bäumen erweitern. Wir wissen aber nicht, ob das allen Eigentümern recht ist“, antwortete Meyer.

Biologen untersuchen Gelände

Das Baugebiet soll mit einer neuen Straße von innen erschlossen werden mit nur einer oder zwei Einmündungen in den Heuweg, möglichst da, wo keine Bäume stehen oder Pappeln, die als weniger wertvoll eingestuft sind als die ebenfalls vorhandenen Eichen. Auf Hinweise auf Fledermäuse, Fasane und andere Tiere in diesem Bereich kündigte Meyer an, dass Biologen das Gebiet noch unter die Lupe nehmen.

Klage über desolate Straße

Trotz des von einigen Heidern monierten desolaten Zustands des Heuwegs gibt es laut Meyer keine Absicht, den Heuweg auszubauen. Als Anwohner darauf hinwiesen, dass der Heuweg keinen Fußweg hat und die einzige fußläufige Verbindung zu anderen Bereichen des Orts entwidmet worden ist, räumte Meyer ein, dass die Leistungsfähigkeit des Heuwegs noch geprüft wird.

Streit über Grundwasserproblem

Emotional wurde es in der Versammlung, als das Thema Hoch- und Grundwasser angeschnitten wurde. „Wenn das Wasser im Randgraben mehrere Tage hoch steht, laufen uns die Keller voll. Damit leben wir seit 40 Jahren“, berichtete ein alteingesessener Heider. „Sie tun wissentlich nichts“, ergänzte er mit Blick auf die Ratsmitglieder, die die Bürgerversammlung verfolgten. Er werde alles tun bis hin zum Baustopp, dass es im gesamten Einzugsbereich des Randgrabens bis Schierbrok kein Baugebiet mit Versiegelungen gebe, das das Problem verschärfe. Ein anderer Heider nahm dem empörten Bürger Wind aus den Segeln: „Der hohe Grundwasserstand war bekannt und hat sich nur unwesentlich verändert. Sie haben den Keller schlecht gebaut.“

Kleine Wohnungen fehlen

Eine Anwohnerin des Heider Sees berichtete, dass in ihrer Nachbarschaft neun von 33 Häusern von Einzelpersonen im Alter von 75 bis 90 Jahren bewohnt werden. Fachbereichsleiter Meyer nutzte die Gelegenheit, Näheres zum geplanten sozialen Wohnbau zu erläutern. Häufig scheitere der Umzug aus dem Eigenheim in eine kleinere Wohnung daran, dass der Erlös beim Verkauf von Haus und Grund auf dem freien Markt nicht für den Erwerb einer Eigentumswohnung reiche. Der Bedarf an kleinen und preiswerten Wohnungen sei im Wohnraumversorgungskonzept dargestellt.

Treffpunkt für Ältere fehlt

Lautstark bemängelt wurde in der Versammlung, dass es in Heide zu wenig Infrastruktur gibt, insbesondere für Ältere und Kinder. „Ich wehre mich dagegen, dass es immer weiter hinausgeht in die Landschaft“, lautete eine andere Botschaft aus der Versammlung. Die Ratspolitik sei gefordert, alle Anregungen und Einwände aufzunehmen und abzuwägen, erläuterte der Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung. „Entscheidend wird für Sie die Zeit der öffentlichen Auslegung“, betonte er. Dann ist das Plangebiet zeichnerisch keine weiße Fläche mehr, sondern mit Details gespickt. Die Absichten der Gemeinde sind im Textteil ausführlich erläutert, und die Anwohner können Anregungen und Kritik gezielt vortragen.