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Wohnungsbau in Hude Landwirte erzürnt über Flächenfraß in Hude

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 17.06.2017, 13:33 Uhr

Die Grundstückspolitik der Gemeinde bringt Landwirte in Harnisch. Der Ankauf von Flächen für Öko-Projekte entziehe Höfen die wirtschaftliche Grundlage.

Der Huder Gemeinderat hat der Verwaltung am Donnerstag grünes Licht für den Ankauf von vier Hektar Land in Lintel signalisiert. Dort soll der Eingriff in den Naturhaushalt ausgeglichen werden, den das geplante Neubaugebiet Wilhelmstraße/Luisenstraße in Hude-Nord mit sich bringt. Als Gäste der Ratssitzung protestierten Landwirte: Trete die Gemeinde so massiv als Konkurrent auf dem Markt für das begrenzte Gut Fläche auf, werde Betrieben die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

40 Prozent Betriebsfläche weg

„In meinem Umkreis gehen uns Landwirten acht Hektar verloren. Das sind 40 Prozent meiner Flächen“ klagte Ingo Wachtendorf, der seinen Milchviehbetrieb hinterm Reiherholz an die Wand gedrückt sieht. Die Gemeinde zahlt den Eigentümern knapp 100.000 Euro für Flächen in Lintel, die Wachtendorf bisher als Pächter bewirtschaftet hat. Aufwand und Ertrag hätten sich für ihn nicht gerechnet, wenn er die Gemeinde überboten hätte. „40 Prozent eines Betriebes weg – das ist eine schwierige Situation“, räumte SPD-Ratsherr Bernd Stolle ein.

Gemeinde sieht keine Alternative

Bürgermeister Holger Lebedinzew stellte klar, dass er wieder zugreift, wenn die Gemeinde Flächen braucht und sich die Gelegenheit bietet, es sei denn, es gebe einen anderslautenden Ratsbeschluss. Dem Rathaus liege viel an einer funktionierenden Landwirtschaft. „Wir müssen alle Lebensbereiche im Blick behalten, die Landwirtschaft und die Siedlungsentwicklung“, sagte der Bürgermeister. „Wir stampfen nicht wie Ganderkesee und Hatten Baugebiete aus dem Boden. Wir entwickeln zielgerichtet kleine Flächen“, ergänzte er, „wir haben keine Alternative, es sei denn, wir stoppen die Siedlungsentwicklung.“

Kompromissangebote und Parteienstreit

Als Ausgleich für den Wohnbau in Hude-Nord soll in Lintel nur ein Teil der Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen und ökologisch aufgewertet werden, wenn der Kaufvertrag unterzeichnet ist. Was übrig bleibe, könne man der Landwirtschaft wieder anbieten, regte Hilko Finke (Grüne) an. Karin Rohde, ebenfalls Grüne, wies darauf hin, dass man sparsamer mit Ausgleichsflächen umgehen könne, wenn innerorts die Wohnbebauung verdichtet werde. Die Äußerung entlockte Wilfried Siems (CDU) einen Konter: Gerade die Grüne fordere „hier noch ein bisschen Grün, da noch ein bisschen Grün“ und mache so kompaktere Planungen zunichte.

Suche nach anderen Wegen

Ohne nähere Erläuterungen berichtete Bernhard Wolff (CDU), beruflich als Geschäftsführer des Kreislandvolks tätig, dass mit dem Landkreis Oldenburg über andere Wege des Ausgleichs verhandelt werde. „Der Landkreis unterstützt uns nicht genug“, ergänzte Wolffs Parteifreund Friedrich Schnabel. Sandra Meyer (CDU) regte an, in Fällen wie dem in Lintel vor dem Ankauf von Flächen erst einmal mit den Landwirten zu sprechen, ob Alternativen möglich sind.