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Zahlen sind rückläufig Ganderkeseer beklagt mangelnde Akzeptanz für Sportabzeichen

Von Thomas Deeken | 05.06.2015, 21:39 Uhr

Das Sportabzeichen muss wieder mehr Anerkennung in der Gesellschaft finden. Das hat Ingolf Bahr aus Ganderkesee, Beauftragter für das Sportabzeichen im Landkreis Oldenburg, gegenüber dem dk gefordert.

Immer weniger machen mit: Waren es im Jahr 2013 noch 3168 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die das Sportabzeichen schafften, gab es im vergangenen Jahr nur noch 2812, moniert Bahr, der früher Marathon gelaufen ist, beim Triathlon dabei war und auch heute noch regelmäßig das Sportabzeichen ablegt.

Landkreis-Beauftragter vermisst junge Leute

Der 60-jährige Ganderkeseer vermisst vor allem die jungen Leute, wie er bereits vor Kurzem bei der Sportlerehrung in Hatterwüsting betont hatte. In den Grundschulen und Förderschulen sei die Lage noch „recht gut“, aber an weiterführenden Schulen sei das Sportabzeichen so gut wie kein Thema mehr. „Und wenn junge Leute nicht gerade Sport studieren oder die Trainer-C-Lizenz machen wollen, ist das Interesse ganz verschwunden“, klagt Bahr.

Hoffnung auf mehr Interesse bei Lehrern

Er habe vollstes Verständnis dafür, dass Schüler, die nachmittags erst gegen 15 oder 16 Uhr nach Hause kommen, keine Lust mehr haben, ausgerechnet für ein Sportabzeichen zu trainieren, sagt Bahr. Es sei aber durchaus möglich, die Disziplinen aus den Sportarten Leichtathletik, Radfahren, Schwimmen und Geräteturnen in den Schulsportunterricht mit einzubeziehen. So könne man beispielsweise im Winter in der Halle die Techniken trainieren und im Sommer nach draußen gehen. „Schließlich kann man auch drinnen auf Matten den Weitsprung üben“, weiß der 60-Jährige. Das alles setze allerdings auch Interesse fürs Sportabzeichen bei Schulleitungen, Lehrern und Schülern voraus.

Auch Zahlen bei Erwachsenen eingebrochen

Bahr vermisse aber nicht nur die Jugendlichen. Auch bei den Erwachsenen seien die Zahlen bei den Sportabzeichenabnahmen eingebrochen. Viele Erwachsene blieben aus zeitlichen Gründen wegen Ausbildung, Beruf, Hausbau und Familie lange Zeit fern, würden zum Teil aber später wieder dazustoßen. Für andere wiederum gebe es eine zu hohe Hemmschwelle, weil „das Sportabzeichen seit der Reform 2013 anspruchsvoller geworden ist“. Das heißt: Man muss schon besondere Leistungen in den Bereichen Koordination, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer abrufen, um eines der Abzeichen in Bronze, Silber oder Gold zu schaffen. Und da liege häufig der Knackpunkt: Es gebe nämlich einige Erwachsene, die Zweifel hätten, Gold zu erreichen. Und für Silber und Bronze würden sie gar nicht erst antreten. Das ist laut Bahr aber eine falsche Einstellung, die uns auch im Fernsehen immer wieder gezeigt werde: Der zweite Sieger eines Finalspiels ist der ganz große Verlierer und lässt sich die Silbermedaille gar nicht erst um den Hals hängen.

Ohne Vereinszugehörigkeit möglich

Es gebe aber auch viele Menschen, die gar nicht wüssten, dass Sportabzeichen auch ohne Vereinszugehörigkeit geht. Dass man trotzdem bei Vereinen wie beispielsweise dem TSV Ganderkesee, dem TV Falkenburg oder dem TuS Hoyerswege trainieren und das Abzeichen erwerben kann – auch wenn sie es gerne sehen würden, dass der eine oder andere auch in den Verein eintritt. Informationen zu den Trainingsterminen gibt es im Internet.

Bahr hofft auf ein Umdenken in der Gesellschaft, auf mehr Akzeptanz. Er erinnert an Spaß am Sport und Freude am Erfolg. Und er weiß, dass „es sogar Arbeitgeber gibt, die Wert auf das Sportabzeichen legen“.

 Weitere Informationen zum Deutschen Sportabzeichen gibt es hier.