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Zehn Tage Blitzeraktion Tempo 177 – und dann blitzt es in Harpstedt

Von Reiner Haase | 14.11.2018, 17:17 Uhr

Harpstedt/Landkreis Oldenburg Das neue Blitzgerät des Landkreises Oldenburg wird gezielt auf besonders gefährlichen Straßen eingesetzt. Bei einer Zehn-Tage-Aktion in Harpstedt hat es 340 Temposünder überrascht.

„Runter vom Gas“ lautet der eindringliche Appell der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Oldenburg nach einer zehntägigen Dauerblitzaktion an der Bassumer Straße bei Harpstedt. Durchschnittlich alle 45 Minuten hat ein Raser die Kontrollstelle durchfahren, insgesamt waren es 340 Temposünder. Den Vogel hat ein Autofahrer mit Tempo 177 abgeschossen.

Gefährliche Wildwechsel

Für die Dauerblitzaktion ist das „semistationär“ genannte Messgerät benutzt worden, das der Landkreis seit gut einem halben Jahr einsetzt. „Wir haben den Standort nahe dem Wasserwerk in Abstimmung mit dem Polizeikommissariat Wildeshausen gezielt ausgewählt, weil die Umgebung für Wildunfälle bekannt ist“, erklärt Behördenleiter Siegfried Bluhm. In dieser Jahreszeit häufen sich die Wildunfälle, weil die Tiere die Straßen auf der Suche nach Futter für den Winterspeck besonders häufig überqueren.

Aufprallwucht enorm

„Ein Verkehrsschild, das einen Wildwechsel ankündigt, sollte keinesfalls missachtet und unterschätzt werden. Fahrzeugführer, die mit einer nicht angepassten Geschwindigkeit weiterfahren, müssen mit schwerwiegenden Folgen rechnen“, mahnt die Verkehrsbehörde. Bereits 50 Stundenkilometer führten dazu, dass bei einem Aufprall das 25-fache Gewicht eines Wildtiers auf das Fahrzeug einwirkt. „Bei einem Reh wären dies 625 kg und bei einem Wildschwein sogar drei Tonnen“, rechnet Behördenleiter Bluhm vor. Und: „Je höher die gefahrene Geschwindigkeit, desto stärker der Aufprall.“

Flexible Dauereinsätze

Der Landkreis Oldenburg verfügt weiterhin über drei mobile Messgeräte. Die Neuanschaffung bietet allerdings Vorteile gegenüber den Handgeräten und auch gegenüber den gerne „Starenkästen“ genannten stationären Geräten. Es arbeitet auch nachts, wenn das Personal mit den mobilen Geräten aus Sicherheitsgründen Feierabend gemacht hat. Als Fahrzeuganhänger kann es von Ort zu Ort gebracht werden und liefert auf stabilem Untergrund sichere gerichtsfeste Messwerte. „Wir wollen erreichen, dass die Geschwindigkeiten an Gefahrenpunkten runtergehen“, betont Bluhm.

Verwarnung, Bußgeld, Fahrverbot

Die Bilanz der Zehn-Tage-Aktion bei Harpstedt: 340 Autofahrer sind geblitzt worden. Die meisten Autos hatten im Tempo-100-Bereich maximal 120 auf dem Tacho, was ein Verwarngeld von 35 Euro bedeutet. Für 92 Autofahrer wird das Rasen allerdings ein teures Vergnügen gewesen sein; sie werden mit Geldbußen belegt. 20 Autofahrern droht neben dem Bußgeld auch noch ein Fahrverbot von mindestens einem Monat. Dem Autofahrer mit Tempo 177 drohen 1200 Euro Geldbuße, drei Monate Fahrverbot und zwei Punkte im Zentralregister in Flensburg. Die Verkehrsbehörde rechnet vor, warum: Der normale Anhalteweg für diesen Kraftfahrer hätte 366 Meter betragen. Im Falle einer Gefahrenbremsung hätte er noch immer 210 Meter benötigt, um sein Fahrzeug zum Stehen zu bringen.