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Zertifizierung erfolgreich BBS verkürzt Umschülern Weg in die Altenpflege

Von Reiner Haase | 07.01.2015, 20:46 Uhr

Der Mangel an Fachkräften in der Altenpflege wächst. Die Berufsbildende Schule in Wildeshausen steuert dagegen: Sie hat sich speziell zertifizieren lassen, um Umschüler der Agentur für Arbeit aufnehmen zu können.

Die Berufsbildende Schule des Landkreises Oldenburg in Wildeshausen setzt ein Signal für mehr Qualität in der Altenpflege. In einem aufwändigen Verfahren und auf eigene Kosten hat sie sich bis kurz vor Weihnachten von einer Bremer Fachfirma gründlich durchleuchten und zertifizieren lassen. BBS-Leiter Gerhard Albers erläutert die Motivation: „Wir wollen wieder Umschüler der Arbeitsagentur aufnehmen können.“

„Ein Zertifikat, drei Gewinner“, resümiert Albers bündig. Er sieht jetzt die Berufsfachschule Altenpflege dank besserer Auslastung und zusätzlicher Einnahmen gestärkt. Mehr Männer und Frauen mit Interesse an Arbeit in der Altenpflege aus der Region könnten sich leichter für die Ausbildung zur Altenpflegekraft mit staatlicher Prüfung entscheiden, weil sie wohnortnah geschult werden können und nicht auf private Institute in Oldenburg, Delmenhorst oder anderswo ausweichen müssen. Dritter Gewinner sind Albers zufolge die Einrichtungen der Altenpflege im Landkreis, denen es künftig leichter fallen werde, Lücken im Personalbestand zu schließen. „Das ist auch regionale Wirtschaftsförderung“, so Albers.

„Anspruchsvoll“ nennt der BBS-Leiter die dreijährige Altenpflege-Ausbildung, die je zur Hälfte in der BBS-Außenstelle Sankt-Peter-Straße und in den kooperierenden Einrichtungen der Altenpflege im Landkreis absolviert wird. Zurzeit gibt es pro Jahrgang eine Klasse mit jeweils 15 Auszubildenden. „Da gibt’s noch Luft nach oben“, sagt Abteilungsleiter Dr. Jürgen Strodthoff, der zuversichtlich ist, dass von der Arbeitsagentur finanzierte Umschüler für bessere Auslastung der Lehrkräfte und der guten Ausstattung der Schule sorgen.

Maria Wübbeler, dienstälteste Fachlehrerin der BBS-Altenpflegeschule, erinnert sich noch gut an Zeiten mit 25 Schülern pro Ausbildungsjahrgang. Den ersten Knick nach unten gab es, als vor rund 15 Jahren das Umlagesystem abgeschafft wurde, das auch Einrichtungen an der Finanzierung der Ausbildungen beteiligt hatte, die selber nicht ausbildeten. Der nächste Schlag war die bundesweit gültige Anordnung vor acht Jahren, dass Arbeitsagenturen Umschüler nur speziell zertifizierten Bildungsstätten zuweisen dürfen. Dieses Manko hat die BBS Wildeshausen jetzt wettgemacht. Vage Hoffnung setzen die Wildeshauser auch auf die Rückkehr zur Umlagefinanzierung. Die rot-grüne Landesregierung hat diesen Schritt zur Bekämpfung der Personalnot in der Altenpflege 2013 angekündigt, aber noch keine Taten folgen lassen.