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CDU-Fraktion bei Nau Steuerungstechnik Ganderkeseer Schiffstechnik erobert die Weltmeere

Von Niklas Golitschek | 14.05.2019, 21:59 Uhr

Der Name sagt nur wenig darüber aus, was bei Nau Steuerungstechnik in Ganderkesee in den Produktionshallen passiert, weiß auch Chef Reinhard Nau. Die Firma liefert vor allem Anlagen für Yachten.

Die Unternehmer-Geschichte von Reinhard Nau beginnt wie mehrere Erfolgsgeschichten um die Jahrtausendwende, wie er selbst erzählt: in der Garage seines Privathauses. Doch während viele Jungunternehmer in der Zeit der New Economy auf die Informationstechnologie setzen und an ihren Computern programmieren, hat Nau nicht mehr als seine Bohrmaschine und seine Werkbank und stellt Pneumatikventile her. Ein Ventil, das durch Druckluft betätigt wird.

Heute, 21 Jahre später, ist er etablierter Unternehmer in Ganderkesee und beschäftigt knapp 35 Mitarbeiter. Grund genug für die CDU-Gemeinderatsfraktion, den Betrieb einmal zu besichtigen. Fünf Parteimitglieder fanden sich dafür am Montagabend auf dem Gelände ein, um den Chef, seine Geschichte und seine Firma, Nau Steuerungstechnik, einmal besser kennenzulernen. „Der Name sagt nicht aus, was wir tun“, stellt er klar.

Denn einzig Pneumatikventile produziert Reinhard Nau schon lange nicht mehr. Mittlerweile hat sich das Unternehmen auf Türen, Fenster und Sonnensegel spezialisiert, die später überwiegend in Yachten zum Einsatz kommen. „Es wird langsam voll, ich muss bauen“, kündigt der Unternehmer eine Erweiterung an. Nachdem im Jahr 2003 das Firmengebäude mit circa 600 Quadratmetern für Produktion und Büro errichtet worden war – damals noch mit sechs Mitarbeitern - folgte 2010 der Anbau einer Halle mit 1000 Quadratmetern. Vor allem an Büroflächen mangele es; die Entwicklung des Unternehmens scheint nach wie vor positiv. „Richtig rund läuft es nie, meist ist zu viel oder zu wenig zu tun“, sagt der Chef und lacht.

An einem Auftrag arbeite man beispielsweise bereits jetzt – Liefertermin sei erst 2021, führt Reinhard Nau aus. Wichtig sei, so zu planen und zu bauen, dass kein Druck aufkommt. Doch ganz ohne lässt sich das nicht bewerkstelligen, wie er in der Produktionshalle veranschaulicht. Eine Tür, schlappe 3,90 Meter hoch und zwei Meter breit, habe in einem Zeitfenster von nur zwei Tagen in die Yacht eingesetzt werden müssen, nachdem diese aus der Werkstatt gekommen war. Den Prototypen dafür, der noch immer in der Halle steht, zählt Nau zu seinen Meisterwerken. Das System dafür habe er bereits im Jahr 2000 entwickelt. „Das war der Zeit voraus, da war der Markt noch gar nicht da“, erzählt er; erst zehn Jahre später sei das Trend geworden. Das Besondere: Es ist eine Parallelschiebetür, die an keiner Seite ausklappt, sondern gleichzeitig ausfährt. 36 Räder laufen dafür auf Knopfdruck. Heutzutage gebe es ähnliche Systeme zwar überall, doch das Patent auf dieses spezielle Verfahren halte er.

Produkte wie diese, zuletzt vor allem Glasschiebetüren, fertigen Nau und sein Team inzwischen komplett selbst. „Das Produkt muss von A bis Z durchüberlegt sein. Man kann nicht einen Antrieb an eine Tür kloppen wie im Kaufhaus“, sagt Reinhard Nau. Eingangs habe er sich auf Steuerung und Antrieb fokussieren und den Rest zukaufen wollen. Doch die Pläne änderten sich: „Das war nicht die Qualität, die ich haben wollte. Die Toleranzen waren zu groß.“ Also entschied er, auch selbst zu bauen.

Eben diese Qualität und Produktion aus einer Hand habe sich rumgesprochen. Für eine Yacht des russischen Oligarchen Roman Abramovich habe Nau im bislang größten Auftrag 52 Anlagen geliefert. Fünf Jahre Bauzeit habe das insgesamt in Anspruch genommen. Doch nur der Lieferant für neue Produkte – 70 Neubauten stattete das Unternehmen Nau zufolge seither aus – zu sein, sei nicht alles. „Damit haben wir uns in den Jahren ziemlich weit vorgemogelt“, schildert Reinhard Nau: „Aber das bringt in den Aftersales nichts.“ Deshalb habe sich das Unternehmen auch auf Refits, also die Überarbeitung, als weiteres Standbein aufgebaut.

Auch die Zukunft der Nau Steuerungstechnik scheint erst einmal gesichert. „Beide Kinder sind seit mehreren Jahren im Betrieb, sie werden das wohl weitermachen“, erzählt der Chef. Die müssen dann freilich nicht mehr an einer Werkbank mit Bohrmaschine arbeiten. Allein eine der drei Fräsmaschinen verfügt über 55 Werkzeuge.