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Zu viele Vorstrafen Ganderkeseer muss trotz „Bagatellen“ ins Gefängnis

Von Ole Rosenbohm | 12.05.2017, 14:09 Uhr

Die Freundin hat ihm verziehen, die Sozialprognosen hören sich positiv an. Die viermonatige Haftstrafe ohne Bewährung, zu der das Delmenhorster Amtsgericht den 28-Jährigen wegen Körperverletzung und Bedrohung gegen die Freundin sowie Sachbeschädigung verurteilt hatte, blieb jetzt in der Berufung vor dem Landgericht Oldenburg aber bestehen.

Zum Verhängnis wurde dem mehrfach Vorbestraften der Zeitpunkt des Vergehens. Denn als es vor fast einem Jahr in Ganderkesee zum Streit mit der Lebensgefährtin kam, als er – unstrittig – ihren Arm packte, sie sich beim Losreißen leicht verletzte und dann die Polizei rief, lief sein offener Vollzug noch genau einen Tag. „Alles nicht so schlimm gewesen“, sagt die junge Frau nun. Die beiden sind auch immer noch ein Paar, zudem Eltern eines kleinen Kindes. Allerdings: Damals hatte sie der Polizei gegenüber behauptet, er habe ihr ins Gesicht geschlagen, sie hätte Angst vor ihm. Heute sagt sie, im Zorn diesen Schlag nur erfunden zu haben.

Zwei Jahre Gefängnis stehen im Raum

Für den Angeklagten hat das Urteil Folgen: Möglicherweise wird er seine gerade erst angetretene Arbeitsstelle verlieren. Und vermutlich wird wegen der Haftstrafe seine Bewährungszeit widerrufen. Zwei Jahre Gefängnis stehen im Raum.

Das Schöffengericht musste abwägen: Im Vergleich zu früheren Taten handele es sich um „Bagatellen“, sagte der Vorsitzende Richter Alexander Wiebe – auch die Bedrohung der Freundin gegenüber bei einem weiteren Streit, ebenso das im Laufe dieser Auseinandersetzung zerborstene Fenster einer Pizzeria. Zudem wurde dem 28-Jährigen bescheinigt, eine Therapie abgeschlossen zu haben und fast drogenfrei zu leben.

Auch die Bewährungshelferin sieht eine positive Prognose, die letzte Straftat liegt bald fünf Jahre zurück. „Heute weiß ich, wo meine Grenzen sind“, sagte der Angeklagte.

Richter bleibt hart

Aber gegen eine Haftverschonung sprach das lange Vorstrafenregister mit Verurteilungen wegen Einbrüchen, Körperverletzungen, Drogendelikten, Fahren ohne Führerschein. Und dass er, obwohl es ihm das Gericht untersagt hatte, erneut Kokain nahm – der Grund für den Krach mit der Lebensgefährtin. Für eine Bewährung plädierten Verteidiger wie Staatsanwältin, die lediglich noch 1000 Euro Geldstrafe forderte. Richter Wiebe aber blieb hart.

Entscheidend sei der ihm gerichtlich verbotene Drogenkonsum einen Tag vor der Strafaussetzung zur Bewährung. Hätte die Strafvollstreckungskammer das gewusst, „wären Sie nie aus dem offenen Vollzug entlassen worden“, sagte er dem Angeklagten.