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Zug kommt bei offener Schranke Zugunglück in Ganderkesee durch Notbremsung verhindert

Von Thomas Breuer | 08.01.2016, 14:25 Uhr

Am Bahnübergang Ziegelweg in Rethorn hat es am frühen Freitagmorgen auf der Bahnstrecke zwischen Oldenburg und Bremen einen besorgniserregenden Zwischenfall gegeben, bei dem ein schwerer Unfall nur knapp vermieden werden konnte.

Eine 48-jährige Frau aus Hude hatte gegen 5.30 Uhr mit ihrem Fahrzeug, in dem auch ihre 31-jährige Arbeitskollegin saß, zunächst vor Rotlicht und geschlossenen Schranken gewartet. Als die Schranken sich öffneten, fuhr sie weiter und vernahm noch währendessen den sogenannten Achtungspfiff einer herannahenden NordWestBahn. Diese passierte unmittelbar danach den Bahnübergang bei geöffneten Schranken. Eine Kollision konnte offenbar nur vermieden werden, weil der aufmerksame Lokführer des aus Bremen kommenden Zuges bereits eine Schnellbremsung eingeleitet hatte.

Rotlicht wohl noch nicht erloschen

Auf der Straßenseite der Huderin befand sich kein weiteres Fahrzeug. Allerdings hatte auf der anderen Seite ein weißer Kleinwagen gewartet, der noch nicht wieder losgefahren war. Das Rotlicht auf beiden Seiten war nach bisherigen Erkenntnissen noch nicht erloschen.

Die Schranken am Ziegelweg werden seit Monaten rund um die Uhr von sogenannten Bahnübergangsposten der DB Fahrdienste manuell bedient, weil die Anlage defekt ist. Laut Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis arbeiten sie im Schichtbetrieb, jeweils ein Posten sei vor Ort. Der Zeitpunkt des Vorfalls lag mutmaßlich im Bereich eines Schichtwechsels. Der betreffende Posten sei danach abgelöst worden, ohne dass dies laut Meyer-Lovis bereits als Schuldzuweisung zu verstehen ist. Das Rotlicht wird nach seinen Worten automatisch durch Kontakte der fahrenden Züge ein- und ausgeschaltet, also im Gegensatz zum Schrankenbetrieb nicht manuell.

Bundespolizei hat Ermittlungen aufgenommen

Die Huderin hat nach dem Vorkommnis bei der Polizei in Hude Anzeige erstattet, die wiederum die Bundespolizei einschaltete. Die Beamten in Oldenburg hatten am Freitag bereits Spezialisten vor Ort und ermitteln wegen der Gefährdung des Bahnverkehrs sowie eines möglichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Daniel Hunfeld, Sprecher der Bundespolizei Bad Bentheim, sagte auf Nachfrage, es gebe keine Bedenken, den Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Oldenburg und Bremen aufrechtzuerhalten. Indirekt lässt dies mit Blick auf den Vorfall ein menschliches Versagen als wahrscheinlich erscheinen.

Zugverkehr läuft ohne Störungen weiter

Der Zug der NordWestBahn hat seine Fahrt nach der Notbremsung laut Unternehmenssprecher Wigand Maethner fortgesetzt, da niemand zu Schaden gekommen sei. Der Lokführer habe den Vorfall aber der Leitstelle gemeldet, die wiederum den für die Strecke zuständigen Fahrdienstleiter verständigte. Bei einer automatischen Schließanlage, so Maethner, wäre der Zugführer im Falle defekter Schranken durch ein Haltesignal auf der Strecke rechtzeitig gewarnt worden. Würde er dies ignorieren, würde durch die sogenannte Punktuelle Zugbeeinflussung (PZB) ein Zwangsstopp vor dem Bahnübergang erfolgen.

Die Bundespolizei sucht nun nach möglichen Zeugen des Vorfalls. Insbesondere der Fahrer oder die Fahrerin des weißen Kleinwagens sollte sich unter der Telefonnummer (0441) 218380 melden.

Anlage soll laut Bahn-Sprecher im Frühjahr erneutert werden

Der Handbetrieb der Schranken am Ziegelweg wird voraussichtlich noch mehrere Wochen andauern. Eine Erneuerung der gesamten defekten Anlage soll im Frühjahr erfolgen. Ausschreibungen, Auftragsvergaben und Einzelteilanfertigungen stehen laut Meyer-Lovis im Regelfall einem schnelleren Vorgehen entgegen. Die Kosten lägen im mittleren sechsstelligen Bereich.

Erst vor zwei Monaten waren bei der Kollision einer Regio-S-Bahn mit einem Sattelzuggespann am Bahnübergang an der Straße Hohenkamp in Rethorn sieben Menschen verletzt worden. Das Gespann hatte seinerzeit allerdings die geschlossene Schranke durchbrochen.