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Zugpferde statt Trecker Harpstedter pflügt mit zwei PS den Acker um

Von Bettina Dogs-Prößler | 21.04.2018, 11:22 Uhr

Thomas Glander aus Harpstedt bildet seine Pferde zu Zugpferden aus und setzt sie zur landwirtschaftlichen Arbeit ein. Bewusst genießt er die neu entdeckte Langsamkeit – und den Kontakt zur Natur.

Am liebsten mag Thomas Glander den Geruch. Wenn die Sonne das Feld in sattes Grün taucht und die Äcker darauf warten, endlich bewirtschaftet zu werden. In diesen Momenten riecht es für ihn am besten. „Wenn der Geruch frisch umwälzter Erde in die Nase steigt – es gibt für mich nichts Schöneres.“ Doch diesen Geruch bekommt der Harpstedter nicht, wenn er auf den Traktor steigt – den unvergleichlichen Duft von Landwirtschaft und Natur hat er immer dann, wenn er seine Pferde vor den Pflug spannt und mit ihnen meterlange Gräben in den Acker zieht.

Kein Dieselgeruch in der Nase

„Zurück in die Furche, Herkules, geh zurück in die Furche“, korrigiert der 54-Jährige, während er den Pflug um die Kurve und seine Pferde in die Spur lenkt. 100 Kilo hat er währenddessen in den Händen und an die zwei Tonnen vor sich, die sich willig von dem 54-Jährigen übers Feld führen lassen. Kein Brummen PS-starker Motoren und auch kein Dieselgeruch in der Nase, stattdessen zufriedenes Schnauben und das sanfte Bimmeln zarter Glöckchen.

In stoischer Gelassenheit übers Feld

Seit mehr als zehn Jahren beackert Glander seine Felder mithilfe von Zugpferden. Ob Pflügen auf dem Acker, Holzrücken im Wald oder Heuwenden auf dem Feld: Gibt’s auf dem Hof was zu tun, spannt Glander seine Belgier an und legt los wie zu Großelterns Zeiten. „Früher habe ich mit Zigarette im Hals auf dem Trecker gesessen und geguckt, was ich noch alles schaffen kann“, sagt der Hobby-Landwirt. Heute stapft er in stoischer Gelassenheit hinter seinen Kaltblütern übers Feld und fühlt sich gut dabei, wenn er sieht, was er gemeinsam mit seinen Tieren geleistet hat.

Zwei, drei Jahre in der Ausbildung

Drei Hengste gehen dem 54-Jährigen auf dem Hof zur Hand, mit ihren drei Jahren stehen sie allerdings noch am Anfang ihrer Ausbildung. „Zwei, drei Jahre dauert es, bis die Pferde soweit sind“, so Glander. Manchmal auch länger. Und so ist jedes Anspannen für die Arbeit immer gleich auch eine Trainingseinheit, um die gutmütigen Kolosse optimal auf ihren Einsatz vorzubereiten.

Mit Rückepferden im Wald

Dass Pferde in der Land- und Forstwirtschaft wieder eine Rolle spielen, zeigt das wachsende Interesse an Rückepferden, die das Holz im Gegensatz zu schweren Maschinen schonend aus dem Wald transportieren. So hat auch Glander Ende Februar mit seinen kraftvollen Helfern „Herkules“ und „Spartacus“ das Naturschutzgebiet „Glaner Braut“ mit aufgeforstet, wodurch auf den Einsatz schwerer Maschinen verzichtet werden konnte.

Doch all das macht ein Pferd nicht auf Anhieb. „Man kann nicht einfach in den Wald gehen und sagen: Jetzt zieh mal“, so Glander. Mensch und Pferd müssten sehr gut aufeinander eingestimmt sein, vor allem im Wald könnten die Arbeiten schnell lebensgefährlich werden. Glander: „Wenn Sie da die Pferde nicht unter Kontrolle haben, kann das böse enden.“

Trainingsparcours eingerichtet

Um seine Tiere bestmöglich auf die unterschiedlichen Anforderungen vorzubereiten, hat sich der Harpstedter hinterm Haus einen beachtlichen Trainingsparcours eingerichtet. Hier werden die Pferde mit verschiedenen Unwegsamkeiten vertraut gemacht, während meterlange Baumstämme an ihnen dranhängen. Sie lernen in voller Montur, Hindernisse zu überwinden, Wassergräben zu durchwaten oder die Hölzer zentimetergenau auf Abladestellen zu bugsieren. Glander: „Das alles können Sie mit einem Pferd nur machen, wenn es Ihnen vertraut.“

Zeitintensive Ausbildung zahlt sich aus

Der Lohn der zeitintensiven Ausbildung zahlt sich später aus. „Das Pferd fängt irgendwann an mitzudenken und weiß genau, was man von ihm will.“ Bis dahin sei es zwar ein langer Weg. „Aber irgendwann brauche ich nur zu sagen: Geh mal einen Zentimeter weiter nach rechts. Und es macht nur durch meine Worte, was ich sage.“ Das ist es auch, was Thomas Glander am meisten Spaß macht: „Die optimale Zusammenarbeit mit dem Pferd zu erreichen.“