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Zum Wohle der Gelenke Ganderkeseer Landwirte setzen auf Wasserbetten für Kühe

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 03.09.2016, 11:03 Uhr

Nicht nur menschliche Gelenke, sondern auch die der Kühe ruhen auf Wasserbetten besonders gut. Das Milchvieh der Fortmanns in Bürstel kann es bezeugen.

Zwar lesen Fortmanns ihren Kühen weiterhin keine Gute-Nacht-Geschichten zum Einschlafen vor. Auch nächtigen die Tiere ohne Schlafmützen und Kopfkissen – wohl aber in Wasserbetten.

Frostschutzmittel statt Heizung

„Als wir vor zwei Jahren beschlossen haben, wieder in die Milchviehhaltung einzusteigen, haben wir uns gesagt: dann aber auch richtig!“, kommentiert Henning Fortmann die Investition der Familie in 56 Wasserbetten für die Kühe. Zwar „fehlt“ diesen Liegeflächen im Kuhstahl die Heizung, welche zu jenen Wasserbetten, die wir aus Schlafzimmern kennen, zwingend dazu gehört. Statt dessen, so Fortmann, muss es ein bisschen Frostschutzmittel in den rund 100 Litern Wasser der Betten tun. Wohl aber folgen die Wasserbetten der Kühe den gleichen physikalischen Gesetzen wie jene der Menschen: Sie passen sich dem aufliegenden Körper präzise an. Auf diese Weise, sagt Hennings Vater Rainer Fortmann, schonten die Wasserbetten die Gelenke der Kühe ungleich besser als die ehedem in den Ställen üblichen Gummimatten. Das sei auch deswegen wichtig, weil die meisten Milchkühe mittlerweile etwas größer und schwerer seien als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Zehn Jahre Garantie aufs Kuh-Bett

Gegenüber den heutzutage in Deutschland weitverbreiteten Matratzen für Kühe hätten die Wasserbetten den großen Vorteil, dass die Kühe sie nicht so schnell durchliegen und ausleiern könnten. Auf jenes Modell, für das sich seine Familie entschieden habe, gebe es gar zehn Jahre Garantie, so Rainer Fortmann.

Modell aus den Niederlanden

Fortmanns waren auf der Landwirtschaftsausstellung in Tarmstedt auf jene Betten aufmerksam geworden, für die sie sich schließlich entschieden haben. Ausschlaggebend für das Modell, so Rainer Fortmann, sei gewesen, dass es sich auch für ältere Ställe ohne Hoch- und Tiefboxen eignet. Dass es sich bei dem Hersteller um eine holländische Firma handele, sei kein Zufall: In den Niederlanden, so der Landwirt aus Bürstel, seien viel häufiger Wasserbetten in Kuhställen anzutreffen als bei uns.

Nicht mehr Milch, aber glücklichere Kühe

Die erste Modelle aber habe es in den Vereinigten Staaten gegeben. Tatsächlich sind Medienberichten zufolge bereits 1999 Forscher der Universität Georgia der Frage nachgegangen, ob Milchkühe mehr Milch produzieren, wenn sie auf Wasserbetten ruhen. An derartige Produktivitätsgewinne glauben Fortmanns zwar nicht unbedingt. Dafür aber sei er sich sicher, dass seine Kühe gern auf ihren Betten ruhten, so Rainer Fortmann: nicht nur zum Schlafen, sondern auch zwischendurch, etwa um wiederzukäuen.