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„Zurückhaltend begeistert“ GanterMarkt-Chef Timo Vetter im Interview

Von Thorsten Konkel | 20.08.2015, 13:00 Uhr

Die Ortskernentwicklung ist zentrales Thema der Ganderkeseer Werbegemeinschaft GanterMarkt. Die Kaufleute klagen seit dem Bau der Märktezentren darüber, von den Kundenströmen abgehängt worden zu sein. Im dk-Interview stellt der 1. Vorsitzende Timo Vetter Lösungsansätze vor und beschreibt die Zusammenarbeit mit der Politik.

dk: Herr Vetter, was hat den Kaufleuten aus Ihrer Sicht die Anbindung des neuen Famila-Markts an die Rathausstraße bisher gebracht, was müsste noch getan werden?

Timo Vetter: Ein wichtiger Schritt ist sicher die Marktpassage, die den fußläufig kürzesten Weg ins Zentrum eröffnet. Jetzt muss diese nur noch genutzt werden. Man muss sich erst daran gewöhnen. Alle Kaufleute warten nur noch darauf, dass es endlich mit der Markplatzumgestaltung losgeht. Die Planungen sind ja schon sehr weit fortgeschritten. Meiner Meinung nach werden neue Ideen jetzt sehr spät hervorgeholt. Es ist noch nicht zu spät, aber der schon vor Jahren favorisierte Entwurf des Planungsbüros wurde nochmals überarbeitet und sollte jetzt nicht komplett verworfen werden. Ich bin kein Städteplaner. Sind wir alle nicht. Ich würde mir etwas mehr Vertrauen zum Planungsbüro wünschen. Die sollten eigentlich wissen, was sie tun. Mit Halbwissen über die Anzahl benötigter Parkplätze, idyllischen Liegewiesen mit Veranstaltungsmuschel oder gar einer Fußgängerzone kommen wir nicht weiter. Wir leben in einer Zeit, in der jeder noch so kleine Weg mit dem Auto zurückgelegt wird und die Gäste am liebsten ins Eiscafé reinfahren würden. Sicher ist das nicht richtig. Aber der Versuch der Umerziehung wäre ein teurer – zu Lasten der Kaufleute. Vor dem Marktplatzumbau wird es auch bestimmt keine Lösung für das ehemalige Marktcafé geben – danach aber hoffentlich um so schneller. Bei der Gelegenheit könnte der ehemalige Kiosk vielleicht auch endlich weggeschoben werden.

Der vorige GanterMarkt-Vorsitzende hatte vor fast genau einem Jahr angekündigt, dass GanterMarkt sich künftig verstärkt Gehör bei der Politik für die Belange der Betriebe verschaffen will. Was ist bislang erfolgt in dieser Hinsicht?

Wir haben Kontakt zur Politik. Der Vorstand saß schon einige Male in den Ausschüssen zu den Themen Gemeindemarketing, Weihnachtsmarkt und Markplatzumgestaltung. Dazu kamen Treffen mit den Parteien. Entsprechen die drei Ergebnisse unseren Wünschen? Antwort: Nein, nein und so einigermaßen. Wir sind zurückhaltend begeistert.

Braucht Ganderkesee einen Quartiersmanager, eine Stelle bei der Verwaltung, die sich professionell um die Belebung, Vermietung von Geschäften im Ort kümmert?

Wir haben uns sehr für ein Gemeindemarketing starkgemacht. Auch im Rathaus. Das Gemeindemarketing soll die Wirtschaftsförderung und den Tourismus, zurzeit in Personalunion, unterstützen. Aber für die gesamte Gemeinde – und mit deutlich mehr Aufgaben als nur das Leerstandmanagement.

Was können die Kaufleute selbst gegen Leerstände und für mehr Attraktivität bewirken?

In erster Linie liegen Leerstände in der Verantwortung der Vermieter. Wenn ich was vermieten will, dann kümmere ich mich. Mehr oder weniger. Proaktiv hat sich Familie Brandt um den Leerstand des ehemaligen Erns-tings gekümmert. Zuletzt mit einer Ausstellung. Und wie man sieht – mit Erfolg.

Dazu gehört aber auch der Angebotsmix im Ortskern. Wie steht es darum? „Keine weiteren Schuh- oder Bekleidungsläden“ hatte es geheißen. Ein Schuhladen ist mittlerweile in der Passage hinzugekommen.

Es gibt ein Einzelhandelsgutachten von 2010. Das ist veraltet und soll meines Wissens demnächst überarbeitet werden. Auch hier bin ich kein Fachmann. Aber gefühlt haben wir genug Bekleidung und Schuhe. Andererseits fahre ich nach Delmenhorst, um dort bei Strudthoff Sportsachen zu kaufen. Dabei haben wir nicht wenige sehr aktive Sportvereine im Ort. Ich wurde auch gefragt, wo ich denn in Ganderkesee CDs kaufen würde. Abgesehen davon, dass ich eher der digitale Typ bin, musste ich überlegen. Der Famila-Getränkemarkt hat doch noch CDs, oder? Vermutlich gibt es noch andere Sortimentslücken.

Um neue Aufgaben zu stemmen, sind auch die Großveranstaltungen bereits in professionelle Hände gelegt worden. Das sollte Zeit und Raum verschaffen, um die örtlichen Gewerbetreibenden an der Westtangente mit ins Boot zu holen. Wie ist hier der Stand?

Da tut sich was. Wir haben bereits in kleiner Planungsrunde mit dem Autohaus Hoppe, dem GaLa-Bauer Kreye, dem Reisedienst Thiemann und der Tischlerei Warrelmann zusammengesessen. Es soll einen Familientag im Gewerbegebiet Westtangente geben. Alle hier ansässigen Firmen, nicht nur GanterMarkt-Mitglieder, wurden angeschrieben. Und die Interessierten trafen sich bei Atlas. Die Resonanz war sehr gut – mehr als ich erwartet hätte. Was genau als Rahmenprogramm stattfindet, wie die örtliche Ausdehnung sein wird, das ist alles noch in Planung. Fest steht nur eins: Es soll der 5. Juni 2016 sein – vermutlich im jährlichen Wechsel mit der Gewerbeschau.

Was muss die Politik tun, damit die Rathausstraße und das Zentrum an der Bergedorfer Straße wieder an alte, bessere Zeiten anknüpfen können?

Der neue Marktplatzumbau soll schnellstmöglich kommen. Das Zentrum rund um Aldi alt steht ja bereits kurz vor der Neubelebung. Für die umliegenden Leerstände gibt es wohl schon sehr intensive Absichten, aber noch nichts Spruchreifes.