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„Zweimal gehört“ Neues Konzertkonzept in Ganderkesee

Von Mareike Bader | 01.10.2017, 16:29 Uhr

Ganz nah an den Musikern im Chorraum bekamen die Besucher bei „Zweimal gehört“ einen Einblick, wie Musiker sich ein Werk erarbeiten. Zum gewünschten Dialog kam es jedoch nicht.

Moderierte Konzerte sind eine beliebte Form der Musikvermittlung. Sie sollen Neugier stiften und eine Beziehung zu den aufgeführten Werken bahnen. Das ist nicht immer einfach, denn nicht jeder Musiker kann auch gut vor Publikum sprechen.

Kreiskantor Thorsten Ahlrichs wagte zusammen mit dem Bremer Musiker Christian Heim ein Experiment in kleinem Rahmen mit dem Konzert „Zweimal gehört“. Dicht an den Musikern saßen die etwa 50 Besucher am Freitagabend im Chorraum und hörten dabei einige der vielen Werke von Georg Friedrich Telemann tatsächlich zweimal.

Laut und leise auch bei Cembalo und Flöte möglich

So wurde der Wechsel von laut und leise gleich beim ersten Satz aus der Kompositionssammlung „Der getreue Musikmeister“ deutlich. Denn eigentlich seien dynamische Nuancen weder beim Cembalo (Ahlrichs) noch bei der Blockflöte (Heim) möglich, wie die Musiker erklärten. Dafür gibt es Tricks, die dann auch vorgeführt wurden.

Gerne hätte sich Ahlrichs einen Dialog zum Publikum gewünscht. Bei der Begrüßung forderte er dazu auf, Fragen und Bemerkungen direkt einzubringen. Doch eigentlich war dafür kein Platz. Zu rund war der Wechsel zwischen Moderation und Musik. Außerdem dauerte das für eine Stunde geplante Konzert auch ohne aktive Beteiligung des Publikums über 90 Minuten.

Die geballten Informationen ermüdeten mit der Zeit auch das Publikum. Musikwissenschaftliche Begriffe, wie Arpeggien – einer Folge von aufgelösten Akkorden – wurden zwar erklärt und auch gezeigt, wie das dann klingt. Dennoch war das Niveau hoch angesetzt, fundierte Musikkenntnis war quasi vorausgesetzt.

Leidenschaft zur Musik

Was jedoch deutlich wurde: Mit wie viel Leidenschaft die beiden Musiker in ihrem Metier unterwegs sind. Als Heim von der Flöte zur Viola da Gamba wechselte, erklärte er, dass sein Instrument wegen der Bauart zwar wie ein Cello aussehe, die Viola da Gamba aber eigentlich von der Laute abstammt und bis zu sieben Saiten hat. Sein Instrument sei eine Kopie eines Instruments von Jacobus Steiner, „der der begehrteste Gambenbauer im 17. Jahrhundert war“, sagte Heim.

Die beiden gaben einen tollen Einblick in das umfangreiche Schaffen Telemanns, der vor 250 Jahren gestorben ist und von dem mehr als 3600 Werke überliefert sind und auch wie unterschiedlich dessen Musik je nach Interpretation klingen können. Wie sie sich selbst ihre Spielweise erarbeiten, zeigten sie etwa beim letzten Werk des Abends, einer Sonate für Blockflöte und Cembalo. Das Publikum hörte konzentriert den beiden zu und bedankte sich mit warmen Applaus für einen aufschlussreichen Abend.