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Zwischen Motoröl und Monarchie Ghanaischer König auf Visite in Ganderkesee

Von Lennart Bonk, Lennart Bonk | 04.12.2016, 09:33 Uhr

Hoher Besuch im Hotel Backenköhler: Dem ghanaischen Monarchen Céphas Bansah wurde ein königlicher Empfang bereitet. Am Samstag besuchte er mit seiner Familie das Bettenstudio Kunst.

In seiner königlichen Robe ist seine Majestät Céphas Bansah, König von Hohoe und des Volksstammes der „Ewe“, im Hotel Backenköhler empfangen worden. Die Königsfamilie ist Gast des Delmenhorster Bettenstudios Kunst. Dort, so haben es ihm adelige Verwandte berichtet, gäbe es die „besten Betten“.

Kein gewöhnlicher Monarch

Ein kurzer Blick auf König Bansahs Vita verrät schnell, dass es sich bei dem 68-Jährigen nicht um einen gewöhnlichen Monarchen handelt. Er führt ein kurioses Doppelleben. Während er abends von Deutschland aus seinen königlichen Pflichten in Ghana nachkommt, schraubt er tagsüber in seiner Kfz-Meisterwerkstatt in Ludwigshafen an Autos rum. Die Meisterwerkstatt sei der einzige Ort, wo nicht er, sondern der Kunde König ist.

Nur Rechtshänder dürfen auf den Thron der „Ewe“

Was beim ersten Hören völlig absurd klingt, ist für König Bansah der normale Alltag. Als er im Jahre 1970 Ghana verließ, um in Deutschland eine Lehre zum Landmaschinen-Mechaniker zu absolvieren, war er noch kein Anwärter auf den Thron. Doch sein Vater sowie sein älterer Bruder kamen 1987, als der König starb, als rechtmäßige Thronfolger der „Ewe“ nicht infrage. Sie sind Linkshänder und in Ghana gilt die linke Hand als „unrein“.

Regierungsarbeit per Whatsapp

Im Jahre 1992 wurde Kfz-Meister Bansah zum König gekrönt. „Ich kann als König in Deutschland mehr für mein Volk bewirken“, erklärte der schraubende Monarch, der mehrmals im Jahr zu seinen Untertanen fliegt. Durch das Sammeln von Spenden treibt der Teilzeit-König zahlreiche Projekte in Ghana voran. Anfangs regierte er seine über 200.000 Untertanen per Fax-Gerät. Heute macht Whatsapp die Regierungsarbeit aus über 6000 Kilometer Entfernung möglich.