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Zwischenbilanz der Bauern Nasse Witterung macht Ernte zu Lotteriespiel

Von Dirk Hamm | 15.08.2017, 08:26 Uhr

Das Wetter bereitet den Bauern in diesem Sommer Kopfzerbrechen. Es gibt zu wenige trockene Tage am Stück für die Ernte.

„Schwierig“ – diese Vokabel ist immer wieder zu hören, wenn man sich dieser Tage bei hiesigen Landwirten in Sachen Getreideernte umhört. „Es ist eine ganz schwierige Ernte, alles ist grenzwertig“, meint etwa Onno Osterloh. Der Landwirt aus Immer beklagt, dass es bei dem ungewöhnlich wechselhaften Wetter in diesem Sommer kaum mal drei, vier Tage Trockenheit an einem Stück gegeben habe, die es ermöglicht, Getreide und Stroh zusammen einzufahren.

Stroh droht zu schimmeln

Das Problem: „Wir müssen immer einen Kompromiss eingehen: Entweder ist das Getreide zu feucht und das Stroh trocken oder umgekehrt.“ Das mit dem Mähdrescher abgeschnittene Stroh bleibt noch einen Tag auf dem Feld liegen, ehe es zu Ballen gebündelt und eingefahren wird. „Das Stroh neigt dazu, schimmelig zu werden, wenn es feucht ist, das gefährdet die Tiergesundheit“, so Osterloh.

Getreide nachtrocknen ist enormer Aufwand

„Im Augenblick ist es ein Lotteriespiel“, sagt Cord Wübbenhorst. Der Ganderkeseer Landvolk-Vorsitzende hat die Wintergerste vor gut drei Wochen eingefahren, jetzt sind Winterroggen, Weizen und Triticale an der Reihe. Knackpunkt bei der Entscheidung für den Erntezeitpunkt sei der Feuchtigkeitswert beim Getreide: Maximal 15 Prozent Feuchtigkeit dürfen es sein, damit das Getreide sachgerecht gelagert werden kann. Geerntet werden könne auch bei Werten darüber, erklärt Wübbenhorst, aber dann müsse das Getreide nachgetrocknet werden, ein Aufwand, der einen „enormen Kostenfaktor“ darstelle.

„Besser gelaufen, als gedacht“

Immerhin, so bilanziert der Landwirt aus Hohenböken, sind die Ernteerträge trotz der Wetterkapriolen bisher durchschnittlich: „Die Mengen sind da, es ist besser gelaufen, als gedacht.“

„Wir klauen uns die Ernte vom Feld“, das ist laut Landwirt Volker Schmidt nach einem unter Bauern geläufigen Spruch in diesem Sommer die Devise auf den Höfen. Die große Schwierigkeit bestehe darin, das richtige Zeitfenster zwischen den nassen Tagen für das Abernten der Felder zu finden.

Herausforderung auch für Lohnunternehmen

Entscheidende Hilfe leisten bei der Erntearbeit die Lohnunternehmen. Auch für diese gestaltet sich die Erntezeit in diesem Jahr schwierig, weiß Schmidt. Denn wenn es mal lange genug trocken ist, um aufs Feld rauszufahren, dann sind die Lohnunternehmen mit ihren Maschinen stark gefragt: „Sie sollen überall zuerst sein.“

Gute Aussichten für Maisernte

Für die Maisernte im Herbst stehen die Aussichten übrigens nicht schlecht, erklärt Schmidt, der Mais habe sich „sehr gut“ entwickelt, gerade wegen des feuchten Wetters. Schmidt: „Warmes Wetter kann der Mais nicht so gut ab.“ Und dennoch, auch bei dieser Feldfrucht ist zu viel Regen schädlich, gibt Schmidt zu bedenken: „Wenn der Boden durchnässt ist, könnte es schwierig werden, aufs Feld zu kommen.“