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Mit Chemikalie belastet Ministerium warnt vor Verzehr von Ochtum-Fischen

Von Sascha Sebastian Rühl | 23.07.2019, 17:35 Uhr

Das Ministerium empfiehlt, auf den Verzehr von aus der Ochtum gefangenen Fischen bis auf Weiteres zu verzichten. Ein Richtwert wurde um das 31-fache überschritten.

Fische, die aus den niedersächsischen Flussabschnitten der Ochtum geangelt werden, sollten nicht gegessen werden. Der Grund ist eine hohe Belastung der untersuchten Fische mit Perfluoroctansulfonsäure (PFOS). Das Niedersächsische Verbraucherschutzministerium hat Dienstag vom Verzehr von Ochtumfischen abgeraten und eine neue Verzehrempfehlung veröffentlicht.

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Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) ist eine Chemikalie, die, einmal in die Umwelt gelangt, dort nur über sehr lange Zeiträume abgebaut werden kann. Der Stoff wird vom Organismus schnell aufgenommen, aber schwer wieder ausgeschieden, wodurch er sich im Laufe der Zeit im Organismus anreichert.Auf dem Flughafen Bremen befindet sich ein Löschübungsplatz, auf dem vor rund 15 Jahren auch PFOS-haltiger Löschschaum verwendet wurde. Das anfallende Drainagewasser wird über das Entwässerungssystem des Flughafens in die Grollander Ochtum abgeleitet. Damit gelangen auch die im Boden und Sickerwasser vorhandenen PFC in das Gewässer.

Im Frühjahr wurde die Belastung der Flussfische in den bremischen Abschnitten der Ochtum mit Perfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) bekannt, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Weil die Verbindung kaum abbaubar sei, könne sie sich auch in Fischen, die in belasteten Gewässern leben, anreichern. Daraufhin veranlasste das Niedersächsische Verbraucherschutzministerium das Institut für Fische und Fischereierzeugnisse (IFF) des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Cuxhaven mit den Untersuchungen.

Seit Mai dieses Jahres wurden 146 Flussfische aus den niedersächsischen Abschnitten der Ochtum auf ihre Gehalte an PFOS und PFOA (Perfluoroktansäure) untersucht. Das IFF hat jetzt erste Ergebnisse des Monitorings der Ochtumfische zunächst nur für PFOS vorgelegt. Der Medianwert der PFOS-Gehalte im Muskelfleisch aller untersuchten Fische der vier beprobten Fischarten Aal, Brasse, Rotauge und Flussbarsch beträgt das 31-Fache des Orientierungswerts, den die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) errechnet hat.

Empfehlung gilt bis auf Weiteres

„Da der ermittelte Medianwert aller Fische den Orientierungswert deutlich überschreitet, empfiehlt das Fachministerium, bis auf Weiteres auf den Verzehr von Fischen aus dem Bereich zu verzichten“, heißt es abschließend in der Mitteilung. Über die Folgen für Menschen, die sich von den Fischen ernährt haben, konnte das Ministerium auf Nachfrage dieser Zeitung keine Angaben machen.