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Anteil an Wohnbaufirma im Auge Stuhr stellt Weichen für mehr bezahlbaren Wohnraum

Von Dirk Hamm | 09.04.2019, 09:31 Uhr

Eine große Chance bietet für die Gemeinde Stuhr: Anteile an der Wohnbau Diepholz GmbH stehen zum Verkauf. Diese baut bezahlbare Wohnungen in den Gesellschafterkommunen.

Die Gemeinde Stuhr könnte in Zukunft besser als bisher in der Lage sein, erschwingliche Mietwohnungen für Menschen ohne großes Portemonnaie anzubieten. Das erhofft sich jedenfalls die übergroße Mehrheit der Ratspolitiker, die jetzt einen weitreichenden Beschluss gefasst haben: Die Gemeinde Stuhr beteiligt sich an einer Bietergemeinschaft, die Geschäftsanteile an der Wohnbau Diepholz GmbH anstrebt. Konkret geht es um einen Anteil von knapp fünf Prozent, der bislang von der Concordia Versicherung Holding AG gehalten wird. Kommt es zum Kaufabschluss, würde die Gemeinde Stuhr 3,55 Prozent der Anteile an dem Nachfolgeunternehmen des Gemeinnützigen Bauvereins Diepholz erwerben, an die Stadt und den Landkreis Diepholz gingen jeweils 0,69 Prozent.

173.000 Euro für 3,55 Prozent Anteile

Die Anteile sind auf dem Markt, weil die Concordia Versicherung Holding sich nach Angaben der Stuhrer Verwaltung wegen „einer Umstrukturierungsmaßnahme“ von ihnen trennen will. Ungefähr 173.000 Euro zuzüglich Nebenkosten betrage der Kaufpreis für Stuhr, berichtete Kämmerer Christian Möller. Die Wohnungsbaugesellschaft verfolge das Ziel, bezahlbaren Wohnraum in den Gesellschafterkommunen zu schaffen. Nach eigenen Angaben bewirtschaftet das Unternehmen rund 800 eigene Wohnungen im Landkreis Diepholz, dazu kommen knapp 200 Eigentums- und Mietwohnungen, die die Wohnbau für Kommunen und private Eigentümer verwaltet. Neben dem größten Gesellschafter, der Stadt Diepholz, zählen der Landkreis Diepholz, weitere Städte und Gemeinden, Sparkassen, Banken, Versicherungen und Unternehmen aus der Baubranche zu den Gesellschaftern der Wohnbau Diepholz.

Skepsis nur bei der FDP

Während sich im Rat der Gemeinde Stuhr lediglich die FDP mit Blick auf den notwendigen Nachtragshaushalt kritisch äußerte, sehen die übrigen Fraktionen in dem Einstieg bei der Wohnbau Diepholz eine große Chance, um künftig auch für weniger finanzstarke Bürger in der Gemeinde ausreichend Wohnraum bereithalten zu können. Die SPD sieht sich durch den Ratsbeschluss in ihrer Haltung bestätigt, wie Fraktionschefin Susanne Cohrs hervorhebt: „Wir sind heilfroh, dass wir Anteile erwerben können und einen Fuß in die Tür bei der Gesellschaft bekommen. Wie oft hat die SPD Anträge und Anfragen zu bezahlbarem Wohnraum gestellt, wir sind nie damit durchgekommen.“ Studenten, Alleinerziehende oder Rentner mit schmalem Einkommen suchten bezahlbaren Wohnraum.

„Schritt in richtige Richtung“

Ihr Pendant bei der CDU, Frank Schröder, sieht in dem Kaufbeschluss einen „Schritt in die richtige Richtung“. So eine Chance biete sich nie wieder. Ihre Zustimmung gaben auch die Grünen und die Fraktion „Besser“. Grünen-Fraktionschefin Kristine Helmerichs führte dabei ein zusätzliches Kaufargument ins Feld: Nach den Informationen der Gemeindeverwaltung können die Anteilseigner der Wohnbau Diepholz GmbH mit einer jährlichen Rendite von real 1,35 Prozent rechnen. Das liege über dem kommunalen Zinssatz, so Helmerichs.

Nächster Schritt noch offen

Zu welchem Zeitpunkt, auf welchen Flächen und in welchem Umfang aus der Beteiligung an der Wohnbau Diepholz konkrete Wohnbauprojekte in der Gemeinde Stuhr erwachsen können, darauf will sich zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner der Akteure festlegen. „Schritt für Schritt“ wolle man vorgehen, sagt Susanne Cohrs. „Wichtig ist, erst einmal reinzukommen bei der Wohnbau Diepholz“, meint Frank Schröder und verweist auf den schon vorhandenen gemeindeigenen Wohnungsbestand, der vollständig vermietet sei. Nach Angaben von Kämmerer Christian Möller besitzt die Gemeinde Stuhr rund 100 Wohnungen.