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Diskussion um Klinikreform Krankenhaus-Defizit bereitet Stuhrer Rathauschef Sorgen

Von Dirk Hamm | 21.06.2015, 19:40 Uhr

Die drei Kliniken des Landkreises Diepholz schreiben rote Zahlen. Stuhrs Bürgermeister mahnt Reformen an, da die Gemeinde das Defizit über die Kreisumlage mitträgt.

Die überwiegende Mehrzahl der Stuhrer Bürger nimmt im Falle des Falles die medizinische Versorgung in den Krankenhäusern der umliegenden Städte Bremen, Delmenhorst und Oldenburg in Anspruch – und dennoch macht dem Bürgermeister derzeit die Entwicklung in der Kliniklandschaft des Landkreises Diepholz Sorgen: „Grundsätzlich muss es das Ziel sein, unsere Krankenhäuser ohne laufendes Defizit zu betreiben“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung von Niels Thomsen und seiner Amtskollegen aus den benachbarten Kommunen Weyhe, Andreas Bovenschulte, und Syke, Suse Laue.

Den drei Rathauschefs bereitet Kopfzerbrechen, dass der Verbund der drei Kliniken des Landkreises in Bassum, Sulingen und Diepholz im vergangenen Jahr ein Defizit von 4,5 Millionen Euro erwirtschaftet hat – ein Fehlbetrag, den Stuhr, Weyhe und Syke mit ihrem Anteil von 43 Prozent an der Kreisumlage mittragen müssen, da der Landkreis knapp zur Hälfte an dem Klinikverbund beteiligt ist.

Bürgermeister unterstützen Reformkonzept des Landrats

„Eine adäquate Versorgung der Bevölkerung kostet Geld, aber die Defizite müssen im verträglichen Rahmen bleiben“, forderte Thomsen kürzlich im Stuhrer Rathaus bei einem gemeinsamen Auftritt mit Bovenschulte und Laue. Alle drei Bürgermeister signalisierten grundsätzlich Unterstützung für das Reformkonzept des Landrats Cord Bockhop für die drei Kliniken, über das der Kreistag zu entscheiden hat. Demnach sollen alle drei Standorte erhalten bleiben, sich jedoch stärker spezialisieren. Der chirurgische 24-Stunden-Notdienst soll ausschließlich auf den Standort Bassum konzen-triert werden.

CDU-Politiker in offenem Brief gegen die Reformpläne

Hoffnungen, die Defizite durch Strukturreformen in Zukunft völlig auszugleichen, hegt Niels Thomsen nicht: „Bestimmte Dienstleistungen in der medizinischen Versorgung kann man nie kostendeckend anbieten.“ Eine ausreichende Versorgung im ländlichen Raum sicherzustellen, sei eine Solidaraufgabe aller Kommunen des Landkreises.

Gegen das Konzept des Landrats einer Konzentration der Krankenhausstrukturen hat sich hingegen die CDU ausgesprochen. In einem offenen Brief äußern der Vizepräsident des niedersächsischen Landtags, Karl-Heinz Klare, und der örtliche Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig die Befürchtung, dass der Fortbestand aller drei Klinikstandorte andernfalls nicht mehr gesichert sei.