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Drei Festnahmen durch Polizei Hunderte demonstrieren in Brinkum gegen AfD-Auftritt

Von Thomas Breuer | 24.08.2017, 22:23 Uhr

In Brinkum haben vom späten Donnerstagnachmittag bis gegen 21 Uhr Hunderte gegen die AfD und einen Auftritt ihres Bundestags-Spitzenkandidaten Alexander Gauland demonstriert.

Ein großes Aufgebot der Polizei aus dem gesamten Landkreis Diepholz, die von Bereitschaftskräften unterstützt wurde, verhinderte, dass beide Lager direkt aufeinandertrafen. Aus den Kreisen der Demonstranten flogen ein Böller, mehrere Tomaten und Eier in Richtung der Polizei, die sich daraufhin mit Helmen schützte.

Böller, Tomaten und Eier geworfen

Eine Sprecherin berichtete von drei leicht verletzten Beamten durch den Wurf des Feuerwerkskörpers sowie drei Festnahmen zur Feststellung von Personalien, davon eine nach einer Beleidigung. Nach diesen Maßnahmen der Polizei wurde die Stimmung teilweise hektischer und aggressiver. „Deutsche Polizisten schützen Faschisten“, skandierte ein Block der Teilnehmer.

Von dem, was Gauland und im Anschluss seine Parteifreundin Leyla Bilge ausführten, bekamen die in der Spitze laut Polizei rund 800 Demonstranten kaum etwas zu hören, weil beide Lager durch die Einsatzkräfte und den ZOB ungefähr 100 Meter getrennt waren. Andersherum beeinträchtigten die Rufe und Pfiffe der Demonstranten den rund 25-minütigen Auftritt von Gauland kaum.

Beifall für Gauland-Äußerungen

Nach Schätzungen der Polizei waren es 270 Personen, die ihm auf dem Parkplatz des ZOB zuhörten, etwa 100 davon zollten immer wieder Beifall für Äußerungen wie „Dieses Land gehört uns, es ist deutsches Land“ und „Die Südländer können mit dem Euro nicht umgehen“.

Seine scharfe Kritik an der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel („Eine Frau hat ganz allein diktatorisch entschieden: Die Millionen nehme ich auf“) provozierte „Merkel muss weg“-Rufe.

Verlegung im Vorfeld von Gericht abgelehnt

Die Verwaltung der Gemeinde Stuhr hatte, nachdem sie den von der AfD gewünschten Versammlungsort zunächst bestätigt hatte, noch versucht, Gaulands Auftritt auf den Schützenplatz im Ort zu verlegen, und mit Sicherheitsbedenken argumentiert. Das Verwaltungsgericht Hannover hatte am Mittwoch pro AfD-Kreisverband entschieden, der sich der Verlegung nicht fügen wollte.

Bei der Wahl zum Kreistag Diepholz hatte die AfD im vergangenen Jahr in Stuhr 11,4 Prozent der Stimmen geholt.

„Das ist ein ganz wichtiges Zeichen.“

Stuhrs Bürgermeister Niels Thomsen zeigte sich erfreut, dass mehr Demonstranten als erwartet vor den ZOB gekommen waren: „Das ist ein ganz wichtiges Zeichen.“ Etliche Teilnehmer stammten aus Delmenhorst, etwa von der Linksjugend Solid, die eine der beiden Gegendemonstrationen angemeldet hatte, und vom Breiten Bündnis gegen rechts.

Die Polizei bilanzierte am späten Abend: „Das Konzept der Gemeinde Stuhr und der Polizeiinspektion Diepholz anlässlich der heutigen Wahlkampfveranstaltung der Afd und der zwei im Vorfeld angemeldeten Gegenveranstaltungen hat sich bewährt. Alle Veranstaltungen verliefen weitestgehend friedlich.“