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Hoher Anteil psychischer Störungen Stuhrer Beraterin fordert Umdenken in Gesellschaft

Von Dirk Hamm | 26.04.2016, 13:54 Uhr

Fachleute schlagen Alarm: Die psychosoziale Lage hierzulande sei besorgniserregend. Ein Aufruf fordert ein Umdenken in der Gesellschaft.

Das Ausmaß seelischer Erkrankungen und psychosozialer Probleme in der heutigen Leistungsgesellschaft treibt Hannelore Brüggemann um. „Die gegenwärtig herrschenden Sitten und Gebräuche in unserer Gesellschaft sind darauf ausgerichtet, Menschen den Mut und ihre Lebenskraft zu nehmen, Ängste zu schüren und damit ihr psychologisches Gleichgewicht zu stören“, ist die Individualpsychologische Beraterin überzeugt.

Körperliche Beschwerden als Folgen seelischer Probleme

In ihrer Praxis in Stuhr-Seckenhausen erlebe sie „die ganze Palette menschlicher Krisen“ mit den Auswirkungen von Burnout und Depression bis zu Suchtproblemen und Suizidgefahr. Häufige Symptome seien nicht nur Nervosität oder Schlafstörungen, sondern auch körperliche Beschwerden wie etwa Herz- und Kreislaufprobleme. 2010 gehörte Brüggemann zu den Mitunterzeichnern eines Aufrufs zur psychosozialen Lage in Deutschland, den leitende Ärzte Psychosomatischer Kliniken verfassten.

30 Prozent der Bevölkerung leiden unter psychischer Störung

Jetzt soll dieser Aufruf erneuert worden. „Circa 30 Prozent der Bevölkerung leiden innerhalb eines Jahres an einer diagnostizierbaren psychischen Störung“, lautet darin der Befund. Die Ursachen seien vor allem bei den Leistungsanforderungen, der Informationsüberflutung und den familiären Zerfallsprozessen zu suchen. Ein großes Problem stellten zudem die „langen Wartezeiten für Patienten“ dar.

Für Hannelore Brüggemann liegt auf der Hand, was sich in der Gesellschaft ändern muss: „Wir brauchen vor allem einen anderen Umgang miteinander, eine Anerkennungs- und Ermutigungskultur mit einem veränderten Wertesystem.“