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Inmitten einer Wasserbettenlandschaft Flippermuseum eröffnet in Moordeich

Von Frederik Grabbe | 08.11.2015, 15:34 Uhr

Es soll eine Rückführung in die 70er- und 80er-Jahre sein: In Stuhr Moordeich ist am Samstagabend das Flippermuseum von Torsten Mehlgarten eröffnet worden. Das Klackern, Schießen und Piepen erinnerte die meisten Besucher an ihre Jugend.

Lasziv streckt sie ihr Bein aus, in ihrer Mitte pocht ein rotes Herz, an ihrem Schenkel montiert ein Reparaturteam eine Art Düse. Im Display sagt die überdimensionale Roboterfrau in einer Mondlandschaft liegend dem Betrachter: „Lass mich fühlen wie eine Frau.“ Reichlich skurril erscheint die Front des Flipperautomaten „The Mashine“. Er steht neben 29 weiteren Automaten im Moordeicher Wasserbettenhandel Aqua Viscaya. Eigner ist Thorsten Mehlgarten, der am Samstagabend inmitten der Wasserbettenlandschaft ein Flippermuseum eröffnet hat.

Mehlgartens persönliche Flipperleidenschaft beginnt 1975 in der Kantine des Goethetheaters in Bremen. Das erste Flippern lässt den damals Neunjährigen nicht mehr los. Am Steintor aufgewachsen, hält er sich nach der Schule gerne in zahlreichen Kneipen auf – um zu flippern. So wie ihm ging es vielen. „Mit dem Flippern wuchs die Generation der 70er- und 80er-Jahre auf. Darum hat auch jeder eine eigene Erinnerung daran.“

Ältestes Exemplar von 1967

Später, Anfang zwanzig, war dann erst einmal Schluss. Jahrzehnte später sieht er bei einem Urlaub in den USA die Automaten wieder. Der Plan reift, eine eigene Flipper-Sammlung in seinem Geschäft aufzubauen. Die 30 Automaten hat er sich im vergangenen Jahr Schritt für Schritt angeschafft. Das älteste Exemplar stammt von 1967.

„Nebensächlich ist es ein Hobby. Hauptsächlich Werbung für das Geschäft“, sagt der 48-Jährige über seine Sammlung. Mit den Automaten will er eine „gechillte“ Atmosphäre schaffen, in der sich die Kunden wohlfühlen. Mit diesem Kalkül will Mehlgarten an einem Hype ums Flippern anschließen: Die Automaten seien als Sammlerobjekte begehrt, erst im Sommer fand die Deutsche Flippermeisterschaft im Bremer Musical-Theater statt - mit mehr als 1000 Beteiligten, wie der Bettenhändler sagt.

Klackern, piepen, grunzen - keine mechanische Tonhöhe wird ausgelassen

Und seine Rechnung scheint zumindest am Eröffnungsabend aufzugehen: Gebannt, wie man es heute nur bei Smartphones sieht, blicken mehrere Dutzend Spieler der Kugel im Automaten hinterher. Es klackert, es piept, es grunzt – der Automatensound lässt keine mechanische Tonhöhe aus. „Ich habe seit 40 Jahren nicht mehr gespielt“, sagt Frank Frenser aus Bremen. Früher habe er sogar einen eigenen Flipper zuhause gehabt. An dem Abend zielt, schießt und fiebert er am Star-Trek-Automaten, er geht in die Knie und verzieht das Gesicht, wenn die Kugel dann doch durchrutscht. „Das ist wie früher, es macht einfach Spaß.“ Die Nostalgie der Spieler ist im Wasserbettensgeschäft an diesem Samstagabend greifbar nah.