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Künstlerstätte Heiligenrode Neue Stipendiatin rückt Alltägliches in anderes Licht

Von Jasmin Johannsen | 06.10.2017, 10:40 Uhr

Präzise und sinnlich: Amina Brotz will durch ihre Werke Alltägliches in ein neues Licht rücken. Seit August ist sie Stipendiatin in der Künstlerstätte

Sie will den Betrachter in ihre Arbeiten einbeziehen, ihn zum Nachdenken anregen aber auch irritieren: Die Künstlerstätte Stuhr-Heiligenrode hat mit Amina Brotz eine junge, experimentelle Künstlerin als Stipendiatin gewonnen. „Ich möchte die Chance nutzen und mich abseits der Stadt inspirieren lassen“, verrät die 31-jährige Künstlerin, die zuvor in Bremen wohnhaft war.

Seit August lebt und arbeitet Brotz nun schon in ihrem neuen Domizil und will sich in den kommenden Monaten ganz der Gestaltung ihrer Ausstellung widmen, die ab Dezember in der Kunsthalle Bremen zu sehen sein wird. Der Fokus dabei: Vergessene Alltags-Gegenstände in ein neues Licht zu rücken und dem Betrachter eine differenzierte Sichtweise zu vermitteln.

Bücher mit gefundenen Zetteln als Diplomarbeit

Dieses Konzept setzte die junge Künstlerin und Meisterschülerin bei Heike Kati Barath schon mehrfach erfolgreich um. Für ihre Diplomarbeit an der Bremer Hochschule für Künste gestaltete sie acht kleine Bücher in einem Schuber unter dem Titel „000000-003419“. „Die Bücher bestehen aus gefundenen Zetteln, die ich nummeriert und im Handsatz bedruckt habe“, erklärt Brotz. Auf einigen Seiten stehen Sätze wie „Woher kommt Zeit und wohin geht Zeit?“

Auch in ihrer aktuellen Ausstellung im Weserburg Museum für Moderne Kunst spielen zeitliche Dimensionen eine Rolle. „Ich habe gespendete und gesammelte To-Do-Listen und andere Notizen zu einer großen Installation zusammengefügt“, schildert die Künstlerin. Der Ursprung jeder ihrer Arbeiten sei der „fragile Moment“, den sie durch eine präzise aber auch sinnliche bildnerische Sprache festhalten möchte.

Kunstinteressierte müssen sich in Geduld üben

„Ich gestalte in Etappen“, sagt Brotz über ihre Arbeitsweise. Zur Ausstellung, die zum Ende jedes Stipendiums in der Wassermühle gezeigt wird, habe sie sich deswegen noch keine Gedanken gemacht. Kunstinteressierte müssen sich also noch etwas gedulden, bis sie Brotz‘ Werke in Heiligenrode bestaunen können.

Schon seit 1989 besteht die Künstlerstätte in den historischen Mühlen-Gebäuden. Eine Jury wählt jeweils zwei Künstler aus, die ein zehnmonatiges Residenz-Stipendium von je 1400 Euro erhalten. Ziel ist dabei den künstlerischen Nachwuchs in Niedersachsen und Bremen zu fördern.