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Milchpreis bereitet Probleme Varreler Bauer beklagt „Verramschen“ von Lebensmitteln

Von Dirk Hamm | 22.10.2015, 19:18 Uhr

Milchbauern macht der anhaltend niedrige Milchpreis zu schaffen. Landwirte beklagen das „Verramschen“ des Produkts durch den Handel.

André Mahlstedt stößt sich heftig an der in Deutschland weit verbreiteten „Geiz ist geil“-Mentalität, wenn es um Produkte aus der Landwirtschaft geht: „Ein Liter Mineralwasser kostet mehr als ein Liter Milch, das passt doch nicht zusammen.“ Der Varreler betreibt zusammen mit Vater Rolf und Mutter Heike auf dem Hof der Familie an der Grünen Straße Milchviehhaltung, dazu Ackerbau und Bullenmast.

2013/14 sei noch ein „gutes Milchjahr“ gewesen, sagt Rolf Mahlstedt. Seit dem vergangenen Winter aber leide der Stuhrer Betrieb wie die gesamte Branche unter dem anhaltend niedrigen Milchpreis. 25 Cent erhalten die Mahlstedts als Grundpreis für den Liter Milch von der Molkerei, an die sie alle zwei Tage rund 6000 Liter des weißen Safts liefern. Zwischen 33 und 35 Cent müsste der Rohstoff jedoch einbringen, um die Existenz des Familienbetriebs nachhaltig zu sichern, erklärt André Mahlstedt. So aber müssten Rücklagen aufgebraucht und auf nötige Ersatzinvestitionen verzichtet werden.

Landwirt sieht Wegfall der Milchquote nicht als Ursache für Tiefpreis

Die Verantwortung für die missliche Marktlage sieht André Mahlstedt nur zum Teil bei der Politik – das Embargo Russlands mache rund fünf Cent Minus aus, schätzt der Landwirt – und definitiv nicht beim Wegfall der Milchquote, auf den manche zu Unrecht schimpften. Der schwarze Peter liege hauptsächlich beim Einzelhandel und den Verbrauchern, die nicht bereit seien, angemessene Preise für qualitativ hochwertige Lebensmittel zu bezahlen. Die Mahlstedts unterstützen deshalb eine Aktion des Landvolks Mittelweser mit einem Banner auf einem Acker an der Varreler Landstraße. „Wir verramschen Lebensmittel“ ist darauf zu lesen, gemünzt auf die bekannten Namen des Einzelhandels.

Der Satz ist bewusst angelehnt an einen Werbeslogan von Edeka. Der genossenschaftliche Verbund hingegen verweist auf den globalen Milchmarkt. Dieser unterliege „Schwankungen aufgrund von starkem Wettbewerb. Leider beeinflusst dies auch den deutschen Markt – genauso wie Angebot und Nachfrage. Auch der Markt für Milch muss sich selbst regulieren, indem beispielsweise das Überangebot an Milch zurückgefahren wird“, teilte Marlies Poppe, Sprecherin der EDEKA Minden-Hannover Stiftung & Co. KG, auf dk-Anfrage mit.