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Modische Mäntel aus alten Pelzen Varreler Kürschnerin peppt alten Beruf auf

Von Dirk Hamm | 27.10.2015, 07:42 Uhr

Aus der Mode gekommene Pelze verwandelt Martina Greggers in schicke, tragbare Kleidungsstücke. Die Varrelerin arbeitet in ihrer eigenen Kürschner-Werkstatt.

Der Kürschner ist ein uralter Handwerksberuf, der sich in Deutschland immer weiter auf dem Rückzug befindet. Rund 250 Kollegen üben die Kunstfertigkeit, Tierfelle mit der Hand zu Pelzbekleidung zu verarbeiten, noch aus, erklärt Martina Greggers. Die Varrelerin hat sich am Alten Postweg ihre eigene Kürschner-Werkstatt eingerichtet.

„Davon kannst Du doch gar nicht leben“ – diesen Satz habe sie oft zu hören bekommen, als sie sich im Juni 2006 selbstständig machte, sagt die 52-Jährige. Die Prognose sollte sich als falsch herausstellen, schon im zweiten Jahr wollten sich so viele Kundinnen bei der Kürschnerin alte, lange aus der Mode gekommene Pelzmäntel umarbeiten lassen, dass sie ihr Handwerk hauptberuflich betreiben konnte. In ihrer Werkstatt wird sie von einem Mitarbeiter, Schneidermeister und Kürschner Jan Paustian aus Oldenburg, unterstützt.

Erfolgreich mit Wendejacken mit Kapuzenkragen

Martina Greggers hat erfolgreich eine Marktnische besetzt, sie hat sich darauf spezialisiert, alte, schwere Pelzmäntel, die oftmals junge Kundinnen von der Großmutter geerbt haben, zu leichten und schicken Jacken umzuarbeiten. Stark nachgefragt seien dabei Wendejacken mit Kapuzenkragen, die bei jedem Wetter getragen werden können. Die Unikate entstehen nach den Wünschen der Kunden – immerhin rund 20 Prozent seien Männer, hat Greggers registriert – in aufwendigen Arbeitsschritten. 30 bis 40 Stunden werden beispielsweise für einen Wendeparka benötigt, der dann um die 2000 Euro kostet.

Drei Jahre Ausbildung zur Kürschnerin

„Ich finde es spannend, Stoffe, Leder, Magnete, Stretch, die ganze Vielfalt an edlen Materialien mit dem Pelz zu verbinden“, verrät Martina Greggers, was sie an ihrem Beruf besonders fasziniert. Erlernt hat sie diesen in einer dreijährigen Ausbildung in einem Pelzatelier in Schleswig-Holstein, von wo sie herstammt.

Dass Tierschützer das Tragen von Pelzen scharf kritisieren, ficht die Varrelerin nicht an. Sie verweist darauf, nur recyceltes oder von deutschen Jägern stammendes Ausgangsmaterial zu verwenden. Unter grausamen Umständen gewonnene Billigfelle aus China lehnt die passionierte Reiterin ab: „Ich liebe Tiere und möchte nicht, dass sie gequält werden.“