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Mörder von Nicole Stindt gesucht Polizei rollt Mordfall aus Stuhr wieder auf

Von Jan Eric Fiedler, Jan Eric Fiedler | 02.07.2018, 15:32 Uhr

Nach mehr als sechs Jahren hat die Polizeiinspektion Diepholz die Ermittlungen im Mordfall Nicole Stindt wieder aufgenommen. 2010 war die Leiche der Stuhrerin in einem Waldstück bei Groß Ippener gefunden worden.

Laut Mitteilung der Polizei ermittelt die Mordkommission (MOKO) „Buchholz“ seit April wieder in dem Fall. Im Jahr 2010 wurde die damals 19-köpfige Mordkommission erstmals ins Leben gerufen, als Pfingstmontag 2010 der verscharrte Leichnam der Stuhrerin Nicole Stindt im Waldstück Buchholz bei Groß Ippener im Landkreis Oldenburg von Spaziergängern gefunden wurde. Aufgrund der Umstände musste zu dem Zeitpunkt davon ausgegangen werden, dass Nicole Stindt einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war. Sie war am 19. August 2009 von ihrer Vermieterin als vermisst gemeldet worden.

In Partnerbörse aktiv

Die Auswertung ihres Computers hatte ergeben, dass Nicole Stindt seit April 2009 über die Online-Partnerbörse Friendscout24 zahlreiche Männerbekanntschaften knüpfte. Mit etwa 90 Männern hatte sie laut Polizei Chatkontakt. Mit mehreren traf sie sich persönlich. „Aufgrund von Löschfristen konnte bei Aufnahme der Ermittlungen im Jahr 2010 eine Vielzahl an Chatkontakten nicht identifiziert werden“, heißt es in der Mitteilung der Polizei. Bei den ermittelten Kontakten handelte es sich überwiegend um Personen aus der Region, die in einem Umkreis von etwa 50 Kilometern zu ihrem Wohnort Stuhr wohnten. Nicole Stindt nutzte selbst das Pseudonym „Julchen71“.

Neue Technik führt zu Kontakten

Durch die technischen Weiterentwicklungen stehen der Polizei nun, sechs Jahre nachdem die Mordkommission aufgelöst wurde, neue Auswerteprogramme zur Verfügung. Mit diesen Programmen konnten aus den etwa 90 Chatkontakten weitere Informationen zu den Pseudonymen ermittelt werden, mit denen Stindt in einem engeren Kontakt stand. Dabei handelt es sich um folgende Pseudonyme:


  • findmich44
  • der_Wolfgang thomas26689
  • Schimi_08
  • sexprotz
  • Schnucki44
  • cosmo2000
  • i_bins_wieda
  • bomi65

5000 Euro Belohnung ausgelobt

Daher bittet die MOKO Buchholz erneut um Hinwiese aus der Bevölkerung. Die Personen, die im Jahr 2009 bei der Partnerbörse Friendscout24 diese Nicknamen nutzten, werden gebeten, sich mit der MOKO „Buchholz“ in Verbindung zu setzen. Alle Frauen, die in diesem Jahr Kontakt zu einem dieser Pseudonyme hatten, werden ebenfalls gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Eine Kontaktaufnahme kann auch per E-Mail an moko@pi-dh.polizei.niedersachsen.de erfolgen. Bereits 2010 lobte die Polizeidirektion Oldenburg für Hinweise, die zur Klärung des Mordfalls führen, 5000 Euro Belohnung aus. Die Auslobung hat auch heute noch bestand.

Zuletzt auf Hundeplatz gesehen

Die Ermittlungen der Mordkommission hatten ergeben, dass Stindt am 18. August 2009 gegen 20.10 Uhr zum letzten Mal lebend gesehen wurde. Zu dem Zeitpunkt hielt sie sich gemeinsam mit ihrem Hund Lana auf einem Hundeplatz in Bassum/Haft auf. Sie verließ den Hundeplatz in ihrem grauen Toyota Corolla (DH-LB 167). Bereits am Morgen des 19.August 2009 wurde der Hund im Bereich Dötlingen aufgefunden. Wenig später wurde ihr Auto in der Nähe des Bremer Hauptbahnhofs am Breitenweg entdeckt. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie in der Nacht zum 19. August 2009 ums Leben kam.

Mordopfer hatte finanzielle Probleme

Stindt kam mit organischen Fehlbildungen zur Welt. Ihre Mutter verschwand wenige Wochen nach der Geburt, woraufhin Nicole Stindt bei ihren Großeltern aufwuchs. Nach der Schule absolvierte sie eine Ausbildung als Arzthelferin, hatte bereits damals wenige Freunde und galt als Einzelgängerin. Nach dem Tod des Großvaters, dessen Pflege sie bis dahin übernommen hatte, bezog sie in Stuhr eine Wohnung. In dieser lebte sie alleine und zurückgezogen. Aufgrund eines Erbschaftsstreits brach auch der Kontakt zu ihrer Familie ab. Ihre Liebe und Zeit investierte sie in ihre beiden Hunde, mit welchen sie viel in der Region unterwegs war und auf Hundeplätzen trainierte. Während der ersten Ermittlungen in den Jahren 2010 bis 2012 stellte sich heraus, dass Nicole Stindt erhebliche finanzielle Probleme hatte. Ihr stand am 19. August 2009 ein Termin bei einem Gerichtsvollzieher hinsichtlich einer eidesstattlichen Versicherung und zur Pfändung ihres Autos bevor.

Mordkommission ermittelte zwei Jahre

Am 8. Dezember 2010 versuchten die Ermittler, mit einem Beitrag in der Fernsehserie „Aktenzeichen XY-ungelöst“ neue Zeugenhinweise zu erlangen. „Leider befand sich damals keine heiße Spur unter den Hinweisen“, teilt die Polizei mit. Nachdem bis Anfang 2012 kein Täter ermittelt werden konnte, wurde die Mordkommission aufgelöst. Jedoch wurde der Fall Stindt, ähnlich wie andere Kapitaldelikte bei der Polizei, nie zu den Akten gelegt. Die jetzt wieder aufgenommenen Ermittlungen haben das Ziel, die Ermittlungsergebnisse der Vergangenheit auf den aktuellsten Stand zu bringen.