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Moordeicherin wird 100 Jahre alt Schönste Zeit des Lebens in Berlin verbracht

Von Dirk Hamm | 20.04.2018, 09:29 Uhr

Auf ein komplettes Jahrhundert kann Margarete Franke zurückblicken: Die Stuhrerin feiert am heutigen Freitag ihren 100. Geburtstag.

Seit drei Jahren ist die Rentnerin im Seniorenheim Haus am Deichfluss in Moordeich zu Hause. „Sie sitzt gerne im Aufenthaltsraum im Sessel und beobachtet alles um sich herum“, sagt Tochter Ursula Steinke, die ihre Mutter als fröhlichen und geselligen Mensch beschreibt.

Geboren wurde Margarete Franke im heute polnischen Landkreis Sprottau in Schlesien. Als junge Frau hat sie nach einer Lehre als Fleischereifachverkäuferin für eine Zeit die schlesische Provinz mit der pulsierenden Metropole Berlin getauscht. „Es war ihre schönste Zeit“, weiß Ursula Steinke.

Familie im Krieg gegründet

Ihren Mann Richard, der bereits 1973 viel zu früh verstarb, lernte Margarete Franke jedoch während des Krieges in ihrem Heimatort kennen. Im Oktober 1943 wurde Hochzeit gefeiert, im Dezember 1944 kam Ursula als einziges Kind des Paares zur Welt.

Dramatisch gestaltete sich das Kriegsende für die junge Mutter, Ende Januar 1945 flüchtete sie mit ihrem Baby vor der Roten Armee nach Westen. Die Familie, die mit der Entlassung von Richard aus dem Lazarett wieder komplett war, lebte fortan für einige Jahre in der Gegend von Leipzig.

Aus der DDR in den Westen gezogen

In der DDR wurde es der Jubilarin aber bald zu ungemütlich, eine berufliche Chance für ihren Mann in der Nähe von Cuxhaven ermöglichte die Übersiedlung nach Westdeutschland ohne den Aufenthalt im Durchgangslager Friedland.

In der DDR hatte Margarete Franke ein Konsum-Geschäft geleitet, auch im Westen hat sie gearbeitet, zuletzt in Bremen, wo Richard als Hausmeister im Hospiz beschäftigt war. Der Grund für den Umzug nach Bremen war ein familiärer: Das Ehepaar wollte in der Nähe der Tochter bleiben, die ab 1968 in Stuhr-Varrel heimisch wurde.

Reiselust und Brieffreundschaften

Früh Witwe geworden, ließ sich die zweifache Groß- und dreifache Urgroßmutter nicht unterkriegen. „Sie war sehr reiselustig, pflegte viele Brieffreundschaften und lernte dafür Englisch und ein bisschen Spanisch“, berichtet die Tochter. Seit 1973 wohnte auch ihre Mutter in Varrel und engagierte sich dort als Küsterin in der Kirchengemeinde.

Den Traum vom Reisen hat die nun 100-Jährige laut Ursula Steinke noch nicht aufgegeben: „Ein Enkel lebt in China, ihr größter Wunsch ist es, da hinzufliegen.“