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Schlechte Hygiene und Druck im Job Erneut schwere Vorwürfe gegen McDonald’s in Brinkum

Von Dirk Hamm | 22.01.2019, 19:19 Uhr

Schlechte Arbeitsbedingungen und mangelnde Hygiene: Erneut sind McDonald’s-Restaurants in Brinkum und Bremen unter Beschuss geraten. Das Unternehmen verspricht „intensive“ Prüfung. Der Franchisenehmer weist die Vorwürfe zurück.

Unhaltbare Zustände in Restaurants der Fastfood-Kette McDonald’s in Stuhr und Bremen beklagen ehemalige und aktuelle Mitarbeiter. Schlechte Arbeitsbedingungen, viel zu dünner Personalbestand, Schikane und Mängel bei der Hygiene: Die Liste der mutmaßlichen Missstände ist lang, die die Betroffenen bewogen haben, sich sowohl an die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) als auch an die Öffentlichkeit zu wenden.

McDonald’s Deutschland: Nehmen Vorwürfe „sehr ernst“

In am Dienstag von Radio Bremen und dem NDR verbreiteten Berichten schildern Mitarbeiter etwa, dass bereits abgelaufene Lebensmittel in den Menüs verwendet würden und dass es im Küchenbereich an Sauberkeit mangele. McDonald’s Deutschland nehme „grundsätzlich Hinweise auf Verstöße gegen unsere klar definierten Standards sehr ernst“, erklärte dazu ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. „Die in diesem Fall an uns herangetragenen Vorwürfe prüfen wir derzeit intensiv“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Bereits 2017 Beschwerden öffentlich gemacht

Bereits 2017 waren ähnliche Vorwürfe öffentlich gemacht worden, nachdem ein neuer Franchisenehmer 23 McDonald’s-Filialen in Bremen und umzu übernommen hatte. Der Fokus der Mitarbeiterbeschwerden, mit denen sich die Gewerkschaft seitdem intensiv beschäftigt, liegt nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Moritz Steinberger, bei der NGG Bremen-Weser-Elbe zuständig für die Systemgastronomie, auf den Filialen im Ochtum-Park in Brinkum-Nord sowie in Bremen-Vahr. Franchisenehmer Bernd Oude Hengel sah sich damals wie heute mit dem Vorwurf konfrontiert, dass in seinen Restaurants die von McDonald’s vorgegebenen Standards bezüglich des Personals und der Lebensmittelhygiene nicht eingehalten würden.

Diese Vorwürfe weist der Unternehmer in einer Stellungnahme auf Anfrage unserer Redaktion zurück. So habe es „von meiner Seite zu keiner Zeit eine Anordnung gegeben, dass Doppelschichten gemacht werden müssen“, betont Oude Hengel. „Wenn es im Ausnahmefall zu Überstunden gekommen ist, wurden diese selbstverständlich über einen Freizeitausgleich oder monetär abgegolten“, heißt es in dem Statement weiter.

Gerichtsurteile zugunsten der Mitarbeiter

Laut Moritz Steinberger sind mit Unterstützung der Gewerkschaft seit 2017 zehn arbeitsgerichtliche Prozesse geführt und bis Dezember 2018 abgeschlossen worden – in allen Fällen sei zugunsten der Mitarbeiter entschieden worden. Genutzt habe es diesen aber wenig, keiner dieser Arbeitnehmer arbeite mehr bei McDonald’s, erläutert der Gewerkschaftssekretär: „Die Prozesse ziehen sich ein halbes Jahr hin. Viele Mitarbeiter befinden sich in dieser Zeit in einer hochprekären Lebenssituation und ziehen die Reißleine.“

„Angstkulisse“ durch Arbeitgeber

Hinzu komme eine massive „Druck- und Angstkulisse“, mit der Mitarbeiter, die es wagen, den Mund aufzumachen, eingeschüchtert werden sollen. Steinberger schildert den Fall eines jahrzehntelangen McDonald’s-Mitarbeiters, den der Arbeitgeber mit dem Vorwurf, Lebensmittel an Bekannte ohne Bezahlung herausgegeben zu haben, vor Gericht zerrte. „Hanebüchen“ findet das Steinberger und fragt sich, welcher Arbeitnehmer nach Jahrzehnten seinen Arbeitsplatz „für 2,20 Euro“ aufs Spiel setze.

Viel zu dünne Personaldecke

„Die Arbeitsbedingungen sind nirgends in der Systemgastronomie so, wie sie sein sollten“, sagt der Gewerkschaftsfunktionär. Die Vorgehensweise von Unternehmer Bernd Oude Hengel sei jedoch „noch mal ein besonderer Fall“. Die Arbeitnehmerrechte würden in seinen Filialen „auf breiter Front mit Füßen getreten“. So würden Krankheitstage und Urlaub nicht korrekt abgerechnet und unbezahlte Überstunden seien an der Tagesordnung. Die Mängel bei der Hygiene seien eine direkte Folge der massiv ausgedünnten Personaldecke in den Restaurants.