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Schlechtes Abschneiden bei Studie Ist die Gemeinde Stuhr unattraktiv für Pendler?

Von Dirk Hamm | 14.01.2019, 21:19 Uhr

Täglich pendeln Tausende von und nach Eine Studie bewertet die Gemeinde als teuerste im Bremer Umland für Arbeitnehmer, die der Großstadt entfliehen.

Zwei von fünf Sternen, das ist nicht gerade ein positives Zeugnis für die Gemeinde Stuhr. Dieses negative Verdikt handelte sich die Gemeinde jetzt in einer auf Spiegel Online veröffentlichten Studie ein, die Umlandkommunen deutscher Großstädte vergleicht. Untersucht wurde vom Wohn- und Immobilienforschungsinstitut F+B, ob es sich für Arbeitnehmer etwa aus Bremen lohnt, in das Umland zu ziehen und die tägliche Fahrt zur Arbeit per Auto, Bus oder Bahn in Kauf zu nehmen. Insgesamt hat das Institut 24 Großstädte und deren Peripherie unter die Lupe genommen.

Nachbargemeinde kommt auf zwei Sterne mehr

Kriterien für die Bewertung waren die Wegstrecke zur Arbeit und die anfallenden Fahrtkosten sowie die Wohnkosten im Vergleich zur Großstadt. Bei einem günstigen Wohnangebot und einer guten Verkehrsanbindung sprangen bis zu fünf Sterne heraus.

Demgegenüber fiel das Ergebnis für Stuhr recht mager aus: Mit zwei Sternen schnitt die Gemeinde deutlich schlechter ab als die ebenfalls zum Bremer „Speckgürtel“ zählenden Kommunen Weyhe, Achim und Osterholz-Scharmbeck, die mit vier Sternen bewertet wurden. Ebenfalls vier Sterne vergaben die Macher der Studie an die Stadt Delmenhorst.

Fehlende Zugverbindung als Manko

Unter anderem ist der Studie zu entnehmen, dass Arbeitnehmer aus Bremen in Stuhr einen Preisvorteil bei Eigentumswohnungen von knapp 13 Prozent und bei Mietwohnungen von rund neun Prozent erzielen. Im benachbarten Weyhe fällt zumindest der Kaufpreisvorteil für eine Eigentumswohnung gegenüber Bremen mit 19,7 Prozent deutlich höher aus, wie die Studie ausweist.

Negativ auf die Bewertung wirkt sich vor allem die fehlende Zugverbindung von Stuhr nach Bremen aus – die Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 lässt noch einige Jahre auf sich warten. Beim Pendeln mit dem Auto kann Stuhr zwar mit durchschnittlich 23 Minuten Fahrzeit – Staus inklusive – einen Bestwert erzielen, doch bei den jährlich anfallenden Kosten für den fahrbaren Untersatz abzüglich der Pendlerpauschale schneidet Stuhr im Vergleich wieder schlecht ab.

Arbeitsmarktstatistik spricht andere Sprache

Ist die Gemeinde deshalb unattraktiv für Pendler? Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Nach Angaben von Stuhrs Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier pendelten laut Arbeitsagentur-Statistik von 2017 regelmäßig 11.342 Menschen zur Arbeit nach Stuhr, 10.294 Personen sind in der Kategorie der Auspendler zu verzeichnen. Und die für den Wirtschaftsförderer entscheidende Statistik: In Stuhr sind – ebenfalls Stand 2017 – 14.217 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, dem stehen 13.169 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gegenüber, die hier wohnen. Wimmelmeier: „Wer in Stuhr lebt, muss theoretisch gar nicht zur Arbeit pendeln.“