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Wahlkampf nimmt Fahrt auf Stuhr will Feuerwehrleute mit Bauland bei Stange halten

Von Dirk Hamm | 26.02.2019, 20:05 Uhr

Der Mangel an Bauland in Stuhr droht, vermehrt junge Feuerwehrleute zum Wegziehen zu bewegen. Die Politik will jetzt gegensteuern.

Der Bürgermeisterwahlkampf in Stuhr nimmt gut drei Monate vor dem Wahltermin am 26. Mai Fahrt auf. Eine Kontroverse zwischen den Parteien hat sich an der Frage der Vergabe von Bauland und dem befürchteten Weggang von Feuerwehrleuten aus der Gemeinde entzündet.

Schlagabtausch zwischen SPD und CDU

Die CDU hatte in einem Antrag die Verwaltung aufgefordert, die geltenden Richtlinien für die Baulandvergabe dahingehend zu überprüfen, dass aktive Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr bei Baugrundstücken stärker berücksichtigt werden. Die SPD hatte diesen Vorstoß als „populistisch“ abgekanzelt. Die Sozialdemokraten stören sich an dem Vorpreschen, nicht aber an dem Inhalt, wie aus dem Schreiben von Fraktionschefin Susanne Cohrs hervorgeht. Cohrs verweist darauf, dass SPD und Grüne gemeinsam eine Überarbeitung der Richtlinien für die Vergabe gemeindeeigener Grundstücke angemahnt hatten. Die CDU habe dies jetzt lediglich kopiert.

Feuerwehr für Überarbeitung der Richtlinien

Damit rückt in der öffentlichen Debatte in Stuhr ein Thema in den Vordergrund, dass den örtlichen Brandschützern schon seit Längerem unter den Nägeln brennt. Das war in den vergangenen Wochen bei verschiedenen Versammlungen der Ortsfeuerwehren deutlich geworden. Nach den bisherigen Richtlinien für Baugrundstücke genießen Familien höchste Priorität. Gemeindebrandmeister Michael Kalusche hält es bei einer Neufassung der Vergaberegeln beim Bauland aber für erforderlich, dass für Feuerwehrleute, die erst noch eine Familie gründen wollen, „gewisse Kontingente“ freigehalten werden.

Rund um die Uhr in Bereitschaft

Über alle sechs Stuhrer Ortswehren verteilt seien bereits zehn Feuerwehrleute abgewandert, weil sie kein Baugrundstück bekommen oder bei hohen Mietpreisen im Bremer Speckgürtel keine passende Mietwohnung gefunden haben, erklärte Kalusche im Gespräch mit dieser Zeitung – bei einer Gesamtzahl von 358 Aktiven sei das ein ernst zu nehmender Verlust. „In Stuhr gibt es viele Ehrenamtliche. Aber wir Feuerwehrleute sind jeden Tag 24 Stunden lang in Bereitschaft“, betont der Gemeindebrandmeister. Er sei froh, dass die Politik das Thema hat.

Baulabdvergabe „renovierungsbedürftig“

Für „renovierungsbedürftig“ hält auch Stuhrs Erster Gemeinderat Ulrich Richter nach eigenen Worten die auf das Jahr 1999 zurückgehenden Richtlinien. Zu Gesprächen mit der Feuerwehr und der Politik über dieses Thema sowie zum Wann und Wie einer Überarbeitung des Vergabeverfahrens beim Verkauf von Bauland etwa im zu entwickelnden Neubaugebiet „Auf dem Steinkamp“ in Brinkum mochte Richter auf Nachfrage jedoch zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben.