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Wandel in der Landwirtschaft Stuhrer Bauern leiden unter dem Preisdruck

Von Dirk Hamm | 19.02.2016, 18:54 Uhr

Die Zahl der Bauern nimmt ab, die Flächen werden größer. Auch in Stuhr lässt sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft beobachten. Probleme bereiten die niedrigen Erzeugerpreise.

Die Landwirtschaft ist in Stuhr ebenso wie anderswo starken Veränderungen unterworfen. „Es gibt zwei bis drei Prozent Strukturwandel jedes Jahr“, sagt Lars Nordbruch, Vorsitzender des Landvolks Mittelweser. Der Moordeicher, der auf seinem Hof 130 Milchkühe hält, kann aus eigener Erfahrung berichten, was das vor Ort konkret bedeutet: „Häufig findet sich kein Nachfolger für einen Hof. Wir sind beispielsweise in Moordeich, von Barken einmal abgesehen, der letzte verbliebene landwirtschaftliche Betrieb. Viele Freunde haben ihren Hof aufgegeben, weil die Kinder andere Berufe ergriffen haben. Dadurch waren wir in der Lage, Flächen zu übernehmen.“

Ein Landwirt ernährt 145 Menschen

Immer weniger Landwirte wirtschaften auf immer größeren Flächen, so lässt sich der Wandel auf dem Land auf den Punkt bringen. Lars Nordbruch hat den Befund kürzlich in einem Vortrag vor Stuhrer Nabu-Mitgliedern mit Zahlen untermauert: Nach dem Krieg haben demnach in Deutschland noch vier Millionen Bauern den Acker bestellt und Vieh gehalten. Aktuell verdienen noch 600000 Menschen hierzulande ihr Geld in der Landwirtschaft.

In Stuhr produziert ein Landwirt die Lebensmittel für 145 Menschen, wusste Nordbruch weiter zu berichten. Insgesamt werde in der Gemeinde eine Fläche von 5065 Hektar landwirtschaftlich genutzt. Silomais werde zu rund einem Drittel in der Fruchtfolge angebaut. „Das ist noch gesund. In Stuhr haben wir noch ein buntes Sortiment auf dem Acker“, sagt Nordbruch. Dass die Agrarbetriebe immer größer werden, hält der Landvolkchef nicht für eine positive Entwicklung: „Anstelle eines Betriebes mit 1000 Sauen könnten drei kleinere Vollerwerbsbetriebe existieren.“

Einstieg in bäuerlichen Betrieb mit hohem Risiko verbunden

Wer entgegen dem Trend in die Landwirtschaft einsteigen möchte, muss einiges auf sich nehmen, weiß Steffen Seevers. Der 25-Jährige hat sich entschlossen, in den Fahrenhorster Milchvieh- und Schweinemastbetrieb seiner Eltern und seines Bruders einzusteigen. Dazu sind hohe sechsstellige Investitionen nötig in neue Stallungen und Maschinen, um zusätzliche Kühe halten zu können, die wiederum sein Einkommen sichern sollen.

„Man muss heute viel Risiko auf sich nehmen, um Landwirt zu sein“, gibt Lars Nordbruch zu bedenken. „Ich musste mich extrem verschulden“, pflichtet Steffen Seevers bei und gibt sich zugleich optimistisch: „Ich habe die Hoffnung, dass ich meinen Arbeitsplatz in 20 Jahren abbezahlt habe.“

Preisdruck bei der Milch durch Exportrückgang

Erheblich erschwert wird die wirtschaftliche Situation für die Bauern in vielen landwirtschaftlichen Sparten durch die niedrigen Erzeugerpreise, etwa in der Sauenhaltung. Und bei der Milchproduktion: 25 Cent zahlt die Molkerei dem Varreler André Mahlstedt pro abgeliefertem Liter Milch, Tendenz seit anderthalb Jahren stagnierend. „33 bis 35 Cent müssten es aber sein, um wenigstens kostendeckend arbeiten zu können“, erklärt Mahlstedt.

Als Hauptursache für diesen Preisdruck benennt Lars Nordbruch den Exportrückgang infolge des Russland-Embargos und des geminderten Appetits der Chinesen auf die Milch. Hinzu komme das grundsätzliche Problem der starken Marktmacht, die den Bauern gegenüberstehe: Fast 80 Prozent des Umsatzes im Lebensmitteleinzelhandel werde von den fünf Großen gemacht.