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Wirtschaft vor Ort: Becomix Brinkumer Maschinenhersteller weltweit gefragt

Von Dirk Hamm | 01.07.2016, 17:21 Uhr

Geht ein Töpfchen Gesichtscreme oder eine Tube mit heilender Salbe über den Ladentisch, dann handelt es sich in der Regel um kleine Mengen des gewünschten Stoffes. Zusammengerührt werden die Mixturen in großen Edelstahlbehältern – und diese stammen weltweit zu einem großen Teil aus Stuhr.

Denn an der Henleinstraße im Gewerbegebiet Brinkum-Nord ist das Unternehmen Becomix ansässig, das sich auf die Planung, Herstellung und Installation von Maschinen und Druckbehältern für Pharma- und Kosmetikahersteller spezialisiert hat. „Es ist ein Nischenmarkt, wenn man bedenkt, wie viele Cremetöpfchen mit einer einzigen unserer Maschinen befüllt werden können. Aber in diesem Markt haben wir eine starke Position“, erläuterte Inhaber und Geschäftsführer Stephan Berents kürzlich einer Besuchergruppe der CDU um den Landtagsabgeordneten Volker Meyer.

135 Mitarbeiter bei Becomix beschäftigt

Berents‘ Vater Alwin hatte das Unternehmen 1978 in Bremen gegründet. Ursprünglich handelte es sich um ein reines Ingenieurbüro, die Fertigung wurde extern vergeben. Bereits vier Jahre später sollte sich das ändern und die Firma expandieren. Da neue Gewerbeflächen in Bremen zu Anfang der 80er Jahre kaum zu bekommen waren, entschied sich Alwin Berents für den Umzug nach Brinkum-Nord.

Dort hat Becomix nach Aussage von Stephan Berents zuletzt „gute Jahre“ mit kräftigen Wachstumsraten verzeichnen können. 135 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, wovon gut zwei Drittel im Bereich der Produktion eingesetzt sind. Rund 30 Ingenieure sind mit der Planung und Konstruktion der nach den speziellen Kundenwünschen schlüsselfertig produzierten Maschinen.

Hälfte des Umsatzes außerhalb Europas

Den Fachkräftebedarf decken zum Teil im eigenen Betrieb ausgebildete Industriemechaniker und -elektriker ab. Für 2017 suche das Unternehmen drei neue Auszubildende, sagte Berents. Innerhalb der Firma werde großes Gewicht auf Weiterbildung gelegt: „Einige haben bei uns etwa als Industrielektriker angefangen, haben dann den Meister und Techniker gemacht und sind jetzt als Planer tätig.“

50 Prozent des Umsatzes erzielt Becomix nach Angaben des Firmenchefs außerhalb Europas, 15 Prozent werden innerhalb Deutschlands erwirtschaftet. Vor dem Hintergrund dieser internationalen Ausrichtung ist es verständlich, dass der gelernte Maschinenschlosser und studierte Physiker und Informatiker im Gespräch mit den Politikern eine Lanze für den Abbau von Handelshemmnissen und den Abschluss des umstrittenen Handelsabkommens TTIP zwischen der EU und den Vereinigten Staaten brach: „Wir verpassen eine Chance, wenn TTIP nicht kommt.“

Firmenchef sieht Vorteile von Handelsabkommen TTIP

TTIP würde einen gemeinsamen Wirtschaftsraum schaffen, der etwa bei der Gerätesicherheit, den Zulassungsvoraussetzungen und dem Umweltschutz gemeinsame hohe Standards garantiere, ist der 50-Jährige überzeugt. Die Gefahr einer Abwärtsspirale zum Beispiel bei den Sicherheitsstandards, die bei der Produktion von Druckbehältern eine wichtige Rolle spielen, sieht Berents nicht: „Die USA sind beim Verbraucherschutz ganz vorn.“ Alle drei Jahre erhalte sein Unternehmen Besuch von US-Inspektoren, die die in Brinkum produzierten Druckgeräte zertifizieren. Innerhalb der EU habe die Angleichung der technischen Anforderungen nicht zu niedrigeren, sondern höheren Sicherheitsstandards geführt.