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Handball-Oberliga HSG Delmenhorst kassierte ernüchternde Pleite

Von Klaus Erdmann | 08.12.2019, 20:35 Uhr

Die zuletzt erfolgsverwöhnten Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst kassieren eine völlig überraschende Niederlage gegen die SG Achim/Baden.

„Wir hätten noch fünf Stunden spielen können und nicht gewonnen.“ Jörg Rademacher, Cheftrainer der Handballer der HSG Delmenhorst und Freund klarer Worte, formulierte nach dem 26:32 (14:16) des Oberligisten gegen Kellerkind SG Achim/Baden ein Gefühl, das wohl die meisten der 250 Zuschauer während der Begegnung am Samstagabend beschlich. Ein ernüchterndes Ergebnis, mit dem die Gäste den Höhenflug der Hausherren, der ihnen drei Siege in Folge und den Sprung auf Platz vier beschert hatte, jäh beendeten. Die HSG bleibt Vierter. Die als Schlusslicht angereiste SG, die es nach acht Auftaktniederlagen zuletzt auf 5:1 Punkte brachte, verbesserte sich auf den zwölften und ersten Nicht-Abstiegsplatz.

„Wir wollen“, hatte Achims Trainer Tobias Naumann vor der Partie in der Halle am Stadion gesagt, „die Gastgeber so lange wie möglich ärgern.“ Nun, der Außenseiter ärgerte den Favoriten sehr lange – bis zum Schluss. Am Ende freute sich die SG über ein Ergebnis, das nach Meinung von Rademacher auch in dieser Höhe in Ordnung ging.

Rademacher vermisst den Charakter

Sein Team kam von Anfang an nicht ins Spiel. Es lag nach neun Minuten mit 3:5 zurück und erzielte mit dem 8:8 letztmals einen Ausgleich (17.). Zur Pause hieß es 14:16. Die ersatzgeschwächte HSG, die nur elf Aktive aufbot, knüpfte nicht an die zuletzt gezeigten Leistungen an. Bei den Delmenhorstern schlichen sich Flüchtigkeitsfehler ein und sie vergaben gute Chancen. Die Achimer kauften ihnen mit ihrem kampfbetonten Auftreten den Schneid ab. „Bei uns“, so Rademacher, „habe ich Kampf nicht gesehen. Power, Biss und Charakter haben gefehlt.“ Achim/Baden, ergänzte HSG-Vorsitzender Jürgen Janßen, habe den Sieg gewollt.

In Abschnitt zwei baute die SG ihren Vorsprung auf 19:15 aus (36.). Nach Tim Coors’ 21:19 (42.) keimten im Lager der Delmenhorster Hoffnungen auf, doch diese währten nicht lange: Die SG zog wieder davon und sieben Minuten später lag sie mit 25:20 vorne. Spätestens zu diesem Zeitpunkt breitete sich das eingangs zitierte Gefühl aus.

Schwache Quote aus dem Rückraum

„Wir haben nicht alles gegeben, um die gute Position zu verteidigen“, stellte Rademacher fest. Der Trainer schaute dem Geschehen natürlich nicht untätig zu. Defensive und offensive Abwehr, Manndeckung – er setzte auf verschiedene Varianten. In der 19. Minute wechselte er Torwart Bassam Farasha für Sönke Schröder ein. Maßnahmen, die nicht den gewünschten Erfolg brachten. Hinzu kam, dass der Rückraum, ansonsten das Prunkstück der HSG, deutlich hinter den Möglichkeiten blieb. Rademacher schrieb ihm, den er als „Totalausfall“ bezeichnete, 17 Fehlwürfe zu. Bei der Kritik nahm der Coach Mario Reiser ausdrücklich aus: „Er war ein Lichtblick.“

Mehr Informationen:

HSG Delmenhorst – SG Achim/Baden 26:32Delmenhorst: Schröder, Farasha; Witt, Goyert, Sudau, Timmermann 1, Coors 6, Oetken 4, Janßen 7/3, Reiser 7/1, Schoeps 1.Achim/Baden: von Seelen, Dybol; Block-Osmers 5/2, Zilz 1, Sibahi 1, Jacobsen 1, Wolters 9, Podien 6, Windßus 4, Budelmann, Meyer 4, Dreyer, Schlebusch, Mühlbrandt 1.Siebenmeter: HSG 8/4 – SG 5/2.Zeitstrafen: HSG 4 – SG 7.Schiedsrichter: Wagener/Wagener (Warsingsfehn).Zuschauer: 250.Spielfilm: 3:5 (9.). 8:8 (17.), 9:13 (21.), 14:16 – 15:19 (36.), 19:21 (42.), 20:25 (49.), 24:29 (54.), 26:32.

Achim/Baden besaß in Arne von Seelen, der unter anderem vier der acht HSG-Siebenmeter meisterte, einen glänzenden Schlussmann. Ferner ragte der neunfache Torschütze Jan Wolters heraus. „Wenn man im Kopf nicht da ist, kann man kein Spiel gewinnen“, betonte Rademacher. „Es ist schade, dass man ein solches Spiel so einfach wegschmeißt.“ Sein Team sei zu statisch gewesen und habe einige Würfe nicht gut vorbereitet. Apropos: „Jeder muss sich selbst hinterfragen, wie er sich vorbereitet“, unterstrich der Trainer. Am kommenden Samstag, 19.15 Uhr, wenn die Delmenhorster die punktgleiche HSG Schwanewede/Neuenkirchen erwarten, bietet sich die Gelegenheit, zu zeigen, dass es sich beim 26:32 gegen Achim/Baden um einen Ausrutscher handelt. Im Falle eine Sieges würde die HSG Delmenhorst (mindestens) als Oberliga-Vierter und mit einem Erfolgserlebnis in die Weihnachtspause gehen – die Mannschaft hätte es verdient.