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Vielseitigkeits-Europameisterschaften 2019 Ganderkeseerin Sandra Auffarth rückt vor, deutsches Team führt

Von Lars Pingel | 31.08.2019, 20:42 Uhr

Sandra Auffarth, Vielseitigkeitsreiterin des RV Ganderkesee, hat sich mit Viamant du Matz durch einen fehlerfreien Geländeritt in der Einzelwertung der Vielseitigkeits-Europameisterschaften 2019 in Luhmühlen nach vorn geschoben. In der Teamkonkurrenz liegt das deutsche Quartett in Führung.

Mehrere Tausend Zuschauer jubelten, als Sandra Auffarth am Samstag in der Lüneburger Heide mit Viamant du Matz auf ein mächtiges Holzhindernis zugaloppierte. Es war wie eine Schleife gebaut, die bei Reitturnieren an die Platzierten vergeben werden, mit einer kleinen Hecke obendrauf. Mühelos sprang sie mit dem zehnjährigen Wallach darüber. Zwei, drei Galoppsprünge noch, dann riss die 32-Jährige strahlend den linken Arm nach oben, klopfte ihrem Pferd lobend auf die Schulter. Das Duo hatte auch den letzten, den 40., Sprung des Geländekurses der Vielseitigkeits-Europameisterschaften 2019 gemeistert, die in Luhmühlen ausgetragen werden. Nach 9:56 Minuten war sie über die virtuelle Ziellinie geritten, blieb so souverän in der vorgegeben Richtzeit: Auffarth, die für den RV Ganderkesee startet, bejubelte eine Null-Runde, sodass sie weiter die 31,7 Minuspunkte auf dem Konto hat, mit denen sie nach der Dressur in die zweite der drei Teildisziplinen der Prüfung gegangen war. "Ich bin total begeistert von meinem Pferd", schwärmte sie:

„"Er ging von Anfang an spitze. Es hat total Spaß gemacht."“

Sandra Auffarth springt acht Plätze nach vorn

Der klasse Auftritt von Viamant du Matz, den Auffarth mit einer glänzenden reiterlichen Leitung möglich gemacht hatte, zahlte sich aus. Die Bergedorferin, die als Einzelreiterin startet, verbesserte sich vom 21. auf den 13. Rang. Den ersten Platz verteidigte Michael Jung aus Horb mit 20,9 Minuspunkten. Mit dem zehnjährigen fischerChipmunk FRH blieb er auf der rund 5800 Meter langen Stecke an den 26 Hindernissen ebenfalls fehlerfrei. In 9:52 Minuten war er klar unter der Richtzeit von 10:10 Minuten geblieben. Schnelleres Reiten wird aber nicht mit Pluspunkten belohnt. "Chipmunk ist ein fantastisches Pferd", lobte Jung den elfjährigen Hannoveraner Wallach, den er erst seit Februar reitet. "Ich musste nicht einmal Gas geben. Ich habe nach der ersten Minute auf die Uhr geguckt und gemerkt, dass wir viel weiter waren als geplant. Ich habe ihn dann immer ein bisschen gebremst: Ruhig bleiben, ruhig bleiben. So weit waren wir unter der Zeit", erzählte der 37-Jährige:

„"Es ist unwahrscheinlich, wie er springt und galoppiert."“

Schrecksekunde für Michael Jung

Jung musste unterwegs eine Schrecksekunde überstehen. Vor dem 17. Hindernis sei ein Mann winkend auf die Strecke gelaufen, erzählte er. Er habe nicht gewusst, ob das ein Signal an ihn war. "Dann haben die Zuschauer aber weiterreiten, weiterreiten gerufen." Das machte Jung ausgesprochen gut. Allerdings: Der Sprung danach sei sehr, sehr schlecht gewesen, weil der Rhythmus verloren gegangen war. Auch in dieser Situation habe sich die Qualität von Chipmunk gezeigt. "Er hat das super gemacht", sagte Jung: "Wenn man so ein Pferd hat, gibt einem das Sicherheit."

Titelverteidigerin Ingrid Klimke hat viel Spaß

Die Titelverteidigerin Ingrid Klimke war von ihrem vierbeinigen Sportpartner SAP Hale Bob OLD genauso begeistert. "Bobby ist ein erfahrener Hase. Ich bin überglücklich. Er hat einen super Job gemacht", sagte die Münsteranerin über den 15-jährigen Oldenburger Wallach, mit dem sie mit einem Geländeritt in der Zeit und ohne Hindernisfehler in der Einzelwertung den zweiten Rang verteidigte (22,20). "Es hat alles so geklappt, wie ich es mir gewünscht hatte", fuhr die 51-Jährige fort: "Es hat unglaublich viel Spaß gemacht."

Daran, dass der Ritt zum Vergnügen wurde, habe der sehr schön gebaute Kurs großen Anteil gehabt, erklärte Klimke. Und die Zuschauer. "Es war unglaublich, was hier los war", sagte Klimke. Bobby habe die grandiose Stimmung ebenfalls zusätzlich motiviert. "Er kriegt das mit", erzählte die Reitmeisterin:

„"Wenn die Fans nach einem Hindernis klatschen und jubeln, geht er hoch und galoppiert los."“

Sandra Auffarth lobt Geländestrecke

Die Kulisse begeisterte auch Auffarth. "Die letzte Schlusslinie mit den vielen Zuschauern war unglaublich", bestätigte sie: "Es war richtig cool, so angefeuert zu werden." Genau wie Klimke lobte sie den Geländparcours. "Er war schön aufgebaut", sagte sie: "Er ließ sich flüssig reiten, man konnte immer im Rhythmus bleiben. Das ist gut für die Pferde, denn du musst sie nicht oft stören. So haben sie Spaß."

Thibaul Vallette neuer Dritter

Der Geländeritt führte zu Verschiebungen in beiden EM-Wertungen. Im Einzel verbesserte sich der Franzose Thibault Vallette aus Frankreich mit Qing du Briot (25,8) hinter Jung und Klimke auf Platz drei. Er hielt sein Dressurergebnis mit einer Runde ohne Strafpunkte. Eine solche gelang 17 weiteren Paaren. 71 aus 16 Nationen waren auf die Strecke gegangen, nachdem die finnische Reiterin Salta Siltakorpi vorher verzichtet hatte. In Paulia Swindells hatte eine weitere Finnin bereits vor Dressur zurückgezogen. Zwölf Duos kamen am Samstag nicht ins Ziel. Bei fünf Stürzen wurden weder Reiter noch Pferde verletzt, die anderen Reiter schieden nach drei Verweigerungen aus.

Deutsches Team auf Platz eins

In der Mannschaftswertung (die besten drei Reiter pro Disziplin liefern das Ergebnis) liegt das deutsche Quartett, zu dem außer Klimke und Jung auch Andreas Dibowski (Döhle) mit FRH Corrida (35,40 Minuspunkte/Einzel: 22.) und Kai Rüder (Blieschendahl) mit Colani Sunrise (41,80/35.) gehören, auch nach dem zweiten EM-Tag in Führung. Dibowski überschritt im Gelände die vorgegebene Zeit um zwei Sekunden, sodass er 0,80 Minuspunkte erhielt. Rüder hatte Pech: Sein Pferd wollte zunächst nicht in die Startbox. Da die Reiter aber zu einer bestimmten Zeit von dort aus auf die Strecke gehen müssen, verlor er 40 Sekunden. Rüder überzeugte dann trotzdem. Er blieb ohne Hindernis- und Zeitfehler. Die deutsche Equipe weist 78,50 Strafpunkte auf. Zweiter ist, wie nach der Dressur, der Weltmeister und Titelverteidiger Großbritannien (92,80). Das französische Team schob sich auf Rang drei vor (93,60). Die belgische Mannschaft fiel am Samstag von diesem bis auf Platz sieben zurück (146,60).

Mehr Informationen:

Mannschaftswertung (nach zwei von drei Disziplinen): 1. Deutschland (Andreas Dibowski - FRH Corrida/Egestorf, Kai Rüder - Colani Sunrise/Fehmarn, Michael Jung - fischerChipmunk FRH/Horb am Neckar, Ingrid Klimke - SAP Hale Bob OLD/Münster) 78,80 Strafpkt.; 2. Großbritannien (Pippa Funnell - Majas Hope, Piggy French - Quarrycrest Echo, Laura Collett - London 52, Oliver Townend - Cooley Master Class) 92,80; 3. Frankreich (Karim Florent Laghouag - Punch de lEsque, Thibau Vallette Lt Col - Qing du Briot, Alexis Goury - Trompe l¦Oeil d'Emery, Nicolas Touzaint - Absolut Gold HDC) 93,60; 4. Italien 99,20; 5. Schweden 101,10; 6. Irland 103,30; 7. Belgien 146,60; 8. Schweiz 164,10; 9. Österreich 1137,30; 10. Niederlande 2026,00.Einzelwertung: 1. Michael Jung (Horb am Neckar) - fischerChipmunk FRH 20,90 Strafpkt.; 2. Ingrid Klimke (Münster) - SAP Hale Bob OLD 22,20; 3. Thibaut Vallette Lt Col (Frankreich) - Qing du Briot ENE HN 25,80; 4. Tim Lips (Niederlande) - Bayro 26,00; 5. Oliver Townend (Großbritannien) - Cooley Master Class 27,60; 6. Cathal Daniels (Irland) - Rioghan Rua 29,00; 7. Christopher Six (Frankreich) - Totem de Brecey 29,20; 8. Pietro Roman (Italien) - Barraduff 29,40; 9. Piggy French (Großbritannien) - Quarrycrest Echo 29,80; 10. Kitty King (Großbritannien) - Vendredi Biats 30,30; ... 13. Sandra Auffarth (Ganderkesee) - Viamant du Matz 31,70; 15. Anna Siemer (Luhmühlen) - FRH Butts Avondale 31,90; 16. Anna-Katharina Vogel (Biessenhofen) - DSP Quintana P 32,30; 18. Christoph Wahler (Bad Bevensen) - Carjatan S 33,80; 22. Andreas Dibowski (Egestorf) - FRH Corrida 35,40; 26. Felix Etzel (Ilsfeld) - Bandit 436 36,30; 33. Jörg Kurbel (Rüsselsheim) - Joseras Entertain You 39,20; 36. Kai Rüder (Fehmarn) - Colani Sunrise 41,80; 54. Josefa Sommer (Immenhausen) - Hamilton 24 85,70. (dpa)

Springprüfung verspricht Spannung

Die Entscheidungen über Siege und Platzierungen fallen an diesem Sonntag ab 11 Uhr in der Springprüfung. Zuvor, ab 9 Uhr, untersuchen Tierärzte in der zweiten Verfassungsprüfung wie die Pferde den Geländeritt überstanden haben. "Das ist ja alles noch eng zusammen", sagte Ingrid Klimke:

„"Das wird bestimmt ein spannendes Springen. Da kann man schon Null reiten, aber genauso schnell kann man auch einen Fehler haben. Doch das ist ja gerade das Spannende daran, das macht es aus – auch für die Zuschauer."“