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Fußball-Oberliga SV Atlas Delmenhorst tritt beim Spitzenreiter an

Von Lars Pingel | 23.02.2019, 09:21 Uhr

Schwere Aufgabe zum Start in den zweiten Teil der Saison 2018/19: Die Oberliga-Fußballer des SV Atlas Delmenhorst treten beim Tabellenführer Eintracht Northeim an.

429 Mal hat Olaf Blancke den Anpfiff eines Fußballspiels, in dem es um Punkte ging, als Trainer an der Seitenlinie gehört. Den 431. Spielbeginn erlebt er an diesem Sonntag um 14 Uhr am Rand des Kunstrasenplatzes im Gustav-Wegner-Stadion, der sportlichen Heimat von Eintracht Northeim. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich vorher nicht angespannt bin. Ich bin auf jeden Fall nervös", erzählt der 49-Jährige, der sein Pflichtspiel-Debüt als Coach des Oberligisten SV Atlas Delmenhorst feiert – in einem Spitzenspiel: Der SVA reist als Tabellenvierter zu der Mannschaft, die von Platz eins aus in die Winterpause der Saison 2018/19 gegangen war.

Blancke ist seit dem 16. Dezember 2018 Trainer der Delmenhorster, er kam vom SVA-Ligarivalen BV Cloppenburg, den er von Dezember 2017 an in 33 Oberligaspielen betreut hatte. Zuvor war er zwischen Juli 2005 und Juni 2016 mit dem SSV Jeddeloh von der Kreis- bis in die Oberliga aufgestiegen. "Das ist der Anfang", sagt er mit Blick auf die Partie seiner neuen Mannschaft in Northeim. "Ich denke, dass ich noch ein bisschen angespannter sein werde als sonst, denn, da muss ich ganz ehrlich sein, die Erwartungen sind anders als noch in Cloppenburg." Dort ging es einzig darum, die Mannschaft in der fünfthöchsten Spielklasse zu halten. In Delmenhorst fiel dagegen in letzter Zeit häufiger das Wort "Regionalliga" im Zusammenhang mit der Frage nach Zielen.

Atlas-Trainer Olaf Blancke warnt

Blancke verwendet den Begriff "Aufstieg" nicht, wenn er nach seinen Erwartungen gefragt wird. "Bei mir gibt es zwei Ziele", sagt er dann. Und schiebt zunächst eine kleine Warnung nach. "Wir dürfen die Tabelle nicht aus den Augen verlieren. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es nach unten auch nicht weit ist." Der Keller ist sogar näher als die Spitze. Atlas hat sechs Punkte mehr gesammelt als der MTV Gifhorn. Der belegt als Tabellen-13. den ersten Rang, der am Saisonende den Sturz in die Landesliga bedeuten würde. Northeim, das den Platz innehat, der den direkten Sprung in die Regionalliga bringt, weist acht Punkte mehr auf als die Delmenhorster, ebenso wie der HSC Hannover auf Rang zwei, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrelegation gegen den 15. der Abschlusstabelle der Regionalliga Nord berechtigt (oder gegen den 16., wenn deren Meister auf- und kein Nord-Team aus der 3. Liga absteigt). "Wir dürfen uns keinen Negativlauf erlauben", folgert Blancke. Der SVA-Trainer peilt allerdings an, mit seiner Mannschaft in der Verfolgerrolle zu bleiben: "Natürlich gucken wir lieber nach oben."

NFV-Pokal hat für SV Atlas große Bedeutung

"In sechs Wochen kommt der Pokal dazu", benennt Blancke sein zweites Ziel. "Der hat für uns eine sehr hohe Bedeutung." Im zweigleisigen Wettbewerb des Niedersächsischen Fußball-Verbands hat der SV Atlas in der Runde der Amateure (Oberligisten und Bezirkspokalsieger) das Halbfinale erreicht, in dem er am Montag, 22. April, 15 Uhr, den 1. FC Wunstorf empfängt. Das Endspiel wird am 15. Mai in Hannover ausgetragen, der Sieger ist für die erste Runde des DFB-Pokals 2019/2020 qualifiziert. "Das ist eine große Herausforderung für uns", meint Blancke.

Fünf Spieler des SV Atlas fallen verletzt aus

Dann konzentriert sich der Atlas-Trainer voll auf das erste Pflichtspiel, das seine Mannschaft nach einer "nicht optimalen" Vorbereitung bestreitet. Er hätte gerne mehr von Taktik geprägte Trainingseinheiten geleitet, erzählt Blancke. Die habe das schlechte Wetter verhindert, das dazu führte, dass die Plätze gesperrt wurden. Auch Verletzungen und krankheitsbedingte Pause störten. In Marvin Osei, Jannik Vollmer und Neuzugang Julian Harings fallen drei Spieler langfristig aus, mindestens zwei bis drei Wochen müssen Tom Schmidt und Kevin Radke pausieren. Innenverteidiger Karlis Plendiskis, der wegen eines Infekts im letzten Testspiel gegen den Regionalligisten BSV Rehden (1:1) gefehlt hatte, wird in Northeim wohl dabei sein. Fraglich sei, ob das für den vielseitigen Leon Lingerski gelten wird, der in der zurückliegenden Woche nicht trainieren konnte, berichtete Blancke. Atlas-Kapitän Nick Köster muss in Northeim zuschauen, weil er sich in der Oberliga-Partie beim VfV Hildesheim (0:2) die fünfte gelbe Karte eingefangen hatte.

Die Personalsituation sei ärgerlich, aber: "In so einem Spiel gibt es keine Ausreden", sagt Blancke: "Wir haben einen 24er-Kader. Es werden vier, fünf Feldspieler auf der Bank sitzen, die können alle spielen." Das Aufgebot genießt sein Vertrauen: "Mit denen, die da sind, wollen wir Erfolg haben." Auch bei einem Gegner, der als Tabellenführer antritt, der in der Vorbereitung ein Trainingslager in Belek (Türkei) absolvierte, der zu Hause durchgängig auf Kunstrasen trainierte und der in der Vorbereitung starke Leistungen bot. "Wir sind zwar krasser Außenseiter, aber wir fahren trotzdem mit dem Ziel nach Northeim, drei Punkte zu holen." Um das auch erreichen zu können, müssten seine Spieler während der gesamten Spielzeit voll konzentriert sein. "Wenn wir nur fünf Minuten pennen, kann das böse enden." Zudem sollen seine Spieler "sofort, auch körperlich, zeigen, dass wir unsere Ziele haben".

Gelingt es seinen Spielern, das alles umzusetzen, würde Olaf Blancke den Anpfiff seines 431. Punktspiels als Trainer am 3. März (14 Uhr) im heimischen Stadion gegen den VfL Oythe wohl etwas entspannter erleben als den in Northeim.