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Fußball-Bezirksliga VfL Wildeshausen gewinnt großartiges Derby beim VfL Stenum

Von Daniel Niebuhr | 15.04.2019, 00:15 Uhr

Die Bezirksliga-Fußballer des VfL Wildeshausen marschieren durch einen dramatischen Lucky Punch beim VfL Stenum Richtung Meisterschaft.

Hobby-Richter Marcel Bragula sprach sein Urteil noch am Tatort – und er ließ am Sonntag seltene Milde walten. Sein Stürmer Rene Tramitzke müsse wegen der Gelben Karte in der Nachspielzeit keine Geldbuße befürchten, versicherte Bragula, auch in seiner Position als Fußball-Trainer des VfL Wildeshausen. Wer mit der letzten Aktion den entscheidenden Treffer köpft, „dem können die Emotionen schon einmal durchgehen“, fand der Coach. Und dann kann man sich, wie Tramitzke, auch mal bei sieben Grad und eisigem Wind das Trikot vom Leib reißen – Verwarnung hin oder her.

Verbal-Duell der Trainer

Tramitzkes reingekämpftes Tor zum Wildeshauser 3:2 (0:0)-Sieg war die Schlusspointe eines großartigen Landkreis-Derbys zwischen dem VfL Stenum und dem Bezirksliga-Spitzenreiter aus der Kreisstadt, in dem sich die Nachbarn nichts schenkten – auch nicht bei der Nachbetrachtung. Bragula und sein Stenumer Kollege Thomas Baake, die eine lange Trainer-Freundschaft verbindet, spielten sich nicht immer ganz harmonisch die Bälle zu. Baake ärgerte sich über die Wildeshauser Bank, die eine Rote Karte gegen seinen Aushilfs-Linksverteidiger Kevin Gerlach gefordert hatte – was Bragula wiederum „ganz normal“ fand –, und erklärte, dass ihn der Gegner nicht wirklich beeindruckt hatte: „Wer Meister werden will, muss hier schon gewinnen.“ Das irritierte Bragula, der konterte: „Du kannst doch nicht erwarten, dass wir euch mal eben so abschießen.“ Am Ende klatschten sich beide jedoch ab – und Baake verkündete: „Marcel, ich hoffe, ihr werdet Meister.“

300 Zuschauer

Danach sieht es spätestens seit Sonntag auch schwer aus. Wildeshausen hat zehn Punkte Vorsprung auf den TuS Obenstrohe, der schon am Mittag gegen Frisia Wilhelmshaven verloren hatte. Die Nachricht war an der Wildeshauser Seitenlinie natürlich bekannt, wie Bragula berichtete. „Das kommt dazu. Du weißt, wie wichtig ein Sieg ist, deshalb haben wir auch so gefeiert.“

Ärger um Notbremse und Ausgleichstor

Es waren drei Punkte mit sehr langem Anlauf, denn Stenum hatte vor 300 Zuschauern bis zuletzt allen Wildeshauser Attacken getrotzt. Nach ereignisarmer erster Hälfte köpfte Lennart Feldhus die Gäste in Führung (52.), Stenum antwortete acht Minuten später durch Waldemar Kelm. Wildeshausen legte wieder vor und zwang Arnold Koletzek in der 74. Minute nach einem Einwurf zu einem Eigentor. Wieder kam Stenum zurück, als Torben Würdemann in der 82. Minute nach einer Ecke über die Kugel die Linie drückte – Bragula wollte allerdings auch aus großer Entfernung ein Handspiel gesehen haben.

Nach einer Schlussphase mit weiteren Kontroversen – unter anderem einer Parade von Stenum-Keeper Maik Panzram, der einen Tramitzke-Schluss auf oder womöglich hinter der Linie parierte – setzte schließlich der Favorit den Lucky Punch. Bis in die Nachspielzeit hatte Stenum die unzähligen Wildeshauser Flanken glänzend verteidigt, dann köpfte Joker Tramitzke ein und feierte halbnackt mit den Teamkollegen und dem Wildeshauser Anhang den Riesenschritt zum Titel.