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Fußball-Bezirksliga VfL Wildeshausen feiert Trainingsplatz-Meisterschaft ausgiebig

Von Lennart Bonk | 08.05.2019, 19:50 Uhr

Couch-Meister hat es im Fußballsport schon einige gegeben. Der VfL Wildeshausen hat seine Meisterschaft in der Bezirksliga in seinem "sportlichen Wohnzimmer" gefeiert.

In der Geschichte der Bremer Discomeile dürften feiernde Fußballer wohl ein eigenes und sehr umfangreiches Kapitel einnehmen. Nicht nur Bundesliga-Profis wie Aaron Hunt, Marko Arnautovic oder auch Altstar Claudio Pizarro wurden während ihrer Zeit bei Werder Bremen schon einmal in den Tanztempeln der Hansestadt gesichtet. Auch Amateurfußballer begeben sich gerne auf Bremens Tanzflächen, um ihre Erfolge zu feiern. So etwa die Bezirksliga-Fußballer des VfL Wildeshausen, die am frühen Mittwochmorgen in Bremen die Meisterschaft und den Aufstieg in die Landesliga gefeiert haben.

Regenerationstraining vor Party-Marathon

Ihr Feier-Marathon nahm am Dienstagabend seinen Lauf. Und zwar auf dem Trainingsplatz. Dort sind die Spieler und Trainer des Bezirksligisten, an einem Dienstag ab 19 Uhr üblicherweise anzutreffen. Nach der anstrengenden Woche – drei Spiele in sieben Tagen, darunter das Gipfeltreffen mit dem TuS Obenstrohe – stand ein Regenerationstraining mit Fußball-Tennis und Lattenschießen auf dem Programm, berichtet VfL-Trainer Marcel Bragula. Fast zur gleichen Zeit war der Verfolger aus Obenstrohe beim Tabellendritten BW Bümmerstede darum bemüht, eine Restchance im Aufstiegsrennen zu bewahren.

Die letzten 13 Minuten der Begegnung in Oldenburg haben die Wildeshauser, die wenige Minuten zuvor ihr planmäßiges Training beendet hatten, aus rund 40 Kilometer Entfernung im Mittelkreis ihrer Heimspielstätte gebannt verfolgt. Betreuer Thomas Kupka, Vater von Spieler Alexander, war vor Ort und hielt Bragula während der gesamten Partie via Telefon auf dem Laufenden. Um 21.16 Uhr überbrachte er die frohe Kunde: Verfolger Obenstrohe verliert 1:2, der VfL Wildeshausen ist Meister.

Die Nachricht war der Anstoß für eine "spontane Meisterfeier im Wohnzimmer des VfL" (Bragula). Gemeint ist das Sportlerheim am Krandel, in dem bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wurde. "Wir haben gegrillt und auch ein paar Meister-Schnäpse getrunken. Es war ein schöner Abend", blickte Bragula zurück. Während sich der Trainer um 3 Uhr gen Bett verabschiedete, ging es für einige seiner Spieler auf die berüchtigte Bremer Discomeile. In weiser Voraussicht hätten "60 bis 70 Prozent der Mannschaft" (Bragula) schon für den Mittwoch Urlaub genommen. Darunter auch der Trainer.

Das hat den VfL zum Meister gemacht

Der fühlte sich bei den Feierlichkeiten an den Aufstieg vor vier Jahren erinnert, als der VfL vor rund 4000 Zuschauern mit einem 1:1 gegen den SV Atlas den Gang in die Landesliga perfekt gemacht hatte. Die Frage, welcher von den beiden Aufstiegen der schönere gewesen sei, beantwortet Bragula gewohnt sachlich: "Für mich steht der sportliche Erfolg an erster Stelle."

Und der fußt für Bragula auf drei Säulen. Eine solide körperliche Fitness, konstant gute Leistungen und eine stabile Defensive haben seiner Ansicht nach den VfL in dieser Saison zum Meister gemacht. Ein Blick auf die Tabelle bestätigt das. Nach 26 Partien stehen bei den Wildeshausern vier Spieltage vor dem Saisonende 20 Siege, vier Unentschieden und nur zwei Niederlagen zu Buche. Mit 23 Gegentreffern stellt das laufstarke Team die beste Defensive.

Der Trainer ergänzt: "Die Meisterschaft fällt nicht vom Himmel. Es hat auch viel mit Mentalität zu tun." Insbesondere die Einstellung zum Fußball muss stimmen. Und die ist bei seinem 23-Mann-Kader sehr beachtlich. 85 Prozent Trainingsbeteiligung hat der Coach in dieser Saison notiert. Während andere Bezirksligisten wöchentlich nur zweimal trainieren würden, stehe seine Mannschaft dreimal in der Woche auf dem Platz.

Auch der Wille ist entscheidend. So hebt Bragula die in Hannover beziehungsweise Osnabrück studierenden Rene Tramitzke sowie Jan und Ole Lehmkuhl hervor, die für die Trainingseinheiten und Spiele der Wildeshauser wöchentlich weite Anreisen auf sich nehmen. "Dieser Charakter zeichnet uns aus", findet Bragula.

Wochen zum Genießen in Wildeshausen

Die nächste Saison ist allerdings noch Zukunftsmusik. Vier Spiele hat der Meister noch in der Bezirksliga vor der Brust, die mit Vollgas bestritten werden sollen. "Dafür werde ich sorgen", verspricht Bragula. Am Sonntag empfangen die Wildeshauser um 15 Uhr den abstiegsbedrohten VfL Rastede im Krandelstadion.

Doch nicht nur die erste Herrenmannschaft vom Krandel hat einen guten Grund zum Feiern. Auch die zweite (von der 1. Kreisklasse in die Kreisliga) und die dritte Mannschaft (von der 3. in die 2. Kreisklasse) steigen auf. "Das ist eine fantastische Saison für den Verein", findet Bragula. Wildeshausens Fußball-Abteilungsleiter Ottmar Jöckel pflichtet ihm bei: "Das ist etwas ganz Seltenes." Er freut sich schon auf die nächste Saison. "Die Landesliga ist eine riesen Aufgabe. Wir haben im Kader Leute mit Landesliga-Format", sagt Jöckel. Zwei Jahre nach dem Abstieg hat die Mannschaft die Rückkehr in sechsthöchste Spielklasse Deutschlands geschafft. "Neues Spiel, neues Glück", kommentiert der Abteilungsleiter die Chancen.

Den VfL-Fußballern stehen nun Wochen zum Genießen bevor. Nach einer der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte bricht in der Kreisstadt über Pfingsten mit dem Gildefest die fünfte Jahreszeit an. Sollte der Feierdurst der Krandel-Kicker dann immer noch nicht gestillt sein, dürfte die Bremer Discomeile wieder eine Anlaufstelle für die feiernden Fußballer sein.