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Nach VGH-Fairness-Cup Fußball-Kreis wehrt sich: "Robust, aber nicht unfair"

Von Daniel Niebuhr und Andreas Bahlmann | 23.01.2019, 20:38 Uhr

Der Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst sieht sich trotz vieler Karten nicht als unfaires Pflaster.

Maik Wenzel muss sich an jenem 19. August 2018 irgendwie in der Wortwahl vergriffen haben, jedenfalls wurde es dem Schiedsrichter irgendwann doch zu bunt mit ihm. Referee Michael Koch zeigte dem Verteidiger vom SV Achternmeer in der Nachspielzeit wegen Meckerns Gelb-Rot, das 1:1 gegen Tabellenführer TuS Heidkrug rettete seine Mannschaft auch ohne ihn.

Wenzel hat damit die zweifelhafte Ehre, der einzige Kreisligaspieler zu sein, den Michael Koch in dieser Saison vom Platz gestellt hat. Der Schiri-Veteran und -Ansetzer hat bisher fünf Spiele gepfiffen und dabei neben Wenzels Ampelkarte auch noch 25 Mal Gelb gezogen, womit er ziemlich genau im Liga-Durchschnitt liegt. Allerdings ist genau das ein Problem, das sich in der vergangenen Woche nicht zum ersten Mal zeigte: Im VGH-Fairness-Cup, der die Karten und Sportgerichtsverfahren aller Clubs in Niedersachsen von der Kreisliga aufwärts erfasst, steht der Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst zur Halbzeit an vorletzter Stelle. Eine vordere Platzierung hatte nach den Erfahrungen der Vorjahre vermutlich auch niemand ernsthaft erwartet – einen solchen Absturz aber auch nicht.

Fairness-Quotient nicht schlechter als in den Anfangsjahren

Der Kreis will die Bilanz so allerdings nicht unkommentiert stehen lassen; ausgerechnet Kreisliga-Kenner und Kreis-Vize Koch tritt leidenschaftlich als Kronzeuge auf. "Unser Kreis ist zugegebenermaßen robust. Aber es bewegt sich alles innerhalb der Fairness", sagt der Schiedsrichter. Die Kreisliga sei "eine harte und fordernde Liga, aber auf keinen Fall unfair". Und überhaupt sei "die Fairnesswertung an sich kritisch zu betrachten".

Tatsächlich ist die Platzierung nicht immer die beste Art, die Entwicklung des Fairplays zu messen. Der maßgebliche Wert in den Tabellen ist der Fairness-Quotient pro Spiel, der sich aus den Karten und sonstigen Verfehlungen der Clubs ergibt. Aktuell liegt der für alle Kreis-, Bezirks und Oberligisten aus Oldenburg-Land/Delmenhorst bei 2,78 – wahrlich kein Ruhmesblatt, aber auch kein Grund, gleich einen Krisenstab einzurichten. In den ersten vier Jahren seines Bestehens war der 2012 gegründete Kreis jeweils schlechter, bis in den vergangenen Jahren Besserung zu erkennen war. "Spielerisch bewegen wir uns im robusten Bereich – leider wird aber auch viel gelabert", sagt Koch. Er pfeift auch in der Kreisliga Cloppenburg, wo es "im Vergleich deutlich weniger robust zur Sache geht".

Im Schnitt fast ein Platzverweis in jedem dritten Spiel

Allerdings ist Oldenburg-Land/Delmenhorst bei den Karten auch ungewollt farbenfroher. In der Kreisliga fliegt im Schnitt fast in jedem dritten Spiel jemand vom Platz. In der Vorsaison zeigten die Unparteiischen in allen Kreis-Spielen 33 Mal Rot, in dieser Spielzeit bereits 26 Mal, dazu kommt 34 Mal Gelb-Rot. Acht dieser Feldverweise (und damit die zweitmeisten in Niedersachsen) gehen auf das Konto von Bezirksligist SV Baris, allein dreimal erwischte es Stürmer Dennis Kuhn. Trainer Önder Caki stellt sich aber vor seine Mannschaft: "In meinen Augen war die Hälfte dieser Karten berechtigt, über die anderen kann man streiten. Wenn du einen guten Schiedsrichter hast, bringst du ein Spiel eher mal sauber zuende." Auch Kuhn nimmt er eindeutig in Schutz: "Er ist schnell und körperlich stark – manchmal prallen die Gegenspieler von ihm ab und er sieht die Karten." Koch springt Caki zur Seite: "Baris hat eine heißblütige Mannschaft, da geht es emotional zur Sache - aber nicht unfair."