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0:4 im Derby gegen Atlas Tur Abdin Delmenhorst und die verflixte Mixtur

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 06.05.2016, 08:39 Uhr

Vor 950 Zuschauern verliert der SV Tur Abdin das Delmenhorster Derby in der Fußball-Bezirksliga gegen SV Atlas klar mit 0:4 (0:1). Dass die Aramäer genug Qualität haben, die Bezirksliga zu halten, davon sind sie in beiden Lagern überzeugt.

Da stand Daniel Karli nun im Innenraum des Delmenhorster Stadions, verschwitzt und abgekämpft. Zwischen Spielfeld und Umkleidekabinen analysierte der Kapitän des Fußball-Bezirksligisten SV Tur Abdin die vergangenen 91 Minuten im Stadtduell mit dem SV Atlas, in der einen Hand hielt er ein Präsent seiner C-Jugendmannschaft und nahm zwischendurch immer wieder Glückwünsche entgegen. Es waren jedoch keine Gratulationen zu einem Punktgewinn oder gar einem Sieg über den den Stadionrivalen, sondern Glückwünsche zu seinem 28. Geburtstag, den er am Mittwoch feierte. So richtig zufrieden schaute Karli in diesem Moment verständlicherweise nicht aus. Denn seine Mannschaft hatte soeben das Derby gegen den SVA klar mit 0:4 (0:1) verloren und seine Lage im Abstiegskampf nicht unbedingt verbessert, als Karli einfach wie treffend festhielt: „Wir sind gerade in einer Scheißsituation.“

Mit gutem Verschieben, Zweikampfhärte und viel Laufarbeit wollte der SVT dem SVA das Leben vor 950 Zuschauern schwer machen. Das gelang in der ersten Halbzeit gar nicht mal so schlecht – bis auf eine Ausnahme, als ausgerechnet Atlas-Regisseur Musa Karli die Blau-Gelben mit 1:0 in Front brachte (15.). Abdin wollte Atlas „das Spiel kaputt machen“, wie Daniel Karli einräumte. „Das haben wir in der ersten Halbzeit ganz ordentlich gemacht. Atlas hat ja fast nur mit langen Bällen operiert.“ Gleichzeitig versäumten es die Arämaer aber, die durchaus vorhandenen Räume in der Offensive etwa durch Roman Seibel und den Ex-Atlas-Angreifer Stefan Kulikow entscheidend zu nutzen. „Wir sind nicht richtig nachgerückt. Das waren halbherzige Läufe“, monierte Daniel Karli und fand, „dass uns im Spiel nach vorne derzeit einfach der Mut fehlt“. Mit Blick auf seinen feststehenden, offiziell aber noch nicht verkündeten Wechsel zum SV Atlas gab sich Daniel Karli aber auch kämpferisch optimistisch: „Als Absteiger werde ich Tur Abdin garantiert nicht verlassen.“

Abdin mit individuellen Abwehrfehlern und fehlender Gefahr in der Offensive

Von der Qualität ihrer Mannschaft sind sie auch nach sechs sieglosen Spielen (vier Pleiten, zwei Remis) im SVT-Lager weiterhin überzeugt. Es ist derzeit diese verflixte Mixtur aus individuellen Abwehrfehlern und Harmlosigkeit im Angriff, die auch Interimscoach Stefan Keller kritisierte. Beim 0:1 müsse seine Mannschaft den Ball „einfach mal wegbolzen“, bevor dieser über Umwege bei Musa Karli landete. Beim 0:2 durch Iman Bi-Ria (46.) „fehlte der Zugriff“, vor dem 0:3 durch einen Strafstoß von Dominik Entelmann (70.) leistete sich Daniel Karli ein vermeidbares Foul am Torschützen, vor dem 0:4 durch Bi-Ria (73.) „machen wir einen unnötigen Fehler im Spielaufbau“, monierte Keller. Zu den Abwehrfehlern kam, dass Abdin im Vergleich zu den anderen Derbys dieses Mal wohl am wenigsten Durchschlagskraft in der Offensive hatte.

Es war eine Erkenntnis, die auch Atlas-Trainer Jürgen Hahn überraschte. Er habe von Abdin allgemein „schon mehr Emotionen“ erwartet und speziell im Spiel nach vorne auch mehr Torgefahr. Denn: „Mit Seibel und Kulikow hat Abdin doch gefährliche Leute in der Offensive...“, sinnierte Hahn. Vielmehr wollte sich Hahn dann auch nicht mit dem Gegnern, sondern lieber mit dem eigenen Spiel beschäftigen. „Der Wille, unbedingt, ein Tor zu schießen, hat mich sehr gefreut“, sagte Hahn. Er lobte vor allem die Führung durch Musa Karli, bei der „Domo“ Entelmann einen eigentlich schon verloren geglaubten Ball an der Torauslinie noch erkämpfte und stark zurücklegte.

Aho Hanno gibt Comeback beim SV Tur Abdin

Karli selbst machte im offensiven Mittelfeld ein starkes Spiel, obwohl er sich „vor dem Anpfiff ziemlich müde“ gefühlt hatte. „Wir haben eine klasse Reaktion auf die Niederlage in Obenstrohe gezeigt“, meinte Karli. Mitleid mit seinem Bruder und seinem Heimatverein, bei dem Allrunder Aho Hanno nach 19-monatiger Verletzungspause wegen eines Kreuzbandrisses sein Comeback feierte, hat er nicht: „Abdin hat genug Qualität, um die Liga zu halten.“ Sprach es und verabschiedete sich in die blau-gelbe Feiermeute.