Ein Angebot der NOZ

1. Fussball-Kreisklasse Christoph Haverkamp ist die „Lebensversicherung“ des TuS Vielstedt

Von Andreas Bahlmann | 18.01.2019, 13:37 Uhr

Christoph Haverkamp hat im ersten Teil der Saison 2018/2019 in der 1. Fußball-Kreisklasse Oldenburg-Land/Delmenhorst schon 17 Treffer erzielt. Seine Mannschaft, der TuS Vielstedt, hat 40 Tore auf ihrem Konto.

Im Grunde ist Hans Borchers ganz froh, dass einer der Stürmer in seinem Kader nicht häufiger zum Training kommt. „Ich sage mal: Das ist ein Guter“, erklärt der Trainer der Kreisklassen-Fußballer des TuS Vielstedt, wenn er auf Christoph Haverkamp angesprochen wird: „Er ist immer torgefährlich, ein Torjäger halt.“ Und dann erklärt der Coach seine zunächst eher unlogisch erscheinende Freude über dessen Fehlen bei Übungseinheiten. „Er kann nur einmal die Woche trainieren, aber dafür ist er dann auch immer da. Wenn er häufiger trainieren könnte, dann wäre er mit Sicherheit auch für höher spielende Vereine interessant.“ Das wäre für den TuS Vielstedt bitter, denn der „Knipser“ ist in dieser Saison so etwas wie die „Lebensversicherung“ der Mannschaft.

TuS Vielstedt peilt Klassenerhalt an

Christoph Haverkamp hat 17 der 40 Tore erzielt, die die Vielsteder in ihren 16 Punktspielen der Saison 2018/19 auf die Habenseite ihres Kontos gebracht haben. Dort stehen auch 19 Punkte, mit denen die Mannschaft den zwölften Platz im unteren Mittelfeld der Tabelle belegen. 13 Zähler Vorsprung hat der TuS auf den Tabellen-14. Borussia Delmenhorst (17 Spiele/6 Punkte/19:87 Tore) und 14 auf das Schlusslicht FC Hude III (16/5/15:58). Trotz des komfortablen Puffers bleibt der Klassenerhalt das Saisonziel der Vielstedter. „Mehr ist nicht drin,“ sagt Borchers und ergänzt: „Dazu hätten wir das eine oder andere Spiel besser gestalten müssen.“ Neun Niederlagen und einem Unentschieden stehen sechs Siege gegenüber. Einer davon war ein nachträgliches 5:0 am Grünen Tisch, weil der TuS Heidkrug II einen nicht spielberechtigten Aktiven eingesetzt hatte.

Haverkamp ist als Führender der Torschützenliste der 1. Kreisklasse in die Winterpause gegangen. Er teilt sich diesen Rang mit Jannis Oberbörsch vom Spitzenreiter VfL Wildeshausen II, der seine 17 Tore allerdings in 17 Partien erzielte. Haverkamp rückte im letzten Punktspiel vor dem Jahreswechsel, dem 8:0 bei Borussia Delmenhorst am 18. November, ganz nach oben: Er traf viermal. „Eigentlich habe ich schon auf allen Positionen gespielt, nur nicht als Torwart“, erzählt der Angreifer und fügt grinsend an: „Zum Torjäger wurde ich eigentlich erst so richtig in dieser Saison, seit ich alleine und ganz vorne im Sturmzentrum aufgestellt werde. Mit Sturmpartner wäre es manchmal schon etwas einfacher, aber so ist es auch okay.“

Christoph Haverkamp trainiert nur am ersten von zwei Trainingsterminen

Haverkamp spielt überall, wo ihn der Trainer aufstellt; und er gibt immer alles für seine Mannschaft. Gemeinsam mit einigen Freunden stieß er 2006 zur B-Jugend des TuS Vielstedt. „Seitdem ist der Verein für mich auch nicht mehr wegzudenken“, sagt der ehemalige Altmoorhauser, dessen aktive Fußball-Laufbahn in der E-Jugend des TV Munderloh begonnen hatte. Gemeinsam mit seiner Freundin wohnt der 27-Jährige in Oldenburg und arbeitet als Lagermeister in der Logistikabteilung eines großen Bad Zwischenahner Fliesen-Unternehmens. „Mein Arbeitstag endet erst um 18 Uhr, da ist es dann ein wenig schwierig, zweimal pro Woche zu trainieren“, erklärt er: „Je nachdem, ob unsere Punkspiele auf einem Freitag oder Samstag liegen, trainieren wir montags und mittwochs oder dienstags und donnerstags, das wird bei uns flexibel gehandhabt. Ich habe mir den jeweiligen ersten Trainingstermin am Wochenanfang fest eingerichtet, das lässt sich beruflich gut vereinbaren.“

Haverkamp war nicht ununterbrochen Torjäger, und er spielte seit der B-Jugend auch nicht ununterbrochen beim TuS Vielstedt. Arend Arends, heute Cheftrainer des Kreisligisten TV Jahn Delmenhorst, war vor der Saison 2008/2009 Cheftrainer des TuS. Er hielt große Stücke auf Haverkamps fußballerisches Talent, zog ihn noch als A-Jugendlichen hoch in die 1. Herren. „Christoph ist charakterlich einfach Bombe, ein sehr zuverlässiger Typ und fußballerisch richtig gut, deswegen wollte ich ihn auch in meiner Mannschaft spielen lassen. Er passte sich sofort gut in das Mannschaftsgefüge ein und zählte schnell zur Stammelf“, schwärmt Arends von seinem Ex-Spieler: „Seine Stärke ist das Kopfballspiel. Er ist einfach enorm zweikampfstark und er kommt über seinen unbändigen Einsatzwillen.“ Arends und Haverkamp verbindet seitdem auch ein freundschaftliches Verhältnis. Als Arends zur Spielzeit 2014/15 zum VfL Wildeshausen wechselte und dort die Kreisliga-Mannschaft übernahm, folgte ihm Haverkamp ein Jahr später. „Beim VfL waren die meisten Spieler technisch versierter“, erinnert sich Arends, „aber Christoph erkämpfte sich mit seiner Mannschaftsdienlichkeit, seinem Einsatzwillen und seiner Kampfkraft nach etwa zwei bis drei Monaten Eingewöhnungszeit eine sehr hohe Anerkennung.“ Haverkamp setzte sich beim VfL II sportlich durch. Und er ist immer noch stolz auf den damaligen Erfolg: „Wir sind am Ende der Saison 2015/16 sogar Tabellenvierter in der Kreisliga geworden.“

Christoph Haverkamp möchte Wette gewinnen

Aber seine Zeit in Wildeshausen war nicht nur von Erfolgen geprägt: Ein Muskelbündelriss, den er sich im Training zuzog, warf ihn zurück. Als er wieder fit war, schaffte Haverkamp den sportlichen Anschluss. Doch er merkte, dass es ihn zurück zu seinen Freunden zog. Daher kehrte er wieder zum TuS Vielstedt zurück in die 1. Kreisklasse. Was der damalige VfL-Trainer bedauerte. „Diese ruhigen Typen wie Christoph bekommt man in einer Mannschaft oft gar nicht so mit, aber das sind für mich die eigentlichen Helden des Vereinsfußballs“, lobt Arends.

Bei stärkerer Beanspruchung spürt Haverkamp immer noch die Folgen der Verletzung, aber er arrangiert sich damit: Er schießt Tore und hat Spaß mit seinen Kumpels. Mit einem Mannschaftskameraden hat er zu Saisonbeginn eine Wette abgeschlossen: „Mein Ziel sind 30 Tore, dann bekomme ich einen Cocktailabend in Oldenburg spendiert.“ Ein durchaus machbares Ziel, wenn er denn gesund und einsatzfähig bleibt. Am liebsten erzielt er seine Tore mit dem Kopf: „In der Luft kann ich mich gegen größere Spieler durchsetzen. Außerdem finde ich Kopfballtore einfach schöner, weil sie schwieriger zu machen sind. Besonders in unserer Mannschaft, wo für mich nicht so viele verwertbare Flanken kommen. Ich habe vielleicht nur ein Drittel meiner Tore mit dem Kopf erzielt.“