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1. Fussball-Kreisklasse SC Colnrade setzt auf Teamgeist

Von Andreas Bahlmann, Andreas Bahlmann | 15.12.2016, 22:38 Uhr

Die Fußballer des SC Colnrade sind in der 1. Kreisklasse auf den vorletzten Tabellenplatz abgerutscht. Das Team hat sich darauf eingeschworen, nach der Winterpause „den Karren gemeinsam wieder aus dem Dreck zu ziehen.“

„Ein Rückzug aus der 1. Kreisklasse steht nicht zur Debatte, wir wollen diese Saison anständig zu Ende bringen.“ Frank Lehnhof, ehrenamtlicher sportlicher Leiter der Fußball-Abteilung des SC Colnrade gibt sich kämpferisch und schaut weiter nach vorne: „Vor kurzem habe ich mir das Rückrunden-Programm angeschaut: Die ersten drei, vier Spiele werden für uns entscheidend sein, wenn wir die Klasse halten wollen. Da müssen wir einfach mal gegen die Mannschaften aus Littel, Tungeln, Vielstedt oder Bookholzberg gewinnen, auch wenn es sehr schwierig wird.“ Die Mannschaft ist mit sieben Punkten als Tabellenvorletzter in die Winterpause gegangen, der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz beträgt sieben Zähler.

Keine Jugendmannschaft

Der Sport Club in der etwa achthundert Einwohner zählenden Randgemeinde Colnrade gehört mit seinem Gründungsjahr 1979 eher zu den jüngeren Sportvereinen in der Gegend, noch jünger ist die im Jahr 2000 gegründete Fußball-Abteilung. Damals startete der SCC voller Euphorie mit einer Schüler-Mannschaft (C-Jugend) und zwei Herrenteams in das „Abenteuer Fußball“.

Die Jugendmannschaft existiert heute nicht mehr und der Aufbau einer Jugend-Fußballabteilung erwies sich mangels personeller Masse als nicht realisierbar. Dennoch verlief das Fußball-Abenteuer in den folgenden Jahren recht erfolgreich: Die erste Herren des SC Colnrade mischte munter in der damaligen Leistungsklasse, einer Staffel zwischen Kreisklasse und Kreisliga, der Kreisliga und der 1. Kreisklasse mit.

Die Spieler der damaligen Jugend-Mannschaft sind mittlerweile erwachsen geworden. Einige von ihnen spielen auch heute noch für den SCC. Aber es sind eben nur noch einige und damit sind es eigentlich auch zu wenige, die dem jetzigen Team angehören.

Große Personalprobleme

Die Gründer-Euphorie von einst ist längst dem rauen Alltag gewichen. Das letzte Heimspiel am 26. November endete mit einer deftigen 0:10-Niederlage gegen den VfL Stenum II, weil beim Anpfiff nur neun Colnrader auf dem Feld standen. Die Spiele davor gingen ebenfalls klar verloren. Die Hobby-Kicker nehmen aus alter Verbundenheit zu ihrem Verein teilweise weite Anfahrten in Kauf, um mit ihren Fußball-Kumpels auf dem Feld zu stehen. Trotzdem, die großen Personalprobleme ziehen sich wie ein roter Faden durch den bisherigen Saisonverlauf.

Abgänge von guten Spielern zu anderen Vereinen, dazu die längerfristigen verletzungsbedingten Ausfälle von Leistungsträgern wie Tor-Garant Jörg Schliehe-Diecks, dem langjährigen Kapitän Daniel Gössling oder Kämpfer Eike Westphal wiegen schwer und sind nicht zu kompensieren. Der SC Colnrade rutschte in der Tabelle immer weiter nach unten – eben bis auf den vorletzten Platz.

Neuzugänge schwer zu bekommen

Trainer Volker Siegmann ist angesichts der Serie klarer Niederlagen oft ratlos, bisweilen sogar mutlos: „Manchmal wissen wir gar nicht, wie und ob es weitergehen soll. Leider wachsen bei uns die Spieler nicht auf den Bäumen, und wir konnten in letzter Zeit keine wettbewerbsfähige Mannschaft mehr stellen“, sagt er. „Wir bekamen zwar immer wieder Hilfe von altgedienten Spielern aus der zweiten Herren, die in der 5. Kreisklasse spielt, aber die sind, abgesehen vom Alter, auch nicht mehr regelmäßig im Training und können deswegen gar nicht mehr so richtig mithalten. Neue und junge Spieler sind für unseren Verein nur schwer zu bekommen. Zum Schluss sehnten wir nur noch die Winterpause herbei ...“

Dennoch sei die Stimmung innerhalb der Mannschaft weiterhin noch sehr gut, versichern Lehnhof und Siegmann einhellig, zumal die berechtigte Hoffnung besteht, dass die Langzeit-Verletzten zum Start in den zweiten Saisonteil wieder zur Verfügung stehen. Kürzlich, während der Mannschafts-Weihnachtsfeier, wurde im Kollektiv beschlossen, dass „alle zusammen und gemeinsam die Karre wieder aus dem Dreck ziehen wollen“.

Im nächsten Atemzug hat Siegmann dann aber doch noch eine Überraschung parat: „Wie es mit mir persönlich weitergeht, ist noch völlig offen, da mein Trainer-Vertrag am 31. Dezember endet. Ich muss einfach darüber nachdenken, was ich machen werde, denn immer die Hucke vollzukriegen, das macht einfach keinen Spaß. Außerdem stimmt bei so einem kleinen Kader auch oft die Trainings-Einstellung nicht, weil viele denken: Ich spiele doch so oder so, warum soll ich mich also anstrengen?“

Sportlicher Leiter glaubt an die Wende

Frank Lehnhof will die Personal- und Nachwuchs-Probleme auch gar nicht herunterspielen, aber so schnell gibt er eben nicht auf: „Neulich meldete sich bei uns im Verein ein neu in unserer Gemeinde eingebürgerter Bulgare, der hier inzwischen auch Arbeit gefunden hat und dazu vollkommen fußball-verrückt ist. Er möchte gerne bei uns spielen und nun hoffe ich, möglichst bald die Spielgenehmigung für ihn zu bekommen“, bestätigt er. „Ich gehe weiterhin fest davon aus, dass wir die Saison mit dem Klassenerhalt beenden werden, mit Volker Siegmann als Trainer.“ Siegmanns Frust kann Lehnhof natürlich nachvollziehen, doch er glaubt fest an die Wende. Nicht zuletzt wegen der Weihnachtsfeier: „Unsere Fußball-Abteilung ist nun schon über fünfzehn Jahre alt, da hat doch keiner bei uns im Verein ein Interesse daran, absolut chancenlos anzutreten, um sich in jedem Spiel geradezu abschlachten zu lassen. Auf so etwas habe ich auch absolut keinen Bock. Vereine wie unserer in den örtlichen Randlagen leben vom Zusammenhalt im Ort.“