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1:1 gegen 1. FC Wunstorf SV Atlas kämpft mit Herz und Leidenschaft

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 03.09.2017, 15:43 Uhr

Mehr als 1000 Zuschauer sehen ein gerechtes Unentschieden in der Fußball-Oberliga zwischen dem SV Atlas Delmenhorst und dem 1. FC Wunstorf. Der SVA spielt in Hälfte eins gefällig nach vorne, ehe die Blau-Gelben nach dem Wechsel kämpferische Qualitäten zeigen.

Das Publikum beim SV Atlas Delmenhorst ist in den vergangenen Jahren ja durchaus mit ansehnlichem Fußball, spektakulären Toren und feinen Spielzügen ihrer Mannschaft verwöhnt worden. Dass die Blau-Gelben in der Oberliga ihre Gegner wöchentlich in Grund und Boden spielen werden, das ist nach dem vierten Aufstieg in fünf Jahren naturgemäß nicht zu erwarten. Als in der über weite Strecken gutklassigen Begegnung am Samstagnachmittag gegen den 1. FC Wunstorf vornehmlich die kämpferischen Tugenden gefragt waren, bewiesen die blau-gelben Anhänger ein gutes Gespür. Sie honorierten jede wichtige Balleroberung, jeden wichtigen gewonnenen Zweikampf mit Applaus – was dem einen oder anderen Spieler beim 1:1 (1:0) möglicherweise durchaus noch mal einen Kick für die Endphase und den verdienten Punktgewinn gab.

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„Das Publikum hat uns wieder toll unterstützt“, bedankte sich Atlas-Trainer Jürgen Hahn bei den Fans unter den mehr als 1000 Zuschauern, die es mit den Blau-Gelben hielten. Auch ansonsten war Hahn nach Spielende bei seiner Analyse ganz entspannt. Denn er hatte gegen einen der möglichen Oberliga-Titelkandidaten eine gute Leistung seiner Mannschaft gesehen. „Wir verbessern uns Schritt für Schritt.“

Atlas war in der ersten Halbzeit das bessere Team und hätte höher als 1:0 führen können. Nach dem Wechsel hatte Wunstorf mehr Spielanteile, weshalb Hahn richtigerweise „ein gerechtes Remis“ gesehen hatte. Auch Wunstorfs Trainer Jens Ullmann fand den Punktgewinn der Gastgeber „nicht ganz unverdient“, trauerte wegen der dominanteren zweiten Hälfte seiner Elf aber „zwei verlorenen Punkten“ hinterher.

Atlas lief zum ersten Mal in dieser Saison mit seinen neuen Trikots auf, hatte in der Anfangsphase zwei, drei Wackler in der Defensive – und Glück, dass ein Treffer von Wunstorfs Robin Ullmann wegen Abseits nicht zählte (6.). Wenig später führte dann aber Atlas etwas überraschend. Ein starker langer Ball aus dem Zentrum erreichte den emsigen Dominik Entelmann, der vor dem gegnerischen Tor uneigennützig auf den freistehenden Spielmacher Musa Karli querlegte – 1:0 (14.).

 Clever abgelegt: Atlas-Angreifer Dominik Entelmann ist vor Wunstorfs Torwart Marc Engelmann am Ball und bedient Musa Karli. Foto: Rolf Tobis

Die Führung im Rücken tat dem SVA spürbar gut. In der Defensive gab es wichtige Balleroberungen und immer dann, wenn Altas über seine schnellen Offensivleute die Tiefe suchte, wurde es gefährlich. Musa Karli lief nach einem Pass von Patrick Degen alleine auf Wunstorfs Torwart Marc Engelmann zu, sein harmloser Schuss mit der Pike war dann aber eine sichere Beute für den FCW-Schlussmann; hätte Karli auf den frei mitlaufenden Lars Scholz gepasst, hätte Atlas wohl 2:0 geführt (17.). Scholz selbst hatte dann noch zwei Chancen: Sein Eckball wurde von der Linie geköpft (28.), dann erzielte auch der Rechtsaußen ein Abseitstor (33.).

Bei Wunstorfs Angriffen mit den gefährlichen Spitzen Mohamad Saade und Sebastian Schirrmacher musste der SV Atlas allerdings immer auf der Hut sein, weshalb Sechser Dennis Janssen sich bei gegnerischem Ballbesitz häufig zwischen die Innenverteidiger mit dem starken Marlo Siech und Kapitän Stefan Bruns als zusätzliche Absicherung schob. „Wir haben Mitte der ersten Halbzeit fünf, sechs Minuten geschlafen, wo Atlas das 2:0 hätte machen können“, analysierte Gäste-Coach Ullmann. Er fand: „Danach waren wir dann besser.“

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Das galt zumindest für Halbzeit zwei definitiv, in der Wunstorf schnell der Ausgleich gelang. Der agile Linksverteidiger Marco Menneking nahm in der Atlas-Hälfte plötzlich Tempo auf, spielte einen feinen Doppelpass mit Schirrmacher und erzielte freistehend vor SVA-Torwart Florian Urbainski das 1:1 (51.). Es war eine Szene, in der bei der gesamten Atlas-Defensive der viel gerühmte Zugriff fehlte. Das erkannte auch Hahn. Er betonte aber: „Wunstorf hat ein starkes Pass- und Positionsspiel. Das ist nicht immer zu verteidigen. Wunstorf ist eine abgezockte Truppe, die auch nach dem 0:1 nicht nervös wurde.“

Nach dem Ausgleich hatte Atlas eine kurze Schwächephase – und Glück bei zwei drei guten Gelegenheiten für Schirrmacher (55./57.) und Menneking (65.). Hahn reagierte darauf. Er nahm Linksaußen Patrick Degen vom Feld, stellte Kevin Radke nach rechts hinten und beorderte Thomas Mutlu ins defensive Mittelfeld. Eine Maßnahme, die sich bezahlt machte. Denn danach hatten die Blau-Gelben wieder mehr Stabilität im Defensivverbund.

In der Schlussphase neutralisierten sich dann beide Teams. Atlas operierte viel mit langen Bällen, doch insgesamt fehlte die Präzision im Angriff – außer bei einer Schusschance für Degen (63.). Die spielerisch stärkeren Gäste wirkten im Angriff zwar gefährlicher, doch Atlas verteidigte geschickt. Hahn sagte dazu: „Wir haben am Ende mit ganz viel Herz und Leidenschaft gekämpft.“ Was nicht nur den SVA-Trainer freute, sondern auch die Zuschauer honorierten.