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2. Handball-Bundesliga Der Delmenhorster Partrice Giron trainiert den SV Werder

Von Klaus Erdmann | 31.07.2015, 19:30 Uhr

Der gebürtige Delmenhorster Patrice Giron trainiert die Handballerinnen des SV Werder Bremen, die in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind. Der 37-Jährige lebt in Ganderkesee.

„Ich kannte gefühlt 50 Prozent der Leute. Das hat mich überrascht.“ Patrice Giron, neuer Trainer der Handballerinnen des SV Werder Bremen, neues Mitglied der 2. Bundesliga, zeigte sich nach dem Testspiel bei der HSG Delmenhorst (43:7) erstaunt. Die Region hat den Trainer, den gebürtigen Delmenhorster, der in Ganderkesee lebt, wieder. Werder sei Dank.

Einige Anfragen abgelehnt

Giron ist verheiratet, Vater dreier Kinder und arbeitet als Dozent an der Uni Hamburg (Spitzensport und Events). Und dann noch die Tätigkeit als Trainer. Bei aller „Handball-Besessenheit“, die er sich attestiert, ist es nicht so einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Die Pendelei nach Rosengarten, einer seiner ehemaligen Arbeitgeber, sei schon „an der Grenze“ gewesen. So beschied er einige Anfragen negativ – bis sich die Bremer meldeten.

Alina Otto und Alexandra Meyer spielen für Werder

„Werder“, sagt Giron, „ist die einzig denkbare Variante.“ Es passe „logistisch“ gut. Und: „Der Verein hat ein gutes Konzept.“ Auf dieses kommt der 37-Jährige näher zu sprechen, wenn man ihn nach den gravierendsten Unterschieden zwischen 2. und 3. Liga fragt. „Das Geld spielt in der 2. Liga eine prägnantere Rolle“, antwortet der Coach. „Werders generelle Philosophie ist es, keine Retortenmannschaft aus dem Boden zu stampfen.“ Andere Zweitligisten, wie zum Beispiel Halle-Neustadt, verfügten über ganz andere finanzielle Ressourcen. Werder (Giron: „Die erste Sieben des letzten Jahres ist noch dabei“) setze auf entwicklungsfähige Spielerinnen. „Wir sehen uns verstärkt in der Region um“, sagt der Trainer, zu dessen Team mit Alina Otto und Alexandra Meyer zwei gebürtige Delmenhorsterinnen gehören.

Erste Trainerstation beim VfL Oldenburg

Giron, dessen Vater aus Frankreich stammt, zog mit seiner Familie nach Ganderkesee, als er die erste Klasse besuchte. „Als ich in der zweiten Klasse war, habe ich mich dem TSV angeschlossen“, blickt er zurück. Er spielte lange für Ganderkesee und in verschiedenen Auswahlmannschaften – „bis zum Führerschein“. Er wechselte zu TSG Hatten-Sandkrug. Es folgte die Ausbildung zum Diplom-Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln.

„Ich habe dort in der 3. Liga gespielt. Ich hatte ein bisschen Talent, aber ich musste mich hocharbeiten“, berichtet A-Lizenz-Inhaber Giron. Er sei auf dem Sprung in die 2. Liga gewesen. „Aber 2004 habe ich mir eine schwere Schulterverletzung zugezogen“, sagt er. Ende der aktiven Karriere. 2005 erfolgte die Rückkehr aus Köln. VfL Oldenburg (2007 – 2011), Huyser E & O/Niederlande (2010/11) und SGH Rosengarten/Buchholz (2012/13) lauteten die Stationen als Vereinstrainer.

„In dieser Liga kann man jeden schlagen“

Nun also Werder Bremen. Das Niveau der 2. Liga könne er einschätzen, denn: „Meine Zeit mit Rosengarten in der 2. Liga liegt ja nicht so lange zurück.“ Außerdem gebe es verschiedene Informationsquellen und Testspiele. „Aber mit dem Start der Punktspiele werden die Karten neu gemischt“, betont Giron. Natürlich darf die Frage nach dem Saisonziel nicht fehlen. Antwort: „Es klingt vielleicht abgedroschen, aber mit dem Anpfiff wollen wir jedes Spiel gewinnen. In dieser Liga kann man jeden schlagen.“ Er versuche, mit seinen Möglichkeiten aus der Mannschaft das Maximum herauszuholen. Patrice Giron lacht: „Jetzt sind eigentlich fünf Euro für das Phrasenschwein fällig.“