Ein Angebot der NOZ

2:2 im Test beim VfL Wildeshausen SV Atlas Delmenhorst offenbart defensive Schwächen

Von Frederik Böckmann | 01.08.2016, 00:09 Uhr

Nach dem 2:2-Unentschieden im Freundschaftsspiel beim VfL Wittekind Wildeshausen ist ist Jürgen Hahn, Trainer des Fußball-Landesligisten SV Atlas Delmenhorst mit der Leistung seiner Offensive zufrieden. Er sagt aber auch: „Die Rückwärtsbewegung hat mir nicht gefallen.“

Es war nur ein Testspiel, ein Freundschaftkick im Rahmen der 125-Jahr-Feier des VfL Wildeshausen. Doch Marcel Bragula war nach dem Schlusspfiff gegen den SV Atlas Delmenhorst alles andere als bemüht, das 2:2 (1:1) gegen den künftigen Landesliga-Konkurrenten schnell wieder unter den Teppich zu kehren. Also suchte der Fußball-Trainer das Gespräch mit Schiedsrichter Per-Ole Wendlandt (VfL Stenum). Inhalt des Dialogs: ein Zweikampf in der 63. Minute im Atlas-Strafraum, nachdem VfL-Spieler Maximilan Seidel beim Stand von 1:2 zu Boden ging, Bragula einen Elfmeter forderte, Wendlandt aber nicht pfiff.

Der Wittekind-Trainer und der Referee gingen nach diesem kurzen Gespräch freundlich auseinander, doch diese Unterhaltung verdeutlichte dies: Bragula und seine Crew sind heiß auf die Saison und sahen die Partie als ernste Angelegenheit an. Der VfL-Coach war nach den kurzweiligen, intensiven 90 Minuten zufrieden mit dem Auftreten seiner Truppe. „Das war ein echter Härtetest. In der ersten Halbzeit waren wir die bessere Mannschaft und hatten ein Chancenplus. Nach der Pause hatte Atlas zwar mehr Ballbesitz, wir aber trotzdem die besseren Möglichkeiten“, sagte Bragula und analysierte das Unentschieden treffend.

Lob für Kevin Kari und Sebastian Bröcker

Der Trainer setzte im 4-4-2-System auf eine Elf, die durchaus auch am ersten Spieltag (Sonntag, 15 Uhr) gegen Vorwärts Nordhorn von Beginn an starten könnte. Auf den möglicherweise vakanten Posten machten zur Freude von Bragula vor allem zwei Wildeshauser Akteure auf sich aufmerksam: die hängende Spitze Sebastian Bröcker („Er entwickelt sich immer mehr zu einem Leistungsträger“) und Linksaußen Kevin Kari („Er hat ein Zeichen gesetzt“). Auch mit den Leistungen der Mittelstürmer Sascha Abraham und Lennart Feldhus fand der Wittekind-Trainer „in Ordnung“. Ärgerlich waren indes die verletzungsbedingten Auswechslungen von Bastian Stuckenschmidt, Lennart Flege und Maxi Seidel.

Weniger zufrieden als Bragula war Atlas-Trainer Jürgen Hahn, der Licht und Schatten bei seiner Mannschaft sah. Positiv fand der Coach 60 Minuten lang das Auftreten bei Ballbesitz. „Wir hatten einen guten Spielaufbau. Viele Akteure waren in Bewegung.“ Auffälliger als die Offensiv-Bemühungen waren bei den Gästen, bei denen sich Steven Müller-Rautenberg und Hanno Hartmann verletzten, allerdings die defensiven Unzulänglichkeiten. „Die Rückwärtsbewegung hat mir nicht gefallen. Da müssen wir alle Spieler mitnehmen.“ Auffällig bei Atlas waren im defensiven Mittelfeld auch die Schwächen im Spielaufbau und die fehlende Ordnung.

Dominik Entelmann schießt Traumtor

Vor 350 Zuschauern setzte Wildeshausen die Gäste zunächst früh unter Druck, die Delmenhorster fanden selten den Zugriff auf die VfL-Spieler. Folgerichtig führte Wildeshausen durch Stuckenschmidt mit 1:0 (22., schöner Kopfball nach Apostel-Flanke) und hätte durch Bröcker (16.) und Feldhus (17./28.) noch höher führen müssen. Wie „aus dem Nichts“ (Bragula) glich der SVA dann aber zum 1:1 aus. Dominik Entelmann knallte einen 25-Meter-Schuss unhaltbar in den Winkel – es war ein echtes Traumtor (26.).

Nach der Pause wechselten beide Mannschaften munter durch, wodurch etwas der Spielfluss litt. Atlas hatte nun mehr Spielanteilte und ging Abwehrmann Florian Knipping mit 2:1 in Führung, der nach einem Querschläger von VfL-Linksverteidiger Frederik Dittmar in Torjäger-Manier vollstreckte (59.). Eine Niederlage im letzten Test vor heimischer Kulisse? Die wollte Wildeshausen unbedingt vermeiden – und wurde für seine Bemühungen belohnt. Kevin Kari traf beim vierten Schussversuch eines Wildeshauser im Altas-Strafraum innerhalb von drei Sekunden zum 2:2 (75.). Es war ein Treffer, über den Bragula euphorisch jubelte, während sein Gegenüber Jürgen Hahn nach dem Schlusspfiff nur Kopf schüttelte. „Da waren wir gedanklich nicht auf der Höhe“, sagte Hahn und hielt vor dem Saisonauftakt am Sonntag gegen den SV Bad Rothenfelde (Sonnta, 15 Uhr) fest: „Wir haben noch einiges zu tun.“