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24-STUNDEN-LAUF IN DELMENHORST Wie Dieter Kreuzer 2017 in die Siegermannschaft rutschte

Von Frederik Böckmann | 07.06.2018, 10:03 Uhr

Nach drei Jahren Pause wollte der Delmenhorster Dieter Kreuzer beim Burginsellauf in Delmenhorst wieder mitmachen – und landete plötzlich in einem „krassen Team“, das ein Wahnsinnstempo lief. Dieter Kreuzer erklärt, wie es dazu kam und was für ihn den Reiz des größten deutschen 24-Stunden-Laufes ausmacht.

Am Ende eines kräftezehrenden Delmenhorster 24-Stunden-Laufes stand dann auch Dieter Kreuzer bei der Siegerehrung im vergangenen Jahr während der Mittagssonne auf der Bühne. Eingerahmt von seinen Teamkollegen lächelte der Mittelstreckenläufer erschöpft, aber sehr zufrieden – und hielt am Ende auch einen großen Pokal in der Hand: nämlich den für die siegreiche Männermannschaft TSV Neuenwalde I. (Weiterlesen: Delmenhorster wandert 500 Kilometer als Burginsellauf-Vorbereitung) 

Ein Delmenhorster, der zufällig vor knapp zwölf Monaten für den TSV Neuenwalde startet? Und mit seiner Mannschaft dann auch noch herausragende 381,7 Kilometer herausläuft? Es ist eine dieser zahlreichen kleinen, schönen Geschichten vom Burginsellauf, die das Lauf-Event Jahr für Jahr schreibt und die auch den speziellen Reiz der Veranstaltung ausmachen. (Weiterlesen: Läuferin reist aus der Karibik zum Burginsellauf) 

Von 2010 bis 2013 hatte Dieter Kreuzer mit Lauf-Teams der DLW und OLB in der Gesamtdistanz immer knapp an der 300-Kilometer-Marke gekratzt. 2017 wollte der Leichtathlet von Eintracht Delmenhorst dann „einfach mal locker und stressfrei“ wieder mitlaufen – und meldete sich auf der Lauferbörse des 24-Stunden-Laufes an. Und auf der stellte sein Kumpel Frank Peters den Kontakt zum TSV Neuenwalde her.

„Ich sollte mich sofort bei denen melden“, erinnert sich Kreuzer. „Das war am Mittwoch vor dem Lauf.“ Hätte Dieter Kreuzer schon vorher gewusst, dass er zufällig in die Staffel des TSV Neuenwalde rutscht, dann wäre er vermutlich den Dienstag vor dem Burginsellauf-Start nicht noch die 5000 Meter bei der Kreismeisterschaft in Delmenhorst gelaufen. (Hier geht‘s zur Bildergalerie von 2017) 

Denn der TSV Neuenwalde hält mit 385,101 Kilometern aus dem Jahr 2015 den Streckenrekord in Delmenhorst. Einfach mal locker um die Graft laufen? Das wird wohl nichts werden, wusste Dieter Kreuzer in diesem Moment. Und stressfrei sollte es auch nicht werden. „Ich bin in einem krassen Team gelandet“, schmunzelt Kreuzer. Denn er war wahrlich nicht der einzige Teamkollege, der im Vorfeld des 24-Stunden-Laufes schon Wettkämpfe in den Knochen hatte.

Zwei seiner Mitläufer waren noch am Donnerstag vor dem Burginsel-Event beim Bremer Firmenlauf vorne gelandet, ein Teamkollege hatte morgens vor dem 24-Stunden-Lauf noch einen Triathlon absolviert und stieß erst am Nachmittag zum 10er-Team. Womit es dann erstmals komplett war. Allerdings nicht lange.

Mit der Taschenlampe im Zelt am Lernen

Denn Kreuzers erster Mannschaftskollege verabschiedete sich bereits am frühen Abend – und fuhr per Zug noch zu einer Hochzeit. Nicht die letzte Kuriosität: Denn ein Student startete in Delmenhorst, obwohl er am Montag in seinem Studienort in Bayern eine Klausur schreiben musste. „Der hat dann nachts per Taschenlampe im Zelt gelernt“, staunt Kreuzer auch noch ein Jahr später und sagt: „Der sportliche Ehrgeiz bei uns allen war schon sehr groß.“

Was sich dann auch an den Zeiten ablesen ließ. Nach sechs Stunden war Neuenwalde 100 Kilometer gelaufen, nach zwölf Stunden 196 Kilometer, nach 18 Stunden 289 Kilometer und im Zieleinlauf nach 24 Stunden zu acht (nach einem Ausfall) eben 381,7 Kilometer – mit 18 Kilometern Vorsprung auf den Zweiten.

Damit lief der TSV mit umgerechnet 316 Runden die zweigrößte Strecke in den vergangenen 15 Jahren – auch, weil einige Neuenwalder in den letzten zwei Stunden des Events den 1,205 Kilometer langen Rundkurs in nur knapp über vier Minuten sprinteten. „Das war schon ein Wahnsinnstempo“, staunt Dieter Kreuzer über die Läuferqualitäten seiner Teamkollegen. (Weiterlesen: 24-Stunden-Lauf endet mit Rekord) 

Der 24-Stunden-Burginsellauf und sein besonderes Flair

Auch in diesem Jahr wird der 55-Jährige am 16. und 17. Juni wieder für die bunt zusammengewürfelte Truppe des TSV Neuenwalde starten. Einerseits sei ein Lauf in einem ambitionierten Team vor allem für den Kopf „schon stressig, weil man ja auch bei Läuferpausen irgendwie im Rhythmus bleiben muss“.

Bei aller sportlicher Motivation, der Taktik der einzelnen Staffeln und dem Blick auf die Zeiten genießt der Leichathlet aber natürlich auch das besondere Flair bei Deutschlands größtem 24-Stunden-Lauf. Kreuzer schwärmt von der abendlichen Atmosphäre bei Lagerfeuer, Feuerwerk und Musik, der Ruhe beim nächtlichen Lauf durch die Graftanlage und den vielen Bekannten an der Strecke, die ihm besonders am Sonntagmorgen den besonderen Kick geben.

„Der 24-Stunden-Lauf“, sagt Dieter Kreuzer, „ist für Körper und Kopf ein schon etwas sehr Besonderes.“ Strapazen, die nicht nur er, sondern wohl alle Läufer bei der Siegerehrung am Sonntagmittag – zumindest für einige Augenblicke – vergessen haben.