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3. Handball-Liga Bokelmann springt bei Hude/Falkenburg in die Bresche

Von Daniel Niebuhr | 16.01.2016, 15:39 Uhr

Werner Bokelmann sitzt heute als Interimscoach bei der HSG Hude/Falkenburg auf der Bank. Der Handball-Veteran will den Spielerinnen in der 3. Liga kurzfristig das Selbstvertrauen zurückgeben – und bastelt mit der Vereinsspitze an einer langfristigen Lösung.

Der Vorteil an Sport-Statistiken ist, dass man immer irgendwo auf eine stößt, die Trost spendet. Ein bisschen suchen musste Werner Bokelmann zwar auch, doch dann fand der Interimstrainer der HSG Hude/Falkenburg einige Mutmacher für seine glück- und punktlosen Drittliga-Handballerinnen. „Ich habe mir viele Tabellen anderer Ligen angeschaut und doch festgestellt: Manche sind noch schlimmer dran“, sagt Bokelmann und scherzt: „Es ist schon ein warmes Gefühl, zu wissen, dass man nicht allein ist.“

Neuer Trainer soll in 14 Tagen feststehen

Natürlich ist geteiltes Leid im Sport selten halbes Leid, weshalb die Huderinnen ihr Punktekonto von 0:20 am Sonntag ab 15 Uhr beim Vorletzten Jahn Hollenstedt dringend aufpolieren wollen. Es ist Bokelmanns erster Auftritt als alleinverantwortlicher HSG-Trainer, nachdem sein Kollege Thorsten Stürenburg im Winter zurückgetreten war, „für viele schockierend“, wie der Aushilfscoach bekennt. Bokelmann war eigentlich nur der Mann im Hintergrund, nun soll er retten, was zu retten ist, und geht diese Aufgabe mit der Gelassenheit eines bundesligaerfahrenen Handball-Veteranen an. Es gehe jetzt weniger darum, auf Biegen und Brechen eine Aufholjagd Richtung rettendes Ufer zu starten – was bei acht Punkten Rückstand auch vermessen wäre –, sondern den Verein für die Zukunft in Stellung zu bringen. Man habe nun ein halbes Jahr Zeit dafür. Die Trainerfrage ist naturgemäß die dringendste. „Wir wollen möglichst in zwei Wochen eine Lösung präsentieren. Da sind wir auch schon in guten Gesprächen“, erzählt Bokelmann. Er selbst werde es nicht werden, „jedenfalls nicht als Cheftrainer“.

„Die Liga hat uns den Spiegel vorgehalten“

Mit einem neuen Mann auf der Bank lässt sich dann auch die kommende Spielzeit leichter planen. Kurzfristig lässt sich der Gang zurück in die Oberliga kaum mehr vermeiden. Die nach wie vor nicht überwundene Verletztenmisere und das hohe Niveau waren etwas zu viel für die HSG, die sich davon aber nicht nachhaltig entmutigen lassen will. „Die Liga hat uns den Spiegel vorgehalten“, sagt Bokelmann. „Wir wissen jetzt, was bei uns noch fehlt.“ Es sei wie in der Schule: „Wenn du eine schlechte Arbeit geschrieben hast, grübelst du danach über die Note. Hast du sie dann wieder und eine Sechs bekommen, kannst du deine Lehren daraus ziehen und es nächstes Mal besser machen.“

Neerstedterin Busse stößt zum Team

Er hofft, dass die Mehrheit des Kaders es ähnlich sieht. Die Spielerinnen sollen sich spätestens nach der Vorstellung des neuen Trainers Gedanken machen, ob sie bei der HSG bleiben und den Weg mitgehen wollen, an dessen Ende der Klub mehr als nur Kurzgastspiele in der 3. Liga geben will. „Wir wollen natürlich in die Nische hinter den Bundesligisten VfL Oldenburg und Werder Bremen“, erzählt Bokelmann. „Da wäre ein guter Platz für einen Verein wie uns, denn da gibt es eindeutig ein Vakuum im Leistungshandball.“ Bereits im Winter ist schon einmal Lisa Busse zum Team gestoßen, die mit Zweitspielrecht auch für den Landesligisten TV Neerstedt aufläuft. Torhüterin Karen Tapkenhinrichs dagegen tritt nebenbei auch noch für den Oberliga-Spitzenklub VfL Stade an.

Als erste Aufgabe hat Bokelmann das Kellerduell am Sonntag in Hollenstedt im Kopf. Ein Sieg könnte „zum Lebenselixier“ werden, meint er: „Wenn das Selbstvertrauen zurückkommt, können wir in dieser Liga durchaus noch ein paar Spiele gewinnen. Aber das ist natürlich Schlangenbeschwörerei.“