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3:1 gegen Oythe SV Atlas Delmenhorst siegt mit Glück und Entelmann

Von Daniel Niebuhr | 05.03.2017, 21:18 Uhr

Der SV Atlas ringt nach katastrophaler erster Halbzeit den VfL Oythe noch mit 3:1 nieder und springt auf Platz zwei der Fußball-Landesliga.

Wenn ein Trainer nach einer Viertelstunde die ersten Spieler zum Aufwärmen schickt, ist das selten ein gutes Zeichen, besonders wenn er dabei so gereizt guckt wie Jürgen Hahn. Der Übungsleiter des SV Atlas war am Sonntagnachmittag schon nach der Anfangsphase des Landesliga-Spiels gegen den VfL Oythe so bedient, dass er wohl am liebsten direkt wieder in die Kabine gegangen wäre – den 900 Zuschauern im Delmenhorster Stadion ging es nicht viel anders. Nach den ersten Pflichtspielminuten 2017 musste man sich um Atlas tatsächlich ernste Sorgen machen.

Erste Hälfte „die schlechteste der Saison“

Knapp zwei Stunden später hatte der Titelanwärter das Spiel zwar mit 3:1 (0:1) gewonnen, die Strapazen waren Hahn aber immer noch anzusehen. „Es war anstrengend, auch für mich als Trainer. Ich musste viel eingreifen“, schnaufte er. Damit meinte er unter anderem die dem Vernehmen nach krachende Kabinenansprache nach einer ersten Halbzeit, die auch für Hahn „das Schlechteste war, was ich in dieser Saison gesehen habe“. Und nach der das Spiel eigentlich schon verloren hätte sein müssen. Was auch Oythes Trainer Alket Zeqo wusste, der nach dem Schlusspfiff, während hinter ihm die Atlas-Fans mit den Spielern feierten, deprimiert in die Kabine stapfte.

Oythes Chancenwucher

Zeqos Mannschaft hätte aus Delmenhorst mindestens einen Punkt mitnehmen müssen, die Chancen dazu waren da gewesen. In der ersten Halbzeit präsentierte sich Atlas seltsam aufgeregt und völlig unsortiert. Oythe machte es sich in der eigenen Hälfte bequem und konterte nach Delmenhorster Fehlpässen, die es reichlich gab. Dennis Jex nutzte einen davon schon nach sieben Minuten, als er freistehend einschieben durfte. Sechs Minuten danach stand Philip Schönewolf allein vor Atlas-Schlussmann Florian Urbainski, der den Vorzug vor David Lohmann bekommen hatte – der Ball rollte an den Pfosten. Nach einer halben Stunde liefen nach einem schlimmen Ballverlust von Innenverteidiger Daniel Karli mit Schönewolf und dem für den verletzten Jex eingewechselten Florian Greifendorf sogar zwei Oyther auf Urbainski zu, Schönewolf schoss den Ball aber aus fünf Metern über das leere Tor. Kein Wunder, dass Atlas-Stürmer Dominik Entelmann nach dem Spiel feststellte: „Zur Halbzeit muss Oythe schon 3:0 führen.“

Entelmanns Klasse dreht das Spiel

Er übernahm die Bestrafung für die Abschlussschwäche der Gäste nach dem Wechsel höchstpersönlich. In der 58. Minute köpfte er eine wunderbare Flanke von Patrick Degen zum Ausgleich ein, danach zerfiel Oythes Ordnung von Minute zu Minute – so wie es schon vielen Atlas-Gegnern vor der eindrucksvollen Kulisse ergangen war. Entelmann kam noch mehrfach aussichtsreich an den Ball, bis er in der 80. Minute schließlich von Süleyman Odabasi im Strafraum abgegrätscht wurde – „einen klareren Elfer gibt es nicht“, wie Entelmann selbst feststellte. Weil Schiedsrichter Tobias Zunker das genauso sah, durfte der Atlas-Stürmer zum Elfmeter antreten und das 2:1 erzielen.

Kluge Wechsel bringen Sicherheit

Sein Trainer konnte sich in der Schlussphase noch zu einem Jokertor beglückwünschen. Der eingewechselte Thore Sikken verarbeitete eine Entelmann-Vorlage zum 3:1 in der 84. Minute. Bereits in der Halbzeit hatte Hahn klug gewechselt und mit Lars Scholz und Stefan Bruns zwei belebende Elemente für Kapitän Daniel von Seggern und Simon Matta ins Spiel gebracht. „Die Wechsel haben uns gut getan“, fand Hahn. Er freute sich über den Sprung auf Tabellenplatz zwei, grübelte aber auch laut über die desolate erste Hälfte: „Wir haben fünf Wochen bei Regen und Sturm trainiert, um für dieses Spiel bereit zu sein, dann müssen wir uns zumindest wehren, das habe ich in der Halbzeit auch gesagt.“ Seine Spieler hatten offensichtlich verstanden.