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3:4 gegen Kickers Emden Bitterer K.o. für den VfL Wildeshausen

Von Lars Pingel | 08.11.2015, 16:58 Uhr

Vierte Niederlage in Folge für den VfL Wildeshausen: Der Fußball-Landesligist verlor sein Heimspiel gegen Kickers Emden mit 3:4 (1:3). Besonders bitter: Die Gäste markierten ihren Siegtreffer – in Unterzahl – in der zweiten Minute der Nachspielzeit. In der 85. Minute hatte der Wildeshauser Jan Lehmkuhl noch das 3:3 erzielt.

Ungewöhnliche Fußballspiele erzögen erwartbare und überraschende Reaktionen. „Ich bin maßlos enttäuscht“, sagte Marco Elia, ein Teil des Trainer-Duos des Fußball-Landesligisten VfL Wildeshausen am Sonntagnachmittag nach dem Heimspiel gegen Kickers Emden. Ein Blick ins Gesicht von Marcel Bragula genügte, um zu wissen, dass es ihm genauso ging. „Wer solche Fehler macht, kann noch so gut Fußballspielen, er muss verlieren“, sagte der über die 3:4 (1:3)-Heimniederlage, die der aufgerückte Emder Abwehrspieler Hendrik Diekman in der zweiten Minute der Nachspielzeit perfekt gemacht hatte. Wer aber dachte, dass Kickers-Trainer Rudi nun frohlockend in den Bus zur Heimfahrt steigen würde, sah sich getäuscht. „Ich bin stinkesauer, auch wenn wir einen Dreier geholt haben“, sagte er. „Trotz aller Warnungen haben wir den Gegner in der zweiten Halbzeit stark gemacht. Das ist mir unerklärlich.“

300 Zuschauer erleben ein Spektakel

Etwa 300 Zuschauer, darunter 40 Flüchtlinge, die der VfL eingeladen hatte, sahen eine Partie, die die Bezeichnung „Spektakel“ durchaus verdiente. Denn außer den Wildeshauser Treffern von Maximilian Seidel (10. Minute), Storven Bockhorn (52., Foulelfmeter) und Jan Lehmkuhl (85.), den Kickers-Toren von Heiko Visser (2.), Tido Steffens (15.), Sebastian Bloem (22.) und eben Diekmann lieferten ein vom Emder Tido Steffens an die Latte gezimmerter Handelfmeter (41.) und viele vergebene Chancen auf beiden Seiten für jede Menge Anlässe für steigenden Pulsschlag. Garniert wurde das Ganze mit einer Roten Karte für den Emder Manuel Suda (84., Tätlichkeit) und der Gelb-Roten Karte für Kickers-Ersatztorwart Rene Carstens, der in der Schlussphase erst reklamierend (88., Gelb) und dann jubelnd (90.+2) unerlaubt den Platz betrat.

Das VfL-Trainerduo hatte eigentlich einen Fehlstart – wie am vergangenen Freitag beim 2:4 bei BW Lohne – unbedingt vermeiden wollen. Sie hätten natürlich viel mit der Mannschaft gesprochen und sogar das Aufwärmprogramm verändert, erzählte Bragula. Es half nicht. Gleich beim ersten Angriff der Gäste schliefen ihre Spieler, ließen den Emdern viel zu viel Raum. Die Kickers, die in einer 4-3-3-Aufstellung zeigten, dass sie nicht zum Mauern ins Krandelstadion gekommen waren, nahmen diesen dankend an: Visser traf aus kurzer Distanz.

Fehler werden bestraft

Der VfL war anschließend in Zweikämpfen zu zögerlich und leistete in der Spieleröffung viele Fehlpässe. Trotzdem kam er gegen eine ebenfalls nicht immer sattelfeste Kickers-Abwehr zum 1:1 (10.). Seidel traf per Kopf. Der Treffer reichte aber nicht, um dem Wildeshauser Auftritt mehr Entschlossenheit und Schwung zu verleihen. Hinzu kam, dass die VfLer böse Fehler machten. Keine drei Minuten nach dem 1:1 verlor Jan Lehmkuhl den Ball am eigenen Strafraum an Steffens, der noch zwei Wildeshauser aussteigen ließ und die Kickers wieder nach vorn brachte. Vor dem 1:3 wurde Andreas Flessner nicht am Flanken gehindert, der im Strafraum frei stehende Bloem bedankte sich mit einem wunderschönen Fallrückzieher (22.).

Erst dann fing der VfL langsam an, sich in die Partie zu beißen. Er erkämpfte sich Torchancen. Außerdem reagierten die VfL-Trainer. Sie wechselten Sturmspitze Lennart Feldhus aus (30.), brachten Kai Meyer als rechten Verteidiger. „Für Lennart tat es uns leid, er hat gar nicht schlecht gespielt“, erklärte Bragula. Damit veränderte sich die taktische Ausrichtung vom 4-3-2-1 zum 4-3-3.

Kickers verpassen Entscheidung

Der vergebene Elfmeter – Andre Geiken hatte Meyer den Ball aus zwei Metern an die Hand geschossen – und der von Bloem aus sieben Metern übers Tor geköpfte Abpraller (41.), hielten den VfL in der Partie. Nach der Pause schien er sich diese Chance nicht entgehen lassen zu wollen. Die Wildeshauser trumpften plötzlich entschlossen auf. Sie gewannen Zweikämpfe und spielten viel präziser. Vor allem mit Steilpässen brachten sie die Emder in Schwierigkeiten. Einen versuchte Ole Lehmkuhl im Laufduell mit Gökay Batbay zu erreichen. Der Emder brachte den Wildeshauser im Strafraum zu Fall, den Elfmeter verwandelte Bockhorn (52.). Spätestens danach bestimmte der VfL das Geschehen und wurde fünf Minuten vor Schluss belohnt: Janek Jacobs passte auf Jan Lehmkuhl, der aus 14 Metern ins lange Eck traf (85.).

Kickers treffen in Unterzahl

Zum Punktgewinn reichte der späte Treffer allerdings nicht. Meyer foulte den Emder Suda im Mittelfeld, der schubste den Wildeshauser um (88.). Rudelbildung. Als er die diskutierende Gruppe aufgelöst hatte, zeigte Schiedsrichter Tim Gutendorf dem Emder Rot. In Überzahl musste der VfL im Grunde nur noch einen Freistoß überstehen. Den trat Kickers-Kapitän Torben Lange hoch in den Strafraum. Dort bewegte sich allerdings nur Diekmann zum Ball und trat ihn volley ins Netz. Die Reaktionen der Trainer waren erwartbar und überraschend.